Alexander Brenninkmeijer im Portrait von Thomas Nutzl

Clemens en August

Das Label als Roadshow

Brenninkmeijer heissen und Mode gut, Kaufhäuser hingegen weniger toll finden ist nicht die glücklichste Kombination. Ein Brenninkmeijer ist fast genötigt, ins familieneigene Unternehmen einzusteigen, bei C & A. Clemens en August, Alexander Brenninkmeijer Label, benannt nach den beiden Gründern von C & A, ist allerdings in etwa das Gegenteil eines Kaufhauses: Minikollektionen, zwei bis drei Mäntel etwa pro Grösse, edles Material, schlichtes Design und gemässigte Preise. Diese bietet er an ausgewählten Orten in ausgewählten Städten an wenigen Tagen zweimal im Jahr feil. Läden gibt es keine, Reklame praktisch auch nicht, wer davon wissen muss, erfährt es schon irgendwie.

Sympathische Ambivalenzen, so nennt man wohl diesen Farbmix

Dabei fing auch Brenninkmeijer im Familienunternehmen an, dessen Dynastie mindestens so geheimnistuerisch wie die der Aldi-Brüder gilt. Acht Jahre lang arbeitete er dort, dann begann sein Leben als Kampf: David gegen Goliath. Schneiderkunst gegen Massenware. Geschmack gegen Geld. Seine Alternative zu Polyester und bundesdeutscher Spießigkeit fand Brenninkmeijer 1997 zunächst bei Kostas Murkudis. Plötzlich konnte er als kaufmännischer Gegenpart von Designer Murkudis bei den Schauen in Paris stehen, trank Champagner mit schönen Menschen, backstage. Ein Leben, das er sich wohl anders nicht mehr vorstellen konnte, 2004 machte er nach dem Wegzug von Murkudis von München nach Berlin einfach allein mit der Designerin Birgit Rehm weiter, mit einem kleinen Team und Präsentationen im eigenen Atelier. Mehr eine Insidersache im Freundeskreis als eine Geschäftsidee. Trotzdem war das Gerüst geboren: Warum nicht immer so verkaufen? In kleinen, für ein paar Tage angemieteten Galerien, für eingeladene Gäste, ohne große Miet- und Personalkosten.

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Edle Jogger waren bei den Herren das Highlight

In einer Industrie in denen viele hochpreisige Modemarken an Fantasie-Margen von bis zu 300 Prozent, ihrer Hybris und ihren protzigen Flagship-Stores und Coolness-Codes festhalten, die einer pragmatischen Käufergeneration immer weniger bedeuten, durchaus keine schlechte Idee. Schließlich erscheint vielen ein halbes Monatsgehalt für einen Anzug auszugeben nicht mehr zeitgemäß. Oder wie Brenninkmeijer es selbst formuliert: „Meine Kleider sagen nichts; aber wer sie trägt, weiß, dass er Seide, Satin oder Kaschmir fühlt und die Klamotte sitzt. So verstehe ich Luxus.“

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Nicht sichtbar: Das Innere des Kragens trägt Tennisstreifen

Zur Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin wagte der 46-Jährige sich jetzt erstmals auf die größere Bühne für ein breiteres Publikum: Gestern nachmittag zeigte er seine Kollektion im Palais am Festungsgraben. Zu sehen gab es, typisch Brenninkmeijer, klassische Linien und eine zurückhaltende Kombination aus Farben und Materialen. Die Raffinesse lag, auch bei der Kollektion, im Detail. Wie etwa Tennis-Streifen auf Mantelstoffen, Ledermanschetten oder leichten Daunenstoffen, welche den klassisch-eleganten Stücken ihren informellen Sporty-Look gaben. Inspiration zur Kollektion bot ihm übrigens Wes Andersons Film „The Royal Tenenbaums“ und so ist Brenninkmeijers Lieblingslook, ein schwarzes Kleid mit Lederbändern über einen weißen Polo-Shirt, auch nicht nur eins das Highlight des Nachmittags, sondern auch nach Margot Tenenbaum, im Film gespielt von Gwyneth Paltrow, benannt.

Liebling des Designers: The-New-Margot-Tenenbaum-Look

Die Frage nach diesem gelungenen Debüt blieb dennoch: Warum jetzt auf einmal die ubiquitäre Präsenz? Vielleicht weil es immer mehr Menschen gibt, die nach einem alternativen Modell in Zeiten des gedankenlosen Konsums suchen – auch außerhalb der von Brenninkmeijer so geschätzten Kunst- und Kreativszene. Vielleicht aber auch, weil jede Geschichte, auch die des sympatischen Individualisten, der sich aus den Fängen seines konservativen Klans befreit hat, irgendwann zu oft erzählt wurde und es einfach weitergehen muss. So bleibt Brenninkmeijer zwar dem exklusivem Vertriebsweg treu, aber auf neuen Wegen. Schon vierundzwanzig Stunden nach der Show war die Kollektion bei Clemens-en-August.com und bei Stylebop.com erhältlich. „In den letzten zwei Jahren hatten wir online eine sehr starke Nachfrage, dies hat uns dazu bewogen das Geschäft mit Partner zu erweitern, was wir mit einer Modenschau ankündigen wollten. Clemens en August ist somit die erste Marke die direkt nach der Schau innerhalb von 48 Stunden geliefert werden kann.“, erklärt Alexander Brenninkmeijer den Schritt auf die Fashion Week. Wer die nicht besucht hat, kann die neue Kollektion von Clemens en August natürlich auch weiterhin auf der Herbst-Tour des fahrenden Händlers Alexander Brenninkmeijers betrachten.