300 Jahre Zeitgeist eingewebt in schöne Kleider

Im Berliner Kunstgewerbemuseum beleuchtet eine Dauerausstellung die Mode der letzten drei Jahrhunderte


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Gleich das erste Kleid ist eine Fälschung. Zunächst sieht das dunkelblaue Charleston-Dress mit aufwändiger Pferdestickerei jenem zur Ikone gewordenen Modell von Madeleine Vionnet zum Verwechseln ähnlich. Das befindet sich allerdings sich im Modemuseum des Pariser Louvre! In Wahrheit handelt es sich also nur um eine Kopie – vielleicht eine der ersten –des geschichtsträchtigen Kleidungsstückes, das in den 1920ern von der französischen Couturière entworfen wurde. Insofern ist es gleich doppelt bedeutsam: weil es nicht nur die Mode jener Zeit repräsentiert, sondern auch als Vorreiter einer Nachahmungsstrategie verstanden werden kann, die heute den Kreislauf der Mode maßgeblich mitbestimmt.

Die Exponate des Berliner Kunstgewerbemuseums zeigen 300 Jahre Modegeschichte

Das Copy-Kleid ist nicht das einzige ikonische Kleidungsstück, das neuerdings im Berliner Kunstgewerbemuseum gezeigt wird. Der Rundgang durch Berlins erste und bisher einzige umfangreiche Mode-Dauerausstellung fühlt sich an wie ein Flanieren entlang der Schaufensterpassage der Modegeschichte; von der „Robe á la francaise“ um 1700 über von der Antike inspirierte Chemisenkleider vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zu Paco Rabannes und Pierre Cardins futuristisch anmutenden Minikleidern der 1960er.

Kunstgewerbemuseum Modegeschichte Ausstellung
Links: New Look-Modelle von Dior und Yves Saint Laurent. Rechts: die Kopie eines Madeleine Vionnet-Kleids

Gezeigt werden neben einem typischen New Look-Ensemble von Dior auch Klassiker wie Chanels kleines Schwarzes, das bis heute in keiner ordentlichen Garderobe fehlen darf und immer wieder neu gedacht wird. Schätze wie ein trapezförmiger Zweiteiler von Yves Saint Laurent aus den 1950ern stehen neben einem kastig geschnittenen Cocktailkleid mit abnehmbarem Kragen von Cristobal Balenciaga, welches von der strengen Nonnenkleidung in Balenciagas spanischer Heimat inspiriert wurde.

Kunstgewerbemuseum Modegeschichte Ausstellung
Links: futuristische Minikleider von Paco Rabanne und Pierre Cardin. Rechts: Robe á la francaise, um 1700

Die Ausstellung des Kunstgewerbemuseums zeigt dabei nie einfach nur die Kleider einer Epoche. Sie verdeutlicht vielmehr, wie stark sich die Mode gemeinsam mit den gesellschaftlichen Bedürfnissen, sozialen Verhältnissen und Schönheitsidealen ihrer jeweiligen Zeit veränderte. Ablesen kann man das an allen Exponaten. Ein wenig bekanntes Beispiel sind des Schusters Leisten, im wahrsten Wortsinn: Wurde bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von den Schuhmachern beispielsweise noch kein Unterschied zwischen rechtem und linkem Schuh oder gar Schuhgrößen gemacht, leitete der Bedarf an praktischer Militärbekleidung die Notwendigkeit der Konfektionierung auch an den Füßen ein.

Genau wie das Kopieren ist auch die Konfektionierung genau genommen ein brandaktuelles Tool des Modetreibens – so gesehen ist es doch wieder spannend zu sehen, dass sich in den letzten 300 Jahren vielleicht einzelne Kleidermoden, nicht aber das Prinzip Mode als solches verändert hat. Mal abgesehen von einer generellen Beschleunigung ist und bleibt die Mode also immer noch der wohl schönste Ausdruck von Zeitgeist.

Mode-Dauerausstellung im Kunstgewerbemuseum Berlin, Matthäikirchplatz, bis auf Weiteres