Global Talents Digital ist das erste hybride Fashion Event.

Digitale Neuanfänge

Während mit Zoom-Konferenzen gerade die ganze Arbeitswelt auf digital umschwenkt, muss auch in der Mode neu gedacht werden. Der Russian Fashion Council rief deshalb Global Talents Digital ins virtuelle Leben - das erste „hybride“ Fashion Event.

Die Modewelt hatte es in den letzten Monaten nicht leicht. Da hat man sich Jahrzehnte lang ein System aufgebaut, aus immer mehr werdenden Saisons, Fashion Shows und Events verteilt auf der ganzen Welt. Und dann das: das eigene System durch eine Pandemie erst zum Stillstand gebracht, dann in seinen Grundsätzen in Frage gestellt. Brauchen wir wirklich so viele Saisons im Jahr? Und macht es überhaupt noch Sinn, ganze Hundertschaften von Menschen für Fashion Shows um den gesamten Globus zu fliegen?

Statt sich dem Stillstand hinzugeben, sind es vor allem gerade die jungen Talente, die kreativ werden und Lösungen finden. Denn, wenn diese Krise eines gezeigt hat, dann, dass Digitalisierung das scheinbar Unmögliche doch irgendwie möglich macht.

Ein erster Impuls kommt aus Moskau: der Russian Fashion Council erweckte im vergangenen Monat ein zweitätiges Event zum Leben, um jungen Design-Talenten trotzdem die Chance zu geben, ihre Kollektionen zu präsentieren. Auf digitale Weise versteht sich.

50 Designer aus 20 Ländern, acht digitale Modenschauen und 38 Kollektionen sind das Ergebnis von Global Talents Digital, dem ersten „hybriden“ Online-Fashion-Event: Modenschauen in Echtzeit-Übertragung vereint mit neuen Formaten der digitalen Modepräsentation von jungen Labels wie den Schweizern von After Work Studio oder Rahel Guiragossian und Digital-Künstlern wie Hamburger Marc Tudisco.

Vom künstlerisch geschnittenen Modevideo bis hin zur Kollektion gezeigt an virtuellen Models, das zweitätige Event stand ganz im Zeichen der Innovation von Modepräsentation. Und erreichte damit inzwischen mehr als 2,5 Million Streams auf den Social Media Plattformen des Russian Fashion Council – Zahlen, weit entfernt vom Fassungsvermögen einer Standard-Fashion-Show-Location. Und so stellt sich die Frage: Könnte diese Zeit vielleicht auch der Beginn sein, einer Auflösung des Klassensystems in der Modebranche? Denn online haben aufstrebende Designer plötzlich die Chance eine ähnlich große Anzahl an Menschen zu erreichen, wie es analog nur etablierte Häuser schaffen können.

Im Libanon geboren, lebte Rahel Guiragossian einige Jahre in Deutschland, 2018 gründete sie ihre Marke Rahel Guiragossian in der Schweiz.

Ob mit Pandemie oder ohne, die Zukunft ist digital. Und das gilt es auch in der Modeindustrie zu verinnerlichen. Darum ist nun auch schon die zweite Runde von Global Talents Digital in Planung, die noch diesen September an den Start gehen soll. Dieses Mal zum Thema Nachhaltigkeit.