Frauenzimmer: Daria Shapovalova

Daria Shapovalova is the Suzy Menkes, Anna Wintour and Tim Blanks of Ukraine all rolled into one. Plus, she is hot. The hottest of Eastern Europe’s most-watched fashion TV show and the founder of Kiev Fashion Week, Daria is also the best-dressed fashion TV compere. For Achtung, she proudly reveals her favorite environment - an all-red bookshelf in her Kiev apartment.

Moderne Frauen passen in keine Schublade. Das weiß wohl niemand besser als die charmanteste Stil-Reporterin des Ostens und hyperaktive Seele der jungen ukrainischen Modeszene: Daria Shapovalova. Mit neunzehn moderiert sie die wichtigste TV-Modesendung der Ukraine, gründete vier Jahre später die Kiev Fashion Days. Seitdem kämpft sie abseits aller Stereotypen gegen die rosarote und champagnerlaunige Glitzerwelt ihrer Zukunft und mit heroischem Mutterinstinkt für den Designernachwuchs in ihrem Land. Und weil das Zimmer einer Frau manchmal noch mehr über sie aussagt als ihre Garderobe, haben wir Daria Shapovalova zu Hause in ihrer Wohnung in Kiew besucht.

Achtung Mode: Erzähle uns etwas von deinem Appartement in Kiew, wie lange wohnst du schon dort?

Daria Shapovalova: Wir sind gerade erst eingezogen. Ich habe vorher in der Nähe der Kreschatik (Hauptstraße von Kiew) gewohnt. Dort gab es viel Leben, viele Bars. Aber nachdem ich wusste, dass ich ein Baby bekomme, habe ich nach etwas ruhigerem gesucht, einer zweckmäßigeren Gegend, mit guten Restaurants und Supermärkten. Ich schätze, dass nennt man Erwachsenwerden.

AM: Sprich, es ist an der Zeit häuslich zu werden. Wo fühlst du dich denn am meisten zu Hause in deiner neuen Wohnung?

DS: Zumindest nicht in der Küche, wenn Du das meinst. Ich wollte schon immer ein Bücherregal haben, das sich über die ganze Wand erstreckt. Also habe ich dieses große, rote Bücherbord aus Italien gekauft, das eher an einen alten Buchladen erinnert. Alles andere in unserer Wohnung ist sehr simpel und minimalistisch gehalten. Aber wenn du die Wohnung das erste Mal betrittst, ist da auf einmal dieser große, rote Fleck. Dadurch erhalten meine Bücher alle Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt. Das mag ich.

AM: Warum das?

DS: Weil es meine kostbarste Sammlung ist. Alle Bücher und Magazine, die ich über die letzten Jahre hinweg gekauft habe, alles, was ich über Mode weiß, ist in diesem Regal. Ich liebe Bücher und ihre Haptik. Jedes mal wenn ich reise, gehe ich in einen Buchladen und kaufe mir neue Bücher. Und jedes mal muss ich deswegen am Flughafen Übergepäck bezahlen, aber das ist es mir wert. 

AM: Lass uns ein wenig über deine Arbeit reden. Woran arbeitest du gerade?

DS: Zuerst bereite ich gerade die Mercedes-Benz Kiev Fashion Days, die Ende Oktober stattfinden. Ich stelle das Programm zusammen, lade die internationale Presse ein. Außerdem habe ich gerade für Nowfashion eine Video Serie über Fashion-Insiders abgedreht. Und ich bin gerade von style.com zu deren Korrespondentin in der Ukraine ernannt worden. Darauf freue ich mich.

AM: Russland, die Ukraine und Stil. Da denken ja viele immer noch an Kitsch.

DS: Es gab ja auch wahrscheinlich viel schlechten Geschmack. Nachdem es in der Sowjetunion kaum Mode gab, wollten die Leute halt zeigen, was sie hatten – und am besten alles auf einmal. Aber auch das hat sich geändert. Mittlerweile beginnen auch Russen und Ukrainer sich europäischer, minimalistischer zu kleiden. Und ich arbeite daran, dass es immer mehr werden. 

AM: Russischer vs. ukrainischer Stil. Gibt es da überhaupt einen Unterschied?

DS: Ein Merkmal: Russische Frauen tragen mehr Schmuck. Aber wir sind mutiger. Bezüglich neuer Designer sind wir viel offener als die Russinnen. Hier in Kiew gibt es Designer zu kaufen, die man nicht mal in Moskau findet. 

AM: Und auf welcher Seite stehst du – stilistisch gesehen?

DS: Ich versuche die ukrainischen Designer zu unterstützen, aber es gibt auch ein paar andere Designer, die ich bewundere: Junya Watanabe, Comme des Garçons, Christopher Kane und am meisten Alaïa. Ich versuche immer ein Teil eines jungen, ukrainischen Designers mit einem Teil meiner Lieblingsdesigenr zu kombinieren. Ich kleide mich generell nicht gerne in den neusten Kollektionen. Das finde ich langweilig, all das, was eh nur getragen wird, damit jeder sagen kann: „Oh, sie trägt Louis Vuitton.“ 

AM: Die Welt sollte also mehr über die Ukraine erfahren. Fangen wir damit an. Wenn ich das erstmal Mal in Kiew bin, was sollte ich umbedingt sehen?

DS: Das Vozdvigenka-Viertel, in dem alle angesagten Restaurants und Bars zu finden sind. Das Pinchuk Art Center, Pinchuk ist einer der wichtigsten Kunstsammler der Ukraine. Und natürlich die Rodina Mat, die Mutter-Heimat-Statue, das Wahrzeichen Kiews. Manche denken, sie sieht aus wie die Mutter Gottes, na ja, ich weiß nur, dass es die Lieblingsstatue von Damien Hirst ist.

AM: Wie sieht es mit den ukrainischen Designern aus? Irgendwelche Empfehlungen?

DS: Es gibt so viele Talente, aber ich würde sagen: Sasha Kanevski, Paskal, Anton Belinskiy, Yasya Minochkina, RCR Khomenko. 

AM: Und wo sehen wir die in fünf Jahren? Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

DS: Ich wünsche mir, dass die Mode aus der Ukraine eine eigene wiedererkennbare Handschrift hat, ähnlich der Mode aus Belgien. Als ich vor fünf Jahren anfing, zu den Fashion Weeks in Paris und London zu reisen, kannte man die Ukraine nur durch ihre politischen Skandale. Das soll sich ändern. Sie ist ein tolles Land und es gibt eine neue Generation, die jetzt die Möglichkeit hat, etwas aufzubauen. Unsere Designer sollten ihre Ansprüche genau daran ausrichten. Letztendlich liegt es an uns selbst, das am Ende was aus diesem Land wird. 

AM: Und wo siehst du dich selbst?

DS: Hoffentlich immer noch in Kiew. Nur in einer besseren Welt.

Fotografiert von Synchrodogs am 21. Juli 2013 in Kiew.

Dieser Artikel erschien erstmals in Achtung Mode Nr. 25 in 2013.