Likes und Klicks entscheiden heute häufig darüber, welches Model für eine Kampagne oder ein Cover-Shoot gebucht wird. Eine große Anhängerschaft auf Instagram, Facebook und Twitter kann dazu verhelfen, dass über ein beworbenes Produkt gesprochen wird und die Verkaufszahlen in die Höhe schnellen.

Models wie Kendall Jenner und Gigi Hadid zählen zu den digitalen Marketingwundern: Von der Industrie belächelt, ergattern die beiden Amerikanerinnen aus dem Reality-TV dank ihres Instagram-Status lukrative, begehrte Jobs. Das bleibt bei den Agenturen nicht unbemerkt. Model-Agent Alexander Schwab von Viva Paris gestand in unserem letzten Gespräch, dass man den Mädchen heute empfehlen würde, auf den Social-Media-Kanälen aktiv zu werden.

Jana Gerberding ist sich über die Wichtigkeit Sozialer Netzwerke bewusst. Sie nutzt Instagram zur Vermarktung und Verbreitung ihrer Bilder. Auch für Recherchezwecke

würde sich der Micro-Blogging-Dienst hervorragend eignen. So wüsste sie bescheid, wo sich die Modelle aufhalten und wie sie aktuell aussehen.

Die allgemeine Einigkeit darüber, dass ein Model mit großer digitaler Fangemeinde, im Job profitiert und brilliert, lässt sie aber kalt. Zahlen beeindrucken die Fotografin nicht: „Ich arbeite sehr gerne mit New Faces, da sie noch nicht jeder kennt und sie oft in ihrer Bewegung noch nicht so angepasst und geschult sind. Die Bilder werden dadurch authentisch und mehr momenthaft.“

Gerberding, die in Norddeutschland nahe der holländischen Grenze aufwuchs, studierte in Dortmund Fotografie und begann ihre Karriere als Assistentin von Markus Jans. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin als selbstständige Fotografin. Als Betrachter verliert man sich leicht in ihren Aufnahmen. Sie nimmt einen mit raus aufs Land, weckt Fernweh und legt verborgene Sehnsüchte frei. Die Gesichter ihrer Strecken sind jung, authentisch und unangepasst.

Ein gutes Casting ist für sie ausschlaggebend und „die wichtigste Zutat, die das Bild am Ende vollkommen macht.“ Für unser Cover-Shoot stand Gerberding vor einer großen Herausforderung, da sie gleich drei Mädchen finden musste, die allein funktionieren, aber auch in der Gruppe harmonieren: „Ich wollte unbedingt drei Gesichter, die alle sehr speziell sind und sich stark voneinander unterscheiden. Ich mag Gina mit ihrem trotzigen Look, den hellen Augen und dem breiten Kiefer und Sophie mit ihrem runden, puppenartigen Gesicht als zartes Gegenüber. Beide Mädchen haben für mich einen totalen Wiedererkennungswert. Am Ende kam Alexandra dazu. Sie ist die klassische Schönheit, die alle zusammenhält.“

Gerberding achtet bei ihrer Auswahl nicht ausschließlich auf die Optik. Ein geeignetes Model braucht Ausstrahlung und einen gefestigten Charakter: „Ein gutes Model bedeutet für mich, wenn es sich öffnen kann und sich mit der Idee hinter dem Shooting auseinandersetzt, wenn es Rollen annehmen kann und wenn es die Kleidung versteht, die es auf dem Shooting trägt.“

Problematisch ist, dass Gerberding die Modelle häufig erst auf den Produktionen kennenlernt. Dann entscheidet letztendlich das Visuelle. Gerberding verliebt sich meist in die kleinen Fehler, eine Narbe, ein markantes Profil, sonderbare Augen, die selten der Norm entsprechen: „Ein Gesicht, das in Erinnerung bleibt und einen Wiedererkennungswert hat, ist mir wichtig.“

Aufgrund Gerberdings fotografischem Know-How, übernimmt sie die dieswöchige Instagram-Reihe. Damit gesellt sie sich zu Kostümbildnerin Aino Laberenz und dem Leiter der F.C. Gundlach-Stiftung Sebastian Lux, die bereits Serien für Achtung kuratierten. Unser digitales Go-See läuft noch bis kommenden Mittwoch.