Der Eremit

Der Designer René Storck ist der Beweis, dass deutsche Mode auch außerhalb Berlins wunderbar funktioniert. Ein Portrait zum Auftakt der Berliner Modewoche

In der Berliner Modeblase schaut man ja bekanntlich gerne auf sich selbst, seziert die Fusseln im eigenen Nabel und stolpert dabei über die zu großen Stöckelschuhe. Dass ein bisschen Abstand da manchmal ganz gut tut, hat der Designer René Storck schnell gemerkt. Fernab von Berlin, in Frankfurt, sitzt er seit über 20 Jahren mit seinem Label. Und dort zeigt Storck, was immer noch die wahre Stärke der Mode ausmacht – Produktionskultur und Glaubwürdigkeit.

Bei Storck sieht das dann so aus: vom Entwurf über den Prototyp bis hin zum Maßnehmen übernimmt der Gründer alle Schritte selbst, Kunden trifft er direkt, seine Produzenten kennt er alle persönlich, organisches Wachstum ist ihm wichtiger als der schnelle Hype.

Selbst die Pressearbeit macht er seit neustem wieder inhouse: „Ich bin so nah an der Kollektion, ich denke, es macht am meisten Sinn, wenn ich mich auch um deren Vermarktung kümmere.“ Überhaupt ist Storck die persönliche Kommunikation sehr wichtig. „In Zeiten flutender Instagram-Bilder und kurzlebiger Informations-Häppchen ist miteinander reden doch essenziell“, erklärt er, „gerade für so unabhängige, kleine Labels wie mich.“

Auch ein Grund, warum er seit über drei Jahren in seinem eigenen Geschäft im Holzhausenviertel in Frankfurt arbeitet, sich eher als Dienstleister, denn als Designer versteht, entstehen seine Kollektionen doch vor allem im Dialog mit seinen Kundinnen und aus der einen Motivation heraus – Frauen anzukleiden.

„Wie setze ich das modisch um, dass es etwas für die Frau tut, den Kern dieser Frau heraushebt?“, das ist die Frage, die ihn bei seinen Entwürfen umtreibt. Sein großes Vorbild dabei, erklärt er, sei der Couturier Azzedine Alaïa, der ebenfalls bis zu seinem Tod im letzten Jahr noch oft selbst im Laden stand.

So zählen zu seinen Kundinnen insbesondere Frauen, die nicht nach der zehnten Gucci Tasche gieren, die sich keiner Symbolik bedienen, sondern eher einer Haltung. Und die schätzen an Storcks Kollektionen vor allem: Qualität und Verarbeitung.

Aspekte, die den Designer auch in seiner aktuellen Sommerkollektion beschäftigt haben, in der er der Frage nachgegangen ist, was Luxus in Zukunft bedeuten wird. „Meine Kundinnen wollen immer mehr wissen, wie und wo die Sachen produziert werden. Kaschmir alleine beschreibt ja heute keinen Luxus mehr, wenn ich in jedem High Street-Shop einen Kaschmir-Pullover für 69 Euro kaufen kann“, erklärt Storck. Und das es für ihn schon immer wichtig war ausschließlich in Europa und vornehmlich in Deutschland zu produzieren. So entstehen seine Kaschmirpullover und Mäntel in Zusammenarbeit mit einer der renommiertesten Kaschmirstrickereien in Italien.

So sind aus den besten Stoffen, die zur Verfügung stehen, zeitlose Investment Pieces entstanden, die man sofort haben und anziehen will. Oder wie Storck es formuliert: „Ich will einfach Kleider machen, die bestehen.“