Gloria von Thurn und Taxis @ Brauer Photos

Gloria von Thurn und Taxis glänzt mit einer Ausstellung in Berlin

„Coincidential Similarities – Berliner Gesichter“ eröffnete zum Gallery Weekend im Concept Store The Corner. Dafür malte die Fürstin 41 Porträts spannender Hauptstadtpersönlichkeiten

Neulich war so ein Moment, da hätte Fürstin Gloria am liebsten alles wieder zerstört. Das Porträt, an dem sie gerade tüftelte und mit dem es nicht so recht vorwärts gehen wollte, lag bereits zum Kaputt machen auf dem Boden und sah seinem traurigen Schicksal entgegen. „Doch dann schaute ich es mir von oben noch einmal genau an und dachte: So schlimm ist es eigentlich gar nicht, da gehe ich doch noch mal ran“, erzählt Frau von Thurn und Taxis schelmisch schmunzelnd im Gespräch mit Achtung Digital. „Heute halte ich es für eines meiner besten Bilder.“

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat Berliner Gesichter gemalt. Den bösen Barden Buschido hätte sie gern getroffen

Ob besagtes Meisterwerk Bestandteil ihrer 41 Porträtarbeiten umfassenden Ausstellung „Coincidential Similarities – Berliner Gesichter“ ist, welche zum Berliner Gallery Weekend Ende April im Concept Store The Corner eröffnet wurde, möchte die Fürstin nicht verraten. Eigentlich hätte sie aber beim Malen aller Hauptstadtköpfe, die sie auf Einladung von The Corner-Betreibern Emmanuel de Bayser und Josef Voelk auf Leinwand brachte, riesigen Spaß gehabt. Besonderes Vergnügen sei jedoch beim Porträtieren des Berghain-Bouncers Sven Marquardt und des bösen Barden Buschido aufgekommen – letzteren würde Frau von Thurn und Taxis gerne auch einmal kennen lernen.

Gloria von Thurn und Taxis Ausstellung Nina Hoss
Schauspielerin Nina Hoss porträtiert von Gloria von Thurn und Taxis für die Ausstellung “Coincidential Similarities – Berliner Gesichter”

In der Tat hat keiner der vorwiegend in neckischen Pinselstrichen und fröhlichen Komplementärfarben-Schattierungen abgebildeten Berliner Persönlichkeiten, zu denen Nina Hoss, Jonathan Meese oder das Sammlerpaar Boros zählen, der adeligen Unternehmerin von St. Emmeram direkt Modell gestanden. Viele kennt sie gar nicht persönlich. „Ich muss die Leute nicht treffen, um sie zu malen“, befindet die Fürstin strikt. „Über Google finde ich ja genügend Bilder der Personen. Damit fange ich dann an.“ Anders wolle sie das auch gar nicht: „Beim Malen brauche ich Ruhe.“

Gloria von Thurn und Taxis Ausstellung in Berlin Max Moor
Moderator Max Moor

Damit fährt sie ganz gut, seit sie vor rund drei Jahren mit dem Kunstschaffen begann. Damals bekam sie von der Verkäuferin im Künstlerbedarf den guten Tipp, jeden Tag ein Porträt zu malen, sofern sie sich verbessern wolle – schnell waren so viele zusammen, dass die Blaublüterin einen professionellen Anspruch entwickelte. Bald zeigte sie Ausstellungen in Rom, Paris und New York; neben berühmten Freunden und Künstlern porträtiert sie mit Vorliebe Würdenträger – die einstige Princess of Punk ist heute engagierte Katholikin und besucht in der Hauptstadt am liebsten die St. Hedwig Kathedrale.

„Beim Malen brauche ich Ruhe.“

„Ich finde, die haben einfach spannende Gesichter. Ob das wohl am Beruf liegt? Keine Ahnung“, sagt Frau von Thurn und Taxis schulterzuckend. Sicherlich spiele auch die prächtige Kleidung der katholischen Kirche eine Rolle: „So eine richtig schöne Gala-Uniform ist schon was Tolles“, findet Fürstin Gloria. Sie selbst war früher für ihren exzentrischen Stil berüchtigt. Und allein räumlich hat sie sich mit ihrer aktuellen Ausstellung, die im The Corner im wahrsten Wortsinn über edlen Zwirnen thront, die Nähe zur Mode bewahrt. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ihre Tochter Elisabeth Modekolumnistin bei der amerikanischen Vogue ist und auch auf unserem Radar immer wieder auftaucht.

Gloria von Thurn und Taxis Ausstellung Lea Rosh
Autorin und Journalistin Lea Rosh, gemalt von Gloria von Thurn und Taxis

Zunächst ist es aber egal, wer ihr in die Suchmaske kommt: Gemalt werden prinzipiell nur die Köpfe. „Am schönsten sind Leute zu malen, die sehr pointierte Gesichter haben. Zum Beispiel eine kantige Nase, dicke Lippen, große Augen. Die kann man hervorragend konturieren.“ Ganz so zufällig, wie es der aktuelle Berliner Ausstellungstitel „Coincidential Similarities“ implizieren mag, sind die Ähnlichkeiten zur Lokalprominenz der Hauptstadt also nicht. Für die eigentliche Auswahl der „Berliner Gesichter“ musste sich Frau von Thurn und Taxis glücklicherweise auch nicht auf Suchergebnisse von Google verlassen – wer weiß, was die Maschine ausgespuckt hätte.

Künstler Jonathan Meese porträtiert von Gloria von Thurn und Taxis in ihrer Ausstellung "Coincidential Similarities"
Künstler Jonathan Meese porträtiert von Gloria von Thurn und Taxis in ihrer Ausstellung “Coincidential Similarities”

Bei der Erstellung einer relevanten Berlin-Liste half die 15-jährige Nichte als auch die Schauspielerin Trixie Millies, die seit langem in Berlin lebt. Erst auf dieser Grundlage wurde mithilfe der Bildersuche evaluiert. Für die finale Ausstellungs-Selektion bat Frau von Thurn und Taxis dann den großen Künstler Jeff Koons um Rat – das war schnell gemacht: „Koons mag meine Bilder. Er war einer der ersten, der meine Werke gekauft hat. Als es an die Auswahl ging, wollte er einfach alle Bilder dabei haben“, sagt Fürstin Gloria lachend. Rausgeflogen seien letzten Endes nur zwei. Wer das wohl gewesen ist?

Die Ausstellung „Coincidential Similarities – Berliner Gesichter“, eine Porträtserie gemalt von der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, ist noch bis zum 2. Juli im Berliner Concept Store The Corner zu sehen.