Endlich, Clubwear!

Mit seiner Herbst-Winter-Kollektion 2018/19 zeigt Damir Doma wie Mode in Berlin aussehen kann. Wir trafen den Designer nach der Show um über was zu sprechen? Natürlich, Berlin!

Heilige Stätten wie das Berghain bergen eine Gefahr. Zumindest für Designer. Sie werfen ihren Schatten voraus. Gut also, dass der in Koratien-geborene und in Deutschland aufgewachsene Designer Damir Doma mit seiner, als Gastspiel geplanten, Herbst-/Winter-Show 2018 eine Kollektion zeigte, die nicht hinter dem Mythos des Techno-Mekkas verschwand.

Im Gegenteil, hier passte alles zusammen: die verstörende Ästhetik der umgekehrten Beton-Zikkurate, die von der Decke hingen und einen umgehend in Fritz Langs expressionistische Zukunftsstadt Metropolis versetzten. Die technoiden, bruchstückhaften Sounds der Ostgut-Resident-DJs Barker & Baumerker. Das perfekt passende Street- vs. Model-Casting.

Und letztendlich die Kollektion. Die imperfekten, fließenden Silhouetten. Die unschuldigen Blümchenprints, die kombiniert mit derbem Leder wirkten, als sei hier gerade eine 23-jährige Studentin mit „I don’t care“-Attitüde vom Bett in den Club gestolpert – oder vice versa. Die glitzernden Lurex-Sportswear-Pullis gepaart mit weit sitzenden Anzughosen. Das alles wirkte wie die passenden Looks für die internationale, ständig in Bewegung seihende und doch sehnsüchtige Bohemian 2.0-Generation.

Nicht zu vergessen die Raver-Hats, die sich nach einer durchgefeierten Berghain-Nacht tief ins Gesicht ziehen lassen. Endlich, eine Clubwear-Kollektion, dort wo sie hingehört: nach Berlin, ins Berghain.

Berlin – Berghain – Damir Doma, warum passt das zusammen?

Weil alle drei authentisch sind. Und man kann in allen dreien etwas Rohes, Unfertiges finden. Berlin als Stadt ist noch immer im Aufbau. Das Berghain hat, denke ich, absichtlich immer etwas sehr Rohes und beides ist ein Teil meiner Ästhetik: das Kaputte, das Unfertige.

(links) weiße oversized Bluse mit Ledergürteldetail kombiniert mit weiter Culotte und schwarzen Lederslipper mit dunkelrotem Fell; (rechts) navy Doppelreiher über burgundrotem Anzug und Lurex-Pullover

Als Berliner kann man es ja manchmal nicht mehr verstehen: aber was fasziniert denn jetzt immer noch so an Berlin?

Für mich steht über allem hier ein Wort und das ist: Freiheit. Das ist der Grund, warum Leute hierherkommen. Gleichzeitig ist die Stadt sehr dynamisch. Sie verändert sich noch, wo sonst in Europa kann man das noch sehen oder spüren?

Welches Item fasst den Berlin-Stil am besten zusammen?

Definitiv der Tracksuit. Zumindest bei den jungen Leuten. Ein Muss.

(links) hellrot-karierter Mantel, eine Bluse mit Paisleymix kombiniert mit einem hochtaillierten Bleistiftrock und schwarzen Derbys; (rechts) schwarze Mütze, übergroßer Strickpullover, enge burgundrote Anzughose, dazu passende rote Boots

Und was ist der perfekte Damir Doma-Berlin-Look….?

Norbert (Anm.d.Red. Norbert Thormann, Besitzer des Berghains) hat gestern nach der Show zu mir gesagt: All diese Leute könnten direkt aus dem Berghain sein. Ich denke, das trifft es ganz gut.

An welcher Stelle hast Du Dich diesmal wieder in Berlin verliebt?

Das lässt sich gar nicht mit einem Ort definieren. Ich denke eher, ein Zeitpunkt an dem man sich leicht in Berlin verlieben kann, ist der Moment, wenn der Winter geht und der Frühling kommt. Die Winter sind doch sehr hart.

(links) mitternachtsblauer Lurex-Rollkragenpullover, schwarze Anzughose, Taillengürtel mit Tasche; (rechts) schwarzes Jackett mit goldenen Naht-Details, navy Rollkragenpullover mit verwobenen Lurexgarn, schwarze Anzughose

Was kann Berlin von Mailand lernen?

Professionalität.

Was ist dein deutsches Lieblingswort?

Seele.

Wo warst Du gestern Abend essen? Und was gab´s?

Im Borchardt. Ein Riesen-Schnitzel.