Murkudis und die Macht der Mode

Deutsche Highlights in Paris: Was man über die F/S 2016-Kollektion von Kostas Murkudis wissen sollte

Seit über 20 Jahren macht Kostas Murkudis Kleider für eine kunstvernarrte Elite aus Hedonisten, Intellektuellen und modisch vordenkenden Bohemiens. Während der Pariser Modewoche zeigte der Designer mit den griechischen Wurzeln, der vor seiner Labelgründung 1994 als rechte Hand von Helmut Lang arbeitete, seine Kollektion für den kommenden Sommer in einer Stuckverzierten kleinen Altbauwohnung Herzen der Metropole

Kostas Murkudis zählt zweifelsohne zu den wichtigsten Designern Deutschlands, was man schon daran sieht, dass seine Pressearbeit nicht von einer hippen Berlin-Klitsche, sondern von der Münchener Agentur Loews geschmissen wird, die hierzulande sonst große internationale Luxushäuser vertritt. Gemeinsam mit seinem Bruder Andreas, der den besten Concept Store der Hauptstadt betreibt (in dem auch immer Kollektionen von Kostas hängen), gehört er zu jenen intelligenten Influencern, die den Modekosmos in und aus Deutschland beeinflussen – in der Summe sind sie mit dafür verantwortlich, den Querschnitt modischen Treibens hierzulande gen internationale Standards zu pushen.

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Kostas gelingt das, ohne dem Wirrwarr der Berliner Szene zum Opfer zufallen: Obwohl seit der Labelgründung 1994 in Berlin ansässig, entzieht er sich dem gerade erst aus den Kinderschuhen herauskommenden Modetheater der Hauptstadt. Er existiert parallel zu den ewigen Jungdesignern und der Modewoche mit dem Stern, agiert eher als graue Eminenz im Hintergrund. So zurückhaltend präsentierte er in dieser Saison auch seine Kollektion für den kommenden Sommer in der Stadt, in der er einst seine allererste Modenschau zeigte: Paris. Um die Ecke vom Colette war er in dieser Saison mit einem dezenten Showroom vertreten.

Mode für das Museum

Obwohl Kostas Murkudis schon immer eine ganze Reihe Kooperationen mit kommerziell ausgerichteten Marken wie etwa Schiesser oder Pringle of Scotland eingegangen ist und als Kreativdirektor für Closed oder Ter et Bantine arbeitete, verortet er sich mit seinem eigenen Label zunehmend an der Schnittstelle zur Kunst, reflektiert immer auch zeitgenössische künstlerische Praktiken oder lässt sich von ihnen beeinflussen. Das zeigt sich bereits an seinen oft sehr skulpturalen, architektonischen Entwürfen, in denen es stets um mehr geht, als nur ein Stück Stoff zum tragbaren Gegenstand zu verarbeiten. In seinen Kleidern schwingen auch immer soziokulturelle Fragen über die Mode mit. In den vergangenen Jahren hat er seine Kollektionen etwa keiner industriellen Vermarktung mehr ausgesetzt: Sie sind als Unikate angelegt und hinterfragen das schneller und massiger zirkulierende System Mode.

Murkudis Arbeiten gibt es aktuell im Museum zu sehen: In Zusammenarbeit mit dem Schöpfer zeigt das Frankfurter MMK 2 noch bis zum 14. Februar 2016 in der Ausstellung „Tuchfühlung. Kostas Murkudis und die Sammlung des MMK“ eine Reihe seiner Archivstücke als umfassende Werkschau, oft in Gegenüberstellung von Künstlern der permanenten Sammlung, die für das Schaffen von Murkudis von Bedeutung waren. Das Ausstellungsdesign kommt vom Künstler Carsten Nicolai und dem Architekten Aaron Werbick. Schon häufiger arbeiteten Nicolai, Murkudis und das Musem für Moderne Kunst zusammen: etwa 2010 im Rahmen einer Veranstaltung zu der Ausstellung „Not in Fashion. Mode und Fotografie der 90er Jahre.“

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Der Pracht-Parka

Parkas konnte Murkudis schon immer gut – auch für unsere AM10 Kooperation zum 10-jährigen Jubiläum von Achtung Mode und Andreas Murkudis gestaltete er (damals noch als Kreativdirektor von Closed) einen Hybrid aus Funktionsjacke und modischem Winterwärmer. In der aktuellen Kollektion kommt der Parka eher als überlange Bomberjacke in glänzendem Satin und elfenbeinfarbener Perlenverzierung oder reichlich bestickt daher. Auch Cowboy-artige Schnürungen an Schulter- und Seitenpartien besetzen den sportiven Klassiker mit neuen Zeichen – das an die wilden Siebziger erinnernde Schnürthema zog sich übrigens wie ein roter Faden weiter durch die Kollektion.