Die Oase

Darial, ein neuer Concept Store eröffnet in Barcelona. Viel Licht, viel Platz, viel Art déco – der georgisch-französische Designers Diassamidze hat damit eine Pforte in die Welt des alten Luxus geschaffen.

Mitten in der „Retail-Apocalypse“ noch einen gigantischen Concept-Store eröffnen? Und zwar ausgerechnet in Barcelona, das zwar für alles Mögliche bekannt ist, aber nicht unbedingt für herausragende Ladenkonzepte? Wenn die katalanische Hauptstadt von Jetsettern deshalb in der Vergangenheit gern mal als „Shoppingwüste“ bezeichnet wurde, dann mag hier die ersehnte Oase kommen: Darial ist eine Boutique auf über 1.500 Quadratmetern Fläche, mit vielen, sehr vielen, goldenen Palmen als Säulen unter der sechs Meter hohen Decke und bietet eine Mischung an Marken, die man selbst in Paris oder London selten findet, darunter Jil Sander, Dries Van Noten, Nanushka, The Row, JW Anderson, Raf Simons, Maison Martin Margiela, Goossens, Maison Michel und viele weitere, außerdem das Label namens  Djaba Diassamidze.

Auf 1.500 Quadratmetern können sich die Kunden einem extravagantem Shopping-Erlebnis hingeben.

Darial ist das Brainchild des georgisch-französischen Designers Diassamidze. Er selbst hat sein Atelier in Paris, wo er Abendroben im Stil des Film noir für betuchte Kundinnen und Freundinnen entwirft. Eine davon ist Maka Asatiani, ebenfalls Georgierin, mit Zweitwohnsitz in Barcelona und Schweizer Familie als Investoren im Rücken. Kostenpunkt ihrer gemeinsamen Retail-Operation, Darial: vier Millionen Euro. 

Die Boutique befindet sich im Erdgeschoss der extravaganten Casa Tomàs Roger.

Renoviert wurden die Räume in der Casa Tomàs Roger, einem historischen Prachtbau aus dem 19. Jahrhundert im Stadtteil Eixample, mehr als zwei Jahre, bis sie im Oktober 2019 schließlich eröffnet wurden. Diassamidze mag erst Anfang 30 sein, er hat aber bereits sehr genaue Vorstellungen, wie ein Store auszusehen hat: viel Licht, viel Platz, viel Art déco – viel vom Allerfeinsten. Die ausgewählten Möbel sind Klassiker von Serge Roche oder Pierre Paulin, die Spiegel und Paravents allesamt Maßanfertigungen. Allein nach den passenden Palmornamenten suchte Diassamidze monatelang, bis er schließlich in Valencia einen Handwerker fand, der die eher antik aussehenden Blätter ausgerechnet im 3-D-Drucker fertigte. Die Muschelwaschbecken in den Toiletten wurden vom katalanischen Keramikkünstler Apparatu gegossen, der auch für Isabel Marant arbeitet. Gespart hat man bislang höchstens am Onlineshop. 

Wer kurz verweilen will, kann einfach im eleganten Restaurant auf plüschig-roten Samtsesseln dinieren.

Was also ist das Konzept? Laut Diassamidze soll Darial, das im Persischen so viel wie „Pforte“ bedeutet, der Eintritt in eine Welt des alten Luxus sein: old school glamour. Klingt nicht wirklich revolutionär, wird aber tatsächlich nicht mehr so oft praktiziert. Ob es genau das ist, was den Superreichen von heute fehlte, wird sich zeigen. Schräg gegenüber in den neuen Luxusapartments der Casa Burés wohnen zumindest schon mal eine Reihe ehemaliger Fußballer und der legendäre österreichische Werber Amir Kassaei. 

Hohe Decken, weiße Säle – die Boutique scheint fast mehr wie eine kuratierte Galerie als ein Lifestyle-Kaufhaus.

An die Boutique schließt sich außerdem ein kleiner, gut sortierter Bookstore an, daran wiederum die Brasserie Le Léopard (klar, als Hommage an den Visconti-Klassiker), unter den Räumlichkeiten befindet sich eine gewölbeartige Galerie mit minimaler Beleuchtung und Waschbetonböden, in der regelmäßig Kunstausstellungen stattfinden sollen. „Oben Palast, unten Kloster“, nennt es Diassamidze, der seine Pforten möglichst bald auch an anderen Orte öffnen möchte, allen voran in Paris. Think big – auch das irgendwie sehr oldschool.