Ausstaffierte Mädchen blicken hinter den Kulissen gelangweilt in die Kamera, sie zwinkern aus dem Flugzeug, posten Aufnahmen ihrer neusten Strecke oder fotografieren sich Backstage mit ihres Gleichen. Tausendfach werden ihre Bilder auf der Foto-und Video-Sharing-App Instagram geteilt. Sie werden in Rap-Songs besungen, ihre Looks eifrig kopiert. Die Agenturen machen Druck, dass die Mädchen ihre Plattform pflegen, denn wer gefällt, ergattert heute dank starkem Following den Job. Wir von Achtung Mode wünschen uns ein wenig mehr Originalität. Deshalb haben wir Larissa Hofmann zu unserer derzeitigen Instagram-Botschafterin ernannt.

Vor vier Jahren fiel Larissa mit ihren konkaven Wangen und stahlblauen Augen auf und wurde auf der Straße gefragt, ob sie nicht für Lala Berlin laufen möchte: „Ich war wegen meines Kunststudiums in Berlin. [Nach der Lala Berlin Show] sollte ich nach Paris, 2-3 Wochen hieß es. Daraus wurden 4 Monate und zurück nach Deutschland bin ich bis heute nicht gezogen.“

Während es einigen Mädchen sichtlich schwer fällt, sie selbst zu sein, da sie im Teenageralter verpassten, herauszufinden, wer sie sind und sein wollen, scheint das deutsche Model Larissa Hofmann diese Schwierigkeiten nicht zu teilen. Die fehlende Konstante, aus dem Koffer zu leben und in der Luft zu hängen sind häufig thematisierte Nachteile. Hofmann kennt die Tücken des Modelns aus erster Hand: „Modeln ist ein Job, bei dem es einfach ist faul zu sein. Man wird von hier nach da geflogen, man bekommt seinen Tagesablauf per E-Mail geschickt, Hirn aus und folgen, man muss sich theoretisch um nichts wirklich kümmern. Genau, das ist gefährlich, dann steht man nämlich irgendwann mal da und weiß nicht, was man selbst will. Also Augen auf und Hirn an.“

Dass die 24-Jährige mehr als nur ein hübsches Gesicht ist, beweist ihr Instagram-Account. Denn ihren 54.000 treuen Anhängern zeigt sie nicht nur, wie sie andere sehen und in Szene setzen. Stattdessen nimmt die 24-Jährige ihre Follower mit auf eine virtuelle Reise durch ihr tägliches Leben: Stimmungsvolle Landschaften, ironische Stillleben, Gemälde berühmter Künstler und Eigenkreationen, verführerische Selbstporträts oder ein Aufnahme vom Feierabendbier mit Freunden. Alles sieht abgestimmt aus, wirkt dennoch natürlich, nicht gekünstelt oder durchchoreographiert. Laut Hofmann entsteht jedes Bild „nach Lust und Laune,“ so auch ihre erste Aufnahme für uns: Aus einem verschütteten Kaffee machte sie ein kleines Kunstwerk. Besonders gut gefällt ihr im Gegensatz zum Modeln, „dass man selbst die Verantwortung trägt, wie man sich der “Welt” präsentiert.“

Weil die Zeit als Model vergänglich ist, denkt Larissa schon mal über die Zukunft nach. Soziale Medien sind zwar wichtig für ihren jetzigen Job, „aber eine Person, deren Karriere auch ohne Social Media funktionieren würde, ist um einiges beeindruckender als jemand, der darauf angewiesen ist.“ Sie wünscht sich eine Karriere in der Kunst-oder Modeszene. Vorstellen könnte sie sich eine Laufbahn als Kuratorin, Artdirektorin, Fotografin oder Redakteurin. Achtung war das erste deutsche Magazin, für das die 24-Jährige fotografiert wurde. Jetzt sind wir die Ersten, die ihr die Möglichkeit eröffnen, sich als Kuratorin zu versuchen.

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