Leni lässt grüßen

Herb Ritts gilt als stilprägender Mode- und Celebrityfotograf der 1980er und 90er. Seine extrem körperlichen Aufnahmen zeigt momentan die Berliner Galerie Camera Work auf der Kantstraße, wo auch Achtung Mode-Fotograf Ralph Mecke ausstellt

Heroische Körper wie aus Stahl, nassglänzend vor Öl, Muskelpartien so definiert, dass sie wie aufgeblasen scheinen. Lasziv geöffnete Lippen, halb geschlossene Schlafzimmeraugen und immer wieder das Hohlkreuz als regelmäßiges Helfer-Motiv, um Po und dralle Brüste besonders zu fokussieren: In einer Gegenwart, in der Körper als Bild und im Bild zunehmend verschwinden und durch nicht greifbare Geschichten und Gefühle ersetzt werden, wirken Herb Ritts brutal erotische, extrem körperbezogene Modefotografien wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit.

Dabei ist seine Hauptschaffensphase gerade einmal knapp drei Dekaden her. Schönheitsideale sind dem Wandel unterworfen, gleichzeitig wiederholt sich Geschichte: Wer sich Leni Riefenstahls Werk in Erinnerung ruft, weiß, wo der Kalifornier genau hingeschaut hat. Erst in Kombination mit den Menschen, die Ritts fotografiert, wird der brachial-ästhetische Stil unverkennbar zu seinem eigenen.

Campbell, Crawford, Moss und Schiffer; Madonna, Barrymore, Bowie. Egal ob Hollywood-Star oder Supermodel, Herb Ritts hatte sie alle. Seine vor Sex strotzenden, in der Regel in Schwarz-Weiß gehaltenen Aufnahmen, etwa „Carrie in Sand 2“  oder „Fred with Tires“ sind längst als Ikonen ihrer Zeit im kulturellen Gedächtnis gespeichert. Auch seine Kampagnen für Versace bleiben in Erinnerung, die Klarheit und Symmetrie seiner Werke war bahnbrechend.

Bei Ritts konnten sich Bilder bald bewegen. Seine Musikvideos für Michael Jackson und Chris Issak werden heute noch oft kopiert, reichen aber nie an die Qualität des Originals heran.

Die Fotografie betrachtete der studierte Wirtschafts- und Kunstwissenschaftler zunächst nur als Hobby. 1979 machte er Aufnahmen von Richard Gere, den er damals durch eine Freundin kennen lernte. Mit zunehmender Berühmtheit des aufstrebenden Schauspielers bekamen auch die Bilder von Ritts, die während einer Reise an einer Tankstelle entstanden, internationale Aufmerksamkeit und führten schließlich zu seinem Durchbruch. Die Berliner Galerie Camera Work erinnert nun an den 2002 verstorbenen Fotografen mit der Ausstellung „Variants“. Noch bis zum 5.Dezember sind in den Charlottenburger Räumlichkeiten in der Kantstraße 149 mehr als 60 seiner Arbeiten zu sehen. Neben den berühmten Fotografien zeigt Camera Work zum Teil auch unveröffentlichte Werke. Viel Stars und nackte Haut sind garantiert.

Herb Ritts “Variants”
Ausstellung noch bis zum 5. Dezember
Camera Work | Kantstraße 149 | 10623 Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag – Samstag, 11–18!Uhr