Im Ernst, jetzt!

Wer wissen will, wie deutscher Modejournalismus ohne viel Bla-Bla auskommt, tut gut daran in die FAZ zu schauen. Grund genug der Redaktion einen Besuch abzustatten

Die Welt der Mode wird ja seit jeher von Stereotypen bestimmt. Eine ordentlichen Modejournalisten stellt man sich in der Regel so vor: dekonstruierter Oversize-Bomber, exzentrische Sneakers oder Gucci-Schlappen an den Füßen, im Idealfall irgendwo ein Tattoo versteckt.

Weniger, wie den Mann, der seit fast 20 Jahren die deutschen Modejournaille in aller Welt vertritt: Dr. Alfons Kaiser. Mit seinen alles andere als hippen Anzügen und Sakkos könnte er glatt als Bankangestellter durchgehen. Für Kaiser, seines Zeichens FAZ-Ressortleiter für Deutschland und die Welt sowie Verantwortlicher Redakteur Frankfurter Allgemeine Magazin, sind sie aber „Teil siner Unabhängigkeitsstrategie“ – zeigen sie doch, dass Kaiser sich mehr aus professionellen Gründen mit der Mode beschäftigt und weniger aus persönlichen. Und so haben Kaiser und sein Team es auch geschafft, statt sich platt mit Trends auseinanderzusetzen, den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge der Entstehung der Mode Raum zu geben. In einer so hyperseriösen Zeitung wie der FAZ verdient das allein schon Anerkennung genug. Kultiviert, reflektiert und mit feinem Schalk, beweisen sie, dass die Beschäftigung mit Mode – wie in Deutschland so oft angenommen – eben nicht oberflächlich, gar unnütz sei.

Grund genug auf unser Deutschlandreise für Achtung Mode No.37 auch in Frankfurt halt zu machen und mit unserem liebsten Double-Trouble-Fotografenteam Lottermann & Fuentes in den heiligen Räumen der FAZ Redaktion zu fotografieren. Modische Protagonisten vor Ort, natürlich die kongeniale Mode- und Fotospitze der FAZ aka Ressortleiter Alfons Kaiser, Redakteure Jennifer Wiebking und Anke Schipp und Fotochef Christian-Matthias Pohlert.

Für Achtung Digital haben wir sie nun nach ihrem Job bei der FAZ und ihre modischen Vorlieben befragt. Und dabei u.a. erfahren, dass FAZ-Urgestein Pohlert das Model-Dasein in der Nacht durchaus genossen hat, modisch aber eine gewisse Skepsis gegenüber exzentrischen Klumpfußtreter hegt. Was das nun wieder beweist? Nichts weiter. Außer, dass gutes Blattmachen halt immer noch von den klugen Köpfen dahinter lebt.

 

1.Dr. Alfons Kaiser

Dr. Alfons Kaiser (links): Mantel HUGO BOSS. Hilal Ata (rechts): Blazer und Kleid CELINE.

Ihre genaue Position bei der FAZRessortleiter Deutschland und die Welt sowie Verantwortlicher Redakteur Frankfurter Allgemeine Magazin.

Seit wann sind Sie bei der FAZ und in welchem Ressort haben Sie begonnen? Am 1. Oktober 1995 als Volontär begonnen, am 1. Januar 1997 Redakteur geworden, am 1. März 2000 Ressortleiter – und der Zeitung immer treu geblieben.

Welchen Stellenwert hat die Mode bei der FAZ? In der Sonntagszeitung einen großen durch eine feste Seite – in der Tageszeitung dank der Magazin-Beilage auch einen größeren als früher. Aber nicht zu vergleichen mit französischen oder italienischen Zeitungen.

Und welchen Stellenwert in Deutschland? Einen wachsenden. Auch Süddeutsche und Welt berichten mehr über Mode als noch vor zehn Jahren.

Ihr Lieblingsdesigner? Alessandro Michele.

Und was tragen Sie heute? Boss-Sakko, Levi‘s-Jeans, Adidas-Sneaker.

Ihre Lieblingsschlagzeile der letzten Woche? AfD bleibt hinter Erwartungen zurück.

Und was macht für Sie ein gutes Foto aus? Dass es stark und zugleich schräg ist.

