Fotografie: Kira Bunse exklusiv für Achtung Mode

Nach dem Stern greifen

Julia von Boehm kleidet Models für Modestrecken und Schauspielerinnen für den roten Teppich ein. Nun wird die Stylistin auch dem Magazin Stern einen neuen Look verpassen: als neuer Creative Director Fashion

Was uns Julia von Boehm, unser aktueller Star der Kolumne Made in Germany in der aktuellen Septemberausgabe von Achtung Mode, dieser Tage während der New Yorker Modewoche zuraunte, berichtet der Mediendienst Kress nun ganz offiziell: Die international erfolgreiche Stylistin mit Wahlheimat New York wird neuer Creative Director Fashion beim Gruner & Jahr-Magazin Stern. Von Boehm wird dort zweimal im Jahr deren Mode-Sonderausgabe konzipieren und umsetzen.

Für Chefredakteur Christian Krug sicherlich keine schlechte Wahl. Ihre Arbeit für internationale Modemagazine und -Unternehmen als auch als persönliche Stylistin von Nicole Kidman und Kate Winslet und ihr hochkarätiges Fashion-Netzwerk dürfte in Zukunft garantiert auch dem zuletzt eher bieder anmutendem Stern zu Gute kommen.

Dass von Boehm beruflich einmal in der Mode landen würde, stand für die Mutter zweier Töchter übrigens schon zu Schulzeiten fest. Mit 19 verließ sie die Heimat Heidelberg, um in Paris ihr Studium an der renommierten École de la Chambre Syndicale aufzunehmen. Bald wurde sie Carine Roitfelds Assistentin, die damals noch als freie Stylistin arbeite – in einer Ära, in der das kreative Gespann aus Testino, Roitfeld und Tom Ford gerade dafür sorgte, zunächst Gucci und dann Yves Saint Laurent mit einer großen Portion Sex-Glamour von ihrem angestaubten Image zu befreien. Tom Ford als Kreativ-Direktor, Testino hinter der Kamera und Roitfeld als modische Übersetzerin zwischen Klamotte und Zeitgeist. Und von Boehm als helfende Hand immer dabei.

Als Roitfeld Chefredakteurin der französischen Vogue wurde, folgte die junge Deutsche der schlanken Französin, die die damals noch altbackene Pariser Zeitschrift in den kommenden Jahren zur provokativen Rock n’ Roll-Modebibel machen sollte. Als sich Julia von Boehm nach vier Jahren von ihrer Mentorin löste, um auf eigenen Beinen zu stehen, blieben beide enge Freundinnen. Roitfeld ist sogar die Patentante von Boehms jüngerer Tochter Josephine.

2007 zog es von Boehm nach New York. Da stylte sie bereits Modestrecken für die deutsche und chinesische Vogue, V Magazine oder Harpers Bazaar, genauso wie Kampagnen für Vera Wang, H&M oder Jimmy Choo. Auch bei der deutschen Interview war sie kurzzeitig International Style Director – eine Erfahrung, die sie im nach hinein gegenüber Achtung Mode vage als „schwierig“ bezeichnet – die ihr aber dennoch viel Spaß gemacht hätte.

Den Grund ihrer großen Nachfrage als Stylistin sieht Boehm darin, Frauen im Bild zwar sexy, aber niemals vulgär aussehen zu lassen. Models inszeniert sie sexy und stark, jedoch niemals unterwürfig. „Mit der Mode, die ich für meine Strecken auswähle, versuche ich auch immer, etwas zu erzählen“, sagt von Boehm, „vielleicht suche ich deshalb immer nach Actresses in den Mädchen.“

Dass sie mit Actresses gut kann, beweist auch die Tatsache, dass sie sich verstärkt zu einer gefragten Schauspieler-Stylistin entwickelt – spätestens seit Nicole Kidman sie im vergangen Jahr anfragte, ihr Outfit für Cannes auszuwählen. Einen Schauspieler für ein Event einzukleiden, sei für Boehm dennoch eine vollkommen neue Erfahrung gewesen. „Ein Model ist wie eine weiße Leinwand“, sagt sie, „eine Schauspielerin hat schon eine Farbe – da muss man viel sensibler vorgehen, ein wenig drübermalen kann man dennoch.“

Für den Mehraufwand, den die Arbeit mit der Schauspielerin frisst, musste von Boehm allerdings eine extra Assistentin einstellen; und wenn Kate Winslet ebenfalls als feste Klientin hinzukomme, steige ihre Auslastung zusätzlich. Vielleicht gibt es also gleich noch eine weitere offene Stelle im Team von Julia von Boehm – als neuer Creative Director Fashion für den Stern wird sicherlich einiges an Arbeit anfallen.