Gute Nacht!

Achtung Mode Nr. 37 is out now!

DA WOLLTEN SIE NIE HIN? NACH DEUTSCHLAND? Jetzt sind sie nunmal da. Mittendrin. Wo sie da eigentlich genau sind? Gut, leicht zu beantworten: Dafür sind Grenzen ja da. Orientierungssicherheit. Bundesstaat in Mitteleuropa, 4282 Kilometer Grenze, die Nord- und Ostsee im Norden und die Alpen im Süden. Reicht das? Eine Markierung auf der Landkarte. Richtig heimisch klingt das nicht. Also neuer Ansatz: Was ist das deutsche Eigene? Das eigentlich Deutsche? Logo, die Malerei, die Dichtung und die Musik des Landes, um mal das Klischee zu bedienen. Goethe lesen, Beethoven hören und vor einem Bild von Caspar David Friedrich erstarren, das muss es doch sein, wo sich die deutsche Essenz auffinden lässt. Oder wie wäre es mit der institutionellen und moralischen Heimat? Dem Grundgesetz. Oder der deutschen Sprache. Aber: Wer kann sich in so einem Konstrukt zu Hause fühlen?

Wir zumindest nicht. Und deswegen ist diese Ausgabe von Achtung Mode der deutschen Region gewidmet. Denn nur in ihr, so scheint es, wird das Deutschsein essenziell. Wie bei Karl Lagerfeld, dem großen Deutschen, den wir mit einer in unseren Schubladen fast vergessenen Biografie in Achtung 37 nicht glorifizieren, aber würdigen wollen. „Ich hasse das Wort Heimat, aber wenn ich an Norddeutschland denke, habe ich ein positives Gefühl“, begründete er seine eigene Identität. Ebenso regional jene visuelle Manifestation der deutschen Landschaft, die für diese Ausgabe entstand. Fotografiert nicht eben in den Modemetropolen der Nation, sondern in Frankfurt, Oberfranken, Bonn und Köln, inszeniert von unserer regionalen Korrespondenz vor Ort. Denn dort geboren oder lebend, wissen nur sie um die reizvollen Besonderheiten und heimlichen Schönheiten jener Städte und Regionen. Wie etwa Christian Werner, der im alten Glanz der Bonner Republik, Adrienne Jüliger unser Achtung Mode-Gesicht der Stunde inszenierte.

Als Frauen und Männer der Stunde lassen sich wohl auch die 50 wichtigsten deutschen Köpfe der Mode 2019 – zusammengefasst in unserer A(chtung)50 Liste – betiteln. Ihre Auswahl ist so elastisch wie jedes Geschmacksurteil, lässt sich aber bei entsprechender Eloquenz herrlich begründen, wie man in dieser Ausgabe lesen kann. Der sich in diesen Listen wiedergefundene lacht dann hoffentlich zu Tränen – und das kann er nur, weil er weiß, wie absurd nicht nur die Existenz jeglicher Liste, sondern auch jede menschliche Existenz ist. Da fängt der Spass dann an.

Auszug aus dem Editorial der Ausgabe No. 37 von Nicole Urbschat

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