Das Straßburger Théâtre du Maillon.

Es lebe das Theater!

Buchstäblich. Das Théâtre du Maillon, 15 Minuten außerhalb der Straßburger Altstadt, ist eine innovative und transformative Herangehensweise an herkömmliche Theaterarchitektur. Mit verbundenen Räumen und riesigen Hallen, konfigurierbar je nach Bedarf, bietet es Künstlern aus aller Welt Raum für grenzenlose künstlerische Entfaltung.

Das Théâtre du Maillon, ursprünglich bekannt als Maillion Cultural Centre, erfüllt schon seit 1987, damals noch im Straßburger Stadtteil Hautepierre, eine Mission: Das Theater zu demokratisieren, mit elitären Vorurteilen abzuschließen und als maillion, zu Deutsch: Bindeglied, in die Kulturstadt Straßburg zu integrieren. 1999 zog das Theater in den Stadtteil Wacken um – 2019 dann die Neueröffnung als Théâtre du Maillon. Die jahrzehntelang gelebte grenzenlose Offenheit gegenüber kontemporärem Theater verlangte schließlich fast schon nach einem Umbau. Dafür wurde das Pariser Architekturbüro LAN zu Rate gezogen. 

Die großzügigen Räumlichkeiten des Théâtre du Maillon.

Umberto Napolitano, Italiener, verantwortlicher Architekt und Mitbegründer von LAN (Local Architecture Network), führte mit dem neuen Gebäude einen frühen Gropius’schen Gedanken aus: Die Grenzen eines Gebäudes zur Stadt aufzulösen. Limitierung zwischen Innen und Außen verschwimmen, das Publikum ist Teil der Kunst. Napolitano spricht nicht von Theater, er nennt es theater factory. Ein Ausdruck, der die produktive Lebhaftigkeit des Theaters treffend untermalt: Kein fixes Gebäude, sondern ein dynamischer Teil jeder Aufführung. Das Theater selbst der künstlerische Rahmen. Napolitano wollte Räume schaffen, die jedem denkbaren Theaterszenario gewachsen sind. Ganz nach dem Motto: Leere bietet Raum für Möglichkeit. 

Konfigurierbare Publikumstribüne.

Das Gebäude des Théâtre du Maillon, erhaben auf einer mächtigen Betonmasse, um potentieller Überflutungen aus dem Weg zu gehen hat keinen Haupteingang. Es ähnelt einem schwarzen Viereck mit sich wiederholender Fassade auf allen Seiten. Schließlich ist kontemporäres Theater so unberechenbar, da muss sogar so statisches wie die Architektur spontan werden. Große Räume, mobile Wände, Außenbereiche verbunden zur Bühne: Das Theater ist überall! Und es lebt. 

Hinter den Kulissen.