Irina calling

Wir bei Achtung Mode haben immer schon über den fotografisch deutschen Tellerrand geschaut. Wenn also unsere Wiener Fotografin Irina Gavrich nach Berlin kommt, sind wir die ersten vor Ort.

 

Seit der ersten Publikation hält Achtung Modemit dem Anspruch die deutschsprachige Modelandschaft zu fördern und zu fordern, Ausschau nach jungen Talenten nicht nur aus Deutschland, sondern auch Österreich und der Schweiz. Aktuell auf unserem Radar: die Wienerin Irina Gavrich. In unserer letzten Ausgabe fotografierte die gebürtige Ukrainerin für unsere Kolumne Frauenzimmer die Muse von Helmut Lang und Yves Saint Laurent, Cordula Reyer. Mit ihrem offenen Gemüt, Wiener Schmäh und prägnantem Stil fängt Garvich das Wesen ihres Gegenübers ein. Jetzt kommt Gavrich in die deutsche Hauptstadt, um ihre Arbeiten auszustellen. Der perfekte Zeitpunkt, um ein Gespräch mit Irina zu führen.

 

Wie würdest Du deinen fotografischen Stil beschreiben?

Mein Stil ist eher klar, mit einer direkten Aussage, immer eher im Prozess entstanden, als aus dem Moment heraus – sehr intuitiv. Ich gehe komplett frei an meine Aufträge heran, auch wenn es klare Vorgaben gibt. Es ist bei mir immer eine Kombination aus einfühlen und überraschen.

Was hat Dich dazu bewegt in Berlin im St. Oberholz auszustellen?

Hier kamen verschiedene Zufälle zusammen. Im letzten Sommer traf ich eine Freundin aus Berlin zum Kaffee und wir haben so spontan die Idee entwickelt, dass ich mal einer Auswahl von Fotos dort zeigen sollte. Es ist ja als Künstler wundervoll, aus der Vielzahl der eigenen Fotos eine Geschichte zu bauen. Als sie mich dann Ende letzten Jahres anrief und mit von Ansgar Oberholz und seinem Konzept erzählte, habe ich sofort zugesagt. Es passt einfach und ist sehr spannend, meine Bilder in den Alltag des St. Oberholz zu integrieren. Ansgar ist genau von dieser Verbindung ebenso begeistert.

Worum genau geht es in Deiner Ausstellungsserie?

Es ist eine Serie von Porträts aus Künstlern, Schauspielerinnen, Musikern und Objekten. Wir hatten ja ganz klare Grenzen im Umfang und die Ausstellung hat sich so, wie sie jetzt zu sehen ist, erst beim Aufbau wirklich ergeben. Die Idee hinter den Porträts ist, dass sie Teil des Geschehens im Raum werden, weil sie sich wie zusätzliche „Gäste“ integrieren. Außerdem haben wir versucht, die Wirkung und Gestaltung des St. Oberholz nicht zu durchbrechen, sondern zu beleben.

Was möchtest Du mit der Ausstellung bewegen?

Öfter mal so spontan und ohne Bedenken solche tollen Aktionen zu machen! Das ergibt so eine tolle Energie und Verbundenheit. Dass wir Künstler uns immer wieder auch in anderen, neuen Konzepten denken, mutig sind und uns darauf einlassen. Ich war selbst jetzt zwei Tage im St. Oberholz und habe so selbst miterlebt, wie unsere Idee aufgeht. Das nehme ich als Erfahrung mit nach Wien. Das bleibt in mir und macht mich glücklich.

Der Ausstellungsnahme lautet „THIS IS IRINA.“ Spiegelt diese Strecke Dein Sein wieder und wer ist überhaupt Irina?

Es ist ja ein erster kleiner Gesamteindruck meiner Arbeit als Fotografin. Das zeigt schon meine „Irina-Sprache“. Auch ist es mir wichtig, immer vor einem Shooting mit dem Menschen vor meiner Kamera ins Gespräch zu kommen. Ich brauche das, um dann auch das Innere irgendwie erfassen zu können. Also ist auch diese Herangehensweise ein Stück „Irina“. Und ich hoffe der Besucher fühlt es, wie sehr ich mit meiner Arbeit verbunden bin.

Welche Aspekte findest Du spannend am Verschmelzen Deiner Fotografien und des Geschehens?

Im Ost. Oberholz kommen ja Menschen zusammen, die dort mehrere Stunden oder auch den ganzen Tag verbringen, um zu arbeiten. Das ist also ein Ort mit einer Menge an Energie. Wenn ich mir vorstelle, und ich konnte es selbst beobachten, dass dann in einer Pause der Blick auf meine Fotos fällt und so den Betrachter überrascht oder auf eine Art und Weise abholt, ist das überwältigend. Dass man ins Gespräch kommt oder einfach nur verweilt, ist für mich als Künstlerin sehr berührend. Fotos nicht nur in einen Raum zu hängen, sondern eine Idee von Lebendigkeit zu erschaffen – einfach perfekt. Für mich ist es wichtig, dass meine Werke berührt werden können und letztlich Spuren des Alltags annehmen.

Sollten kunstvolle Fotografien präsenter im alltäglichen Leben und für jedermann zugänglich sein?

Unbedingt! Dadurch sinken doch Hemmschwellen und es ergeben sich ganz neue, zufällige Chancen.


Irina Gavrichs Ausstellung „THIS IS IRINA.“ läuft bis zum 30. April 2018 im St. Oberholz in der Zehdenicker Straße 1 in Berlin Mitte.