München ist der deutsche Modemotor

Die Mode kriselt momentan leicht, aber wenn in Deutschland ein Laden aufgemacht wird, dann in München, sowie gerade Sneakerpionier Hogan

Hogan
Kostja Ullmann im Hogan Look

Dass München die nördlichste Stadt Italiens ist, ist natürlich etwas übertrieben. Aber es gibt Gemeinsamkeiten: wie in Mailand und Rom bevölkern am Wochenende Status-Symboljäger die Prachtstraßen. In Mailand steht ihnen dafür ein ganzes goldenes Dreieck voller Louis Vuitton-Taschen und Gucci-Gürtel zur Verfügung. Und in München jetzt wenigstens ein L. Die Residenzstraße führte bisher eigentlich nur dorthin, wie ihr Name schon sagt: in die Residenz. Jetzt ist sie die nach rechts biegende Verlängerung der Maximilianstraße: Iro hat hier vor ein paar Monaten einen Shop eröffnet, und die feinste Münchner Boutique, Marion Heinrich, in der nicht nur Bogenhausener Gattinnen mit unvergleichlicher Höflichkeit zwischen Alaia-Corner und Chloé-Shop bedient werden, befindet sich ganz am Anfang, direkt vor der Oper. Und dazwischen: residiert jetzt auf zwei Etagen Hogan.

 

Hogan
So sah es auf dem Laufsteg aus

 

Jahrelang hat man nach der passenden Location gesucht – Ladenlokale in München sind mittlerweile so schwer zu finden wie Smaragde. Hogan ist mittlerweile mehr als nur der kleine, sportlichere Bruder von Tod´s. In den italienischen Städten wie Mailand und Florenz bilden sich an Samstagen lange Schlangen vor den Läden, weil die Landbevölkerung zum Shopping einfällt. Und die will nur eins: ein Paar Turnschuhe. Hogan-Sneakers wurden zum Kult in den 90er Jahren, weil sie so schlicht waren wie ein Tennis-Schuh aus den 20ern – auf Italiener und den Rest der Welt mussten sie wie der perfekte Sportschuh des Gentleman wirken.

Hogan
Perfektes Merchandising, wem der Look an Ullmann gefällt, der kann ihn gleich kaufen

 

Und als perfekte Ergänzung zum Mocassino, dem Autofahrer-Schuh von Tod´s, den die ganze Welt mittlerweile zur Stil-DNA des italienischen Mannes zählt, so wie der in Wahrheit inexistente Schöne-Schwarze-Witwe-Look von Dolce & Gabbana zu der der Sizilianerin. Weil die echten gentiluomini Italiens den Hogan-Sneaker schon lange nicht mehr tragen, hat er seitdem etliche Stil-Metamorphosen durchlebt, was seinem Erfolg (zu manchen Zeiten unglaublicherweise) nicht schadete. Aber Schuhe reichen nicht, um ein Label auf Dauer auf Erfolgskurs zu halten. Das weiß natürlich auch Della Valle der Jüngere, Andrea. Er ist der Bruder des großen Tod´s-Patrons Diego.

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Andrea della Valle

Während der sich vor allem um Tod´s, den Relaunch des Haute Couture-Labels Schiaparelli und seinen Status als Kultfigur des öffentlichen Lebens in Italien kümmert (indem er im Fernsehen gegen Politik und Agnellis wettert), verbucht Andrea della Valle einen Erfolg nach dem anderen:  Aus Hogan hat er einen ganzen Kosmos gemacht, für Herren- und Damenkollektionen den britischen Designer Simon Holloway engagiert, kurz: dafür gesorgt, dass man im neuen Münchner Flagship-Store plötzlich gar nicht mehr auf die Schuhe achtet, sondern lieber das dunkelblaue Kapuzencape mit Pelzbesatz haben möchte. Die momentane Insta-Stil-Ikone Veronika Heilbrunner trägt auf der Opening Party ein wadenlanges, rotes Erdem-Kleid mit Flower-Print, dazu Platform-Sneakers von Hogan. Da können die Platforms natürlich nichts für. Präsident Andrea della Valle redet im Moment aber sowieso am liebsten über einen ganz anderen Erfolg, nämlich den des AC Florenz. Der ist gerade Tabellenerster der Serie A. Gegessen und gefeiert wird dann noch im Separée des Heart, das ja sowas wie das neue P1 ist. Passt schon. weil die Party-Kultur eine weitere Münchner Gemeinsamkeit mit Italien ist.

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Veronika Heilbrunner in Hogan Sneakers