Leibgericht #32: Reimer Claussen

Reimer Claussen ist so etwas wie der elder statesman der deutschen Mode. Norddeutsch by nature, begründete er mit seinem erstklassig zurückhaltenden Stil noch mehr als Karl, Wolfgang und Jil in den 80er Jahren die Hanseatisierung des deutschen Kleidungsbewußtseins.

Wer Claussen heißt, ein wunderbar altmodischer Name wie aus einem Thomas-Mann-Roman, und umgeben von blau-weißem Teeporzellan unter dem hohen Himmel der Nordseedeiche aufwächst, den bewahrt später im Leben das Holsteinische – eine gesunde bodenständige Grundspröde – davor, sich im Abenteuer seiner Lehrjahre zu verlieren. Reimer Claussen, kurz RC, wie er bis heute manchmal verkürzt signiert, ging als junger Mann nach New York, um dort von den Großen wie Halston zu lernen. Ein hochgebildeter elegant savant, der sich tagsüber an eklektischen Fundstücken in Buchläden und Antiquitäten geschäften inspirierte, um seine Nächte im legendären Studio 54 durchzutanzen. Aus dieser Zeit rühren auch seine exzellenten Kontakte zur künstlerischen Gesellschaftsbohème: Es gibt von Andy Warhol in seiner schreibunten Pop-Porträtserie nicht nur Goethe, Mao und Bianca Jagger, sondern auch einen Reimer Claussen.

Seit meiner Kindheit liebe ich Kartoffelsuppe mit Würstchen, wie ich überhaupt ein Freund gediegener Hausmannskost bin und diesbezüglich keinen Ess-Schnickschnack mag. Früher hieß sie Dithmarscher Kartoffelsuppe, weil ich dort geboren bin, in Dithmarschen an der Nordseeküste. Mittlerweile ist sie aber zur Berliner Kartoffelsuppe mit Würstchen geworden. Und danach gibt es immer einen selbstgebackenen Käsekuchen. Das war schon Tradition bei uns im Elternhaus und nun immer noch, wenn meine Freunde, meine Stadtbesucher, mich am Wochenende auf dem Land besuchen. Bier oder ein leichter Weißwein dazu, zum Kuchen danach ganz altmodisch handmade Filterkaffee und zum Abschied ein Glas Himbeer-, Aprikosen- oder Pflaumen-Marmelade, alles aus dem eigenen Garten und selbsteingekocht: „Claussen’s Homemade Marmelade“, made with love, zur Erinnerung an einen hoffentlich zauberhaften Tag auf dem Land.

Reimer Claussen fotografiert von Gregor Hohenberg in Schwielowsee.

Dithmarscher Kartoffelsuppe:

– Ca. 100g mehlig kochende Kartoffeln

– Ca. 100g durchwachsener Speck

– Jeweils ca. 100 g Mohrrüben, Porree und Sellerie

– 1 Gemüsezwiebel

– 750 g Gemüsebrühe

– Petersilie

– 4 Paar Wiener Würstchen oder so viele wie man mag.

Habe ich die Möglichkeit Büsumer Krabben zu bekommen, verzichte ich auf die Würstchen und nehme stattdessen 200g Krabbenfleisch, aber alles Geschmackssache.

Zubereitung:

Kartoffeln, Mohrrüben, Sellerie, Porree schälen, würfeln, klein schneiden. Vom mageren Speck die Schwarte abschneiden, den Speck würfeln und in einer Pfanne Fett auf mittlere Temperatur erhitzen. Speckwürfel so lange braten bis sie kross sind. Gemüsezwiebel würfeln und hinzufügen. Mit der Gemüsebrühe ablöschen. Dann Kartoffel- und Gemüsewürfel hinzufügen und 20 Minuten bei geschlossenem Deckel kochen lassen. Die Kartoffelsuppe mit dem Stabmixer je nach Wunsch fein oder grob pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Abschluss die beliebig vielen Würstchen kleinschneiden und in der Suppe erwärmen oder eben stattdessen das Krabbenfleisch, die Büsumer Krabben, hinzugeben. Mit kleingehackter Petersilie wird die fertige Suppe dekoriert. Dazu ein kräftiges Körner-Schwarzbrot reichen.

 

Erstmals erschienen in Achtung Mode Ausgabe 35, erschienen März 2018.