Brillenmanufaktur MYKITA unter neuem Dach

Ende August zog das Berliner Unternehmen nach Kreuzberg in das ehemalige und denkmalgeschützte Pelikanhaus

Von der urbanen Avantgarde jenseits aller Sehschwäche als Accessoires geliebt und durch Kooperationen mit Bernhard Wilhelm oder Maison Martin Margiela in den Modeolymp gehoben, gibt es für Brillen aus Deutschland nur einen Namen: MYKITA. Seit 2004 fertigt MYKITA filigranen Geschichtsschmuck, der ohne eine einzige Schraube auskommt. Zwischen 35 und 40 Arbeitsschritten durchläuft jede Brille. Ob Sehhilfe oder Sonnenbrille, jedes Stück wird von Hand gemacht – und das mitten in Berlin.

Ende August zog das Berliner Unternehmen nun unter ein neues Dach – nach Kreuzberg in das ehemalige und denkmalgeschützte Pelikanhaus, das 1902 vom Architekten Kurt Berndt gebaut wurde, der unter anderem auch die Hackeschen-Höfe in Berlin-Mitte entworfen hat. Auf rund 5.000qm geht in der Ritterstrasse nun also die Erfolgsgeschichte “Made in Germany” weiter.
ACHTUNG ONLINE sprach 2012 schon einmal mit MYKITA-Gründer Moritz Krueger über moderne Manufaktur und die Berliner Kreativ-Wirtschaft. Anlässlich der Eröffnung des neuen Mykita Hauses hier die besten Antworten im Rückblick.

Für eine neue Tasche entscheidet man sich häufig, für eine neue Brille im Schnitt nur alle paar Jahre. Warum eigentlich?

Ein bisschen absurd, oder? Dabei sind es unsere Augen mit denen wir am meisten kommunizieren. Die Brille hat von allen Modeaccessoires den prominentesten Platz. Trotzdem hat sie immer ein Schattendasein geführt. Für Brillen wird oftmals nur der Markenname lizenziert, aber ansonsten wird das Produkt von ganz anderen Herstellern produziert und bei wahlweise 50.000 Optikern vertrieben wird. Der Brille misst man in der Modeindustrie leider immer noch einen minderen Qualitätsanspruch bei.

Und das ist bei Euch anders?

Ja. Unsere Geschäftsphilosophie kann man unter dem Begriff „Mykita-Haus“ zusammenfassen. Für uns spielt Transparenz eine ganz wichtige Rolle. Es ist wie das „Sendung mit der Maus“-Prinzip. Vom ersten Schritt bis hin zum Verpacken der Ware, lässt sich alles verfolgen. Von der Produktentwicklung über die Produktion bis hin zum Packaging, Marketing, Vertrieb, Kundenservice, haben wir alles unter einem Dach vereint. Die Menschen, die in dieser Firma arbeiten, bekommen tagtäglich mit, was hier alles passiert. Das schafft ein ganzheitliches Qualitätsbedürfnis und gibt uns die Möglichkeit eine hohe Qualität zu garantieren. Du weißt, was auch dein kleiner Teil für einen Sinn in dem großen Ganzen hat. Wir glauben, dass man das Authentische so am allerbesten bewahren kann.

Ihr selbst bezeichnet Euch auch als Brillenmanufaktur – nicht Brillenmarke.

Als moderne Manufaktur – dieser Unterschied ist uns sehr wichtig. Uns geht es darum klassisches Manufakturhandwerk mit neuen Technologien zu kombinieren und daraus ein neues Produkt entstehen zu lassen. Sicherlich ist der Manufaktur-Begriff im Moment wieder in. Aber wir wollen diesen auf eine moderne Ebene transportieren, die sich den Anforderungen unserer Zeit stellt. Einfach nur Dinge nach der alten Wie-vor-fünfzig-Jahren-Methode herzustellen? Ehrlich gesagt, ich finde das ein bisschen langweilig. Wir wollen mit Mykita moderne Produkte schaffen, keine Replikate.

In Interviews mit Euch ist des Öfteren von dem „Berlin Faktor“ die Rede. Wie wichtig ist Berlin für Euren Erfolg? Und was bitte ist dieser „Berlin Faktor“?

Ich versuche mich eigentlich immer gegen diesen Begriff zu wehren. Sicherlich hat Berlin gegenüber anderen internationalen Großstädten zwei entscheidende Wettbewerbsvorteile: Erschwingliche Räumlichkeiten und somit die Möglichkeiten für Unternehmen, sich hier zu verwirklichen und eine enorme Anziehungskraft bei jungen Leuten.

Also ist es nicht das kreative Potential der Stadt? Mykita ist ja, wenn man es so sagen möchte, eine der wenigen Berliner Erfolgsgeschichten, auf die man beim viel beschworenem kreativen Potential der Stadt, schon lange gewartet hat. Was habt ihr anders gemacht?

Wir haben von Anfang an relativ klare kommerzielle Ziele definiert, die erste Kollektion gleich in Paris und Tokio vorgestellt, nach 1 ½ Jahren unsere erste Vertriebsniederlassung in New York eröffnet und den Aufbau unseres eigenen Vertriebs forciert. Sicherlich gibt es viele andere interessante Produkte mit eigener DNA in Berlin. Nur, Kreativ-Szene ist etwas anderes als Kreativ-Wirtschaft. Bei vielen ist die Kompetenz hinsichtlich des Produktes groß, aber es fehlt in dieser Stadt immer noch an der Kompetenz eine Modefirma zu managen.