 

2. Christian-Matthias Pohlert

Pumps CALVIN KLEIN. Christian-Matthias Pohlert (rechts).

Ihre genaue Position bei der FAZ: Leiter der Bildredaktion.

Seit wann sind Sie bei der F.A.Z und in welchem Ressort haben Sie begonnen? 1988 als Berater angefangen und das Ressort Bildredaktion gegründet, in dem auch Bildarchiv und Redaktionsfotografen zuhause sind.

Welchen Stellenwert hat die Mode bei der FAZ? Von Anfang an berichtet die FAZ regelmäßig über die wesentlichen Entwicklungen in der Modewelt.

Und welchen Stellenwert in Deutschland? Keinen. Zurzeit lieben es die Deutschen so auszusehen, als hätten sie gerade den Rasenmäher in der Garage repariert. Das Faible für Uniformen beherrscht Punks, Banker und sogar Schüler ebenso wie Familienväter, die das Oberhemd ohne Krawatte bemüht aus der Hose hängen lassen.

Ihr Lieblingsdesigner? Romeo Gigli.

Und was tragen Sie heute? Bei Oberbekleidung alles mit A: Adidas, Anaboldi oder Armani.

Was macht für Sie ein gutes Foto aus? Gute Fotos sind selten: Wenn handelnde Menschen in ihren Lebenslagen gezeigt werden, wenn etwas über das Dasein erzählt wird, das beim Betrachter Interesse oder Anteilnahme weckt.

 

3. Jennifer Wiebking

Halstuch GUCCI. Jennifer Wiebking (rechts): Lederjacke TOD’S und Armbanduhr CARTIER.

Ihre genaue Position bei der FAZ: Redakteurin in den Ressorts FAZ-Magazin und Leben der Sonntagszeitung.

Seit wann sind Sie bei der FAZ und in welchem Ressort haben Sie begonnen? Ich bin seit 2012 bei der FAZ und habe im Ressort Leben der Sonntagszeitung als Redakteurin angefangen.

Welchen Stellenwert hat die Mode bei der FAZ? Unsere Leser sind allgemein interessiert, insofern ist Mode eins von vielen wichtigen Themen.

Und welchen Stellenwert in Deutschland? Je mehr sich der Mensch mit sich selbst beschäftigt, umso wichtiger wird ihm wohl sein Aussehen und damit auch Mode. Die Deutschen sind da keine Ausnahme.

Ihr Lieblingsdesigner? Habe ich nicht, ich bemühe mich um ein bisschen mehr Distanz, denn wenn Moderedakteure Lieblingsdesigner haben, geht das häufig nicht so gut aus.

Und was tragen Sie heute? Jeans von Levi’s, Pullover von Uniqlo, Schuhe von Church‘s – meine Schreibtisch-Uniform.

Ihre Lieblingsschlagzeile der letzten Woche? Alle aus Österreich, am besten auf Österreichisch.

Und was macht für Sie ein gutes Foto aus? Originalität und Inhalt.

 

4.Anke Schipp

Anke Schipp (links im Bild) Blazer ESCADA. Jennifer Wiebking (rechts im Bild): Blazer SAINT LAURENT, Brille ALEXANDER MCQUEEN und Stift MONTBLANC.

Ihre genaue Position bei der FAZRedakteurin bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Seit wann sind Sie bei der FAZ und in welchem Ressort haben Sie begonnen dort zu arbeiten? Seit 1998, damals als Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, dem Regionalteil der FAZ.

Welchen Stellenwert hat die Mode bei der FAZ? Einen hohen, den höchsten bei allen deutschen Tageszeitungen.

Und welchen Stellenwert in Deutschland? Einen mittelgroßen, Frankreich und Italien haben wir noch nicht erreicht.

Ihr Lieblingsdesigner? Phoebe Philo.

Und was tragen Sie heute? Etwas Bequemes.

Ihre Lieblingsschlagzeile der letzten Woche? Eine Seefahrt, die war traurig.

Und was macht für Sie ein gutes Foto aus? Wenn es Emotionen weckt.

 

FOTOGRAFIE: Lottermann & Fuentes

STYLING: Markus Ebner

MODEL: Hilal Ata / M4 Models Management

HAIR & MAKE-UP: Elena Becker / Fröhlich Management