Filmreif: Filine Fink

Nirgendwo hätte Filine Fink ihre Strecke „Streets“ für Achtung Digital besser fotografieren können als in den Straßen von Berlin

Es ist früh am Morgen. Die Straßen sind menschenleer. Irgendwo zwischen Morgengrauen und tristem Asphalt bewegt sich Seeds-Model Zoe Jungbluth gehüllt in Yohji Yamamoto vor einer Hauswand entlang. Fast wirkt es so, als gehöre die Stadt in diesem Augenblick nur ihr allein.

Wie eine Geschichte lässt sich die Strecke „Streets“ von der Berliner Fotografin Filine Fink lesen. Es sind Aufnahmen, die einen inhaltlichen Rahmen bilden, in ihrer Konformität aber gleichzeitig immer auch eine eigene Story zu erzählen haben. Eines sind sie alle: authentisch. Und genau das ist es, das Fink erreichen will. Bilder zu kreieren, an denen man hängen bleibt, und die im Zirkus der Modefotografie und Inszenierung nichts an ihrer Schönheit und Ehrlichkeit einbüßen.

Hinter jedem Foto versteckt sich ein Funken Melancholie, eine Art Emotionalität, die Fink wie einen Filter über jedes ihrer Bilder legt. Obwohl die Fotografin genau weiß, was sie will und nie ohne detaillierte Planung an ein Shooting herangeht, sind die Bewegungen und das Posing des Models nicht inszeniert. Nur durch ein wenig Spontaneität können neue Situationen entstehen, die dem Gesamtbild diese gewisse für ihre Arbeit so essenzielle Tiefe verleihen, so die Absolventin des Lette-Vereins, Berlins renommierter Schule für Fotografie.

Fink nimmt hier die Rolle der Beobachterin ein, weiß allerdings immer genau, wohin ihre fotografische Reise gehen soll. Ein bisschen ist es, als wär sie die Regisseurin ihres eigenen kleinen Films. Wie passend, übte der Film für sie doch schon früh eine Faszination aus, die er bis heute nicht verlor: „Ich habe schon immer in Geschichten gelebt.“ Heute tun dies ihre Bilder.

Fotografie: Filine Fink
Styling: Sophia Schwan
Haare und Make-up: Eva Dieckhoff
Model: Zoe Jungbluth / Seeds