Bilder, die bezirzen

Von Naomi Campbell gibt es tolle Aufnahmen! Dank eines Bildbandes von Taschen müssen diese sich jetzt nicht mehr hinter der Figur des exzentrischen Supermodels verstecken

Ein Gespräch über Naomi Campbell ist in der Regel ein Gespräch über Ausraster, Allüren und Affären. Jeder kennt den neuesten Gossip, der die hysterische Hünin stets umweht – und der aus Marketingperspektive sicher auch einen Teil ihres unternehmerischen Erfolgs als „Supermodel“ ausmacht. Mit dem eigentlichen Inhalt ihrer Arbeit, dem Modeln, dürften nur Wenige wirklich vertraut sein, was wir von Achtung Digital durchaus bedauern.

Man mag von Naomi Campbell nämlich halten, was man möchte, aber eines steht fest: Als eine der Hauptakteurinnen der Supermodelära – und als erstes farbiges Model, das es in die absolute Topliga schaffte (womit sie bis heute eine Seltenheit geblieben ist) – hat sie nicht nur das Schönheitsideal einer ganzen Dekade, sondern den Begriff „Supermodel“ überhaupt erst einmal mitgeprägt. Und: die bald 46-Jährige verfügt über eine solide Standfestigkeit im Modebusiness.

In über 30 Jahren Berufserfahrung als Supermodel kommt natürlich einiges an Bildmaterial zusammen. Im Fall Naomi Campbell reden wir hier von diversen Kooperationen mit weltbekannten Fotografen wie Richard Avedon, Patrick Demarchelier, Steven Meisel, oder Helmut Newton, großen Marken wie Azzedine Alaïa, Marc Jacobs und Gianni Versace sowie eines ganzen Arsenals an Editorials, Kampagnen und Art-Shoots. Dabei beweist Campbell tatsächlich eine rege Vielseitigkeit. Das ausdrucksstarke Gesicht mit der hohen Stirn passt genau so gut zu Ellen von Unwerths Vogue-Porträt mit Minnie-Mouse-Ohren wie zu Peter Lindberghs Strecken für Harpers Bazaar. Egal ob in der Rolle einer verführerischen Eva, plakativ-erotisch, überraschend sinnlich oder als tropisches Tableau Vivant im Stil eines Gaugin – Campbell beherrscht ihr Fach.

Das visuelle Oevre einer Frau, die sich oft mit Freuden in einer Mélange aus künstlerischer Künstlichkeit, Wahnsinn und Authentizität suhlte, wird jetzt vom Taschen-Verlag gehuldigt: Entstanden ist ein auf 1000 Exemplare limitierter und handsignierter zweiteiliger Bildband, verpackt in kitschig-artifizielle Acryl-Multiples in Form eines weiblichen Torsos in rosafarbenem Dress des britischen Künstlers Allen Jones, der übrigens mit seiner plastischen Kunst seit Jahren die Grenze zwischen Mensch und Gegenstand verzerrt – ein wenig so, wie wir es auch von Campbell kennen. Insofern ist das Buch nicht nur eine Einkapselung von Campbells Werk, sondern zugleich ein visuelles Zeugnis über das Schaffen eines Supermodels im Hallraum von Subjekt und Objekt, in welchem eine solche Karriere überhaupt erst stattfinden konnte.

TASCHEN: Naomi Campbell. Josh Baker. Hardcover mit 4 Ausklappseiten, signiert von Naomi Campbell, 496 Seiten, mit Begleitband, 368 Seiten, in einem Multiple von Allen Jones. € 1.500
Collector’s Edition, limitiert auf 1000 nummerierte und von Naomi Campbell signierte Exemplare, in einem Multiple von Allen Jones. Auch erhältlich in zwei Art Editionen, jeweils limitiert auf 100 nummerierte Exemplare, mit signierten Prints

 

Text: Jonas Lütolf. Redaktion: Celina Plag