Alex Webb. Magnum Photos Gouyave. Grenada. 1979.

Ganz alltäglich

Ein Wendepunkt markiert unumkehrbare Veränderungen. Unter diesem Motiv startet die Magnum Fotoagentur eine Kollaboration mit The Everyday Projects. Gemeinsam stellen die beiden Plattformen Fotografien zum Verkauf, die genau das eingefangen haben: Wendepunkte.

Kenia ist das neue Silicon Valley – das Silicon Savannah. Über 200 Start-ups tummeln sich dort. 3-D-Drucker formen Prothesen aus Elektroschrott und Schulen werden über solarbetriebene Router mit dem Internet verbunden. Überrascht? Kein Wunder. Berichte über den afrikanischen Kontinent, Kenia eingeschlossen, enthalten meist dies: Katastrophen, Krisen und Hilfsprojekte.

Isadora Romero. The Everyday Projects Chota Valley, Ecuador.

Ist das die ganze Wahrheit? Nein, zeigt die Organisation The Everyday Projects mit ihren Bildern, die mit Klischees brechen und den Blick auf das ganz normale Alltagsleben lenken. Hunderte Fotografen, Journalisten und Künstler wollen Geschichten erzählen, die überraschen, erfreuen und informieren. Aufgenommen in Bildern des Alltags, von Fotografen, die auch wirklich vor Ort leben und arbeiten. „Fotografie hat die Macht, die Stereotypen, die unser Verständnis der Welt verzerren, in Frage zu stellen“, beschreiben die Fotografen ihr Projekt auf ihrer Website. Die Idee wurde schnell zu einer Bewegung von Geschichtenerzählern weltweit, die ihre eigenen Feeds bei Instagram kreierten und die Community durch ihre Bilder nun auch mitnahmen in den Alltag nach Afghanistan, Uruguay oder in den Jemen.

Wissam Nassar. The Everyday Projects Gaza. 2015.

So wuchs Everyday Africa 2014 zum Non-Profit-Projekt The Everyday Projects. Die Aufnahmen zeigen, dass das Leben in diesen Ländern mehr ist, als die vom Staubfilm bedeckten Bilder von Bombenanschlägen und bedrückender Armut. Aus dieser Graswurzelbewegung hat sich ein weltweites Netzwerk gesponnen. Zusammengerechnet folgen den Accounts, die unter dem Hashtag #everydayeverywhere firmieren, weit über eine Millionen Menschen.

Nanna Heitmann. Magnum Photos Yenisei River., Kyzyl, Russia. 2018.

Darüber hinaus arbeitet die Plattform auch mit den weltweit führenden Medien zusammen und beliefern diese mit ihren Bildern. Alles, um an die Wurzeln des Problems vorzudringen: die mediengesteuerten Stereotypen. Es ist ein Versuch sich freizukämpfen von dieser verzerrten Weltsicht.

Alec Soth. Magnum Photos Sydney. Tallahassee, Florida. 2004.

Dieser Gedanke war auch die Initialzündung zur Gründung der berühmten Fotoagentur Magnum, 1947, die nun eine erste Kollaboration mit The Everyday Projects eingeht. Denn auch Magnum sollte anders sein als andere Agenturen. Die Vereinigung der prominentesten Fotografen der Welt wollte sich schon damals den Konventionen widersetzen, den Status quo erschüttern und Geschichten neu definieren. Unter dem Namen „Turning Point“ schließen sich die beiden Plattformen nun zusammen und verkaufen Bilder, die die teilnehmenden Fotografen aus ihren Archiven kramen. Platz ist nur für Bilder von Ereignissen, die den Lauf der Geschichte, die Gesellschaft, ein Leben oder eine Praxis veränderten. Denn das ist es, was die geschichtsträchtige Magnum Agentur mit dem digitalen The Everyday Projects eint: Der Glaube an die Macht des Bildes.

Elliott Landy. Magnum Photos Bob Dylan, Woodstock, NY., 1968. Taken with Kodak Color Infrared Film.

Vom 6. bis zum 12. April werden die ausgewählten Bilder im Online Shop der Magnum Agentur erhältlich sein. 50% des Erlöses wird an die Organisation Ärzte ohne Grenzen zur COVID-19 Bekämpfung gespendet.

Signierte oder nachlassgestempelte 6×6″-Drucke in Museumsqualität von über 100 bildenden Künstlern sind ausnahmsweise für 100 Dollar, nur für 5 Tage, erhältlich bei magnumphotos.com/shop.