Rot, gelb und blau sehen

Für Achtung Digital hat Fotografin Jessica Barthel eine Modestrecke in Berlin produziert

Bereits im August haben wir auf Achtung Digital Jessica Barthels Beachsaison gezeigt. Dass die Fotografin mit Wahlheimat in New York und Berlin kein Fan überladen inszenierter Modefotografie ist, wurde dort bereits klar. Bei ihr geht alles subtiler, irgendwie leichter von der Hand. Als würde sie mit einem Gelassenheitsfilter arbeiten.

Auch in Barthels neustem Projekt, das in Zusammenarbeit mit Stylistin Solveig Viola entstand, sind die Bilder nicht überzeichnet. Hier und da schleicht sich eine leicht verwischte Hand ins Bild, die zeigt: Die Porträtierte lebt. Nichts Künstliches haftet an den Fotografien. Barthel selbst sagt: „Solveig und ich haben uns für eine Vintage-Story ohne Make-up entschieden. Fotos, die unserer Ästhetik entsprechen, unabhängig von Trends und Deadlines.“ Und weil Barthel es eben lieber einfach und natürlich mag, setzt sie ganz entspannt auf Schattierungen von Komplementärfarben. Therese sieht also rot, gelb und blau – oder vielmehr: bordeaux und signalrot, cognac, nude und light denim.

Und weil Mode und Fotografie außerdem von Widersprüchen und Andersartigkeit leben, sitzt Izaio-Model Therese im Tom Ford-Kleid auch nicht auf einem aufgeputzten Schemel mit Samtüberzug, sondern auf einem grünen Gitterzaun vor einem Strauch Vogelbeeren. Oder steht eben in ausgeblichener Levi’s Jeans und weißem Lyocell-Shirt vor einem Erotikkino rum. Was sie dort macht? Das bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen – oder ganz einfach Jessica Barthels Geheimnis. Wäre ja auch langweilig, alles immer gleich auf den ersten Blick zu erfassen und zu verstehen.

Text: Rebecca Koppitz