Der goldene Schnitt

Perret Schaads Geheimnis: Aus alt mach neu | Credit: Getty Images, Andreas Rentz

Da Vincis letztes Abendmahl? Hoffentlich keine Vorhersage für das Designer-Duo Perret Schaad und ihre Jünger. Schließlich erwartete diese im Speisesaal des Kronprinzenpalais ein Best-of der zeitlosen Entwürfe der Berliner Designerinnen, die von ihren Kundinnen immer wieder nachgefragt werden. Ausgewählt aus dem Archiv und in einer anderen Farb- und Materialpalette neu aufgelegt, zeigten Johanna Perret und Tutia Schaad, dass man sich durchaus zu seinen Wurzeln bekennen und trotzdem optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Jubel, Trubel, Heiterkeit

Wohl kaum ein anderer deutscher Journalist hat sich wie Dr. Alfons Kaiser, F.A.Z.-Modechef und Autor bei ACHTUNG MODE, bisher um das wesentliche Problem von Mode in Deutschland gekümmert: ihren schlechten Ruf. Sollen sich doch andere damit beschäftigen, ob die Mode immer noch eine Parade der Nichtigkeiten aus Showsternchen, Freigetränken und Bla-Bla-Journalismus ist, Kaiser und sein Team schreiben einfach dagegen an. Mit Witz, Charme und Texten, die Mode gleichzeitig als gesellschaftlich relevant anerkennen, dabei ihre elegante Leichtigkeit nicht verlieren. Grund genug, sich doch einfach mal ein bisschen selbst zu feiern. Und so ließen sich beim diesjährigen F.A.Z.-Modeempfang die Cover und Strecken aus nun schon fünf Jahren F.A.Z Magazin bewundern.

Oh ja, Odeeh!

Odeehs Ode an die Femininität – Freiheit, Optimismus, Stärke

Eine Frau wie Berlin mögen die Designer Otto Drögsler und Jörg Ehrlich vielleicht über ihre FW 18/19-Kollektion gedacht haben, als sie zum Abschluss ihres Defilees Hildegard Knefs „In dieser Stadt“ durch die Halle der komplett leeren DDR-Einkaufshalle in der Nähe des Alexanderplatzes ertönen ließen.
Und tatsächlich, dies war ein erfrischender Blick auf die Weiblichkeit in Zeiten von #metoo und #thefutureisfemale Diskussionen. Warum? Weil die Kollektion der beiden Odeeh-Designer diesmal weniger Muster-Mix zeigte, dafür mehr feminine Formen. Plus, Camouflage-Herzchen-Muster, 50er-Jahre Karo, glitzernde Fransensäume oder auch kleine Militärkappen in Schiffchen-Form.
Und so verließ man am Ende fast beschwingt die Halle, überzeugt von einem Plädoyer für Femininität, die ihre Stärke nicht hinter Power-Suits verstecken muss, sondern diese in der Freiheit findet, alles sein zu können.

Harte Schale, weicher Kern

Marina Hoermanseders Kriegerinnen balancieren zwischen sinnlicher Femininität und maskulinen Auftreten | Credit: Getty Images für DER BERLINER SALON

Weniger beschwingt fühlte man sich bei Marina Hoermanseder. Wirkte ihre neue Kollektion doch nicht mehr ganz so girly girly wie die Jahre davor. Stattdessen Khaki, Camouflagemuster und Military-Style gepaart mit ihren Markenzeichen, dem orthopädischen Korsetts und ihren Gürtelröcken, denen die Österreicherin weiterhin treu blieb – wenn auch diesmal in luftigerer Form. Es handelte sich nur noch um Ledergitter. Unterziehen lässt sich da zur Not wohl auch das überlange „Team MH“-Sweatshirt. Dass Branding alles ist, weiß Hoermanseder ja als erfahrene Businessfrau und sprang daher prompt am Ende des Defilees selbst auf den Promo-Zug auf.

Tanz den Pyjama

Gut, dass Johann König seine Galerie in Kreuzberg hat. So hatte die Performance der Weltmeisterin im Hip-Hop-Tanz, Leonie Ozeana, zumindest was Authentisches. Selbst wenn Tanz-Performance und Mode (Vanessa Beecroft für Kayne West/ Yeezy, 032c bei der Pitti Uomo) zurzeit ja irgendwie der neuste Clou zu seien scheinen.

König, dessen Galerie ein Must-See für alle Kunst-Hipster ist, verkauft seit letzten Jahr unter dem Namen Koenig Souvenir auch Badelaken und Hoddies in Art Editionen für eben jene Kunst-Crowd. Diesmal also einen Pyjama in Zusammenarbeit mit der Berliner Designerin Leyla Piedayesh mit Drucken der deutschen Künstlerin Corinne Wasmuht.

Wohl bekommt’s!

Der krönende Abschluss der Berliner Modewoche: William Fans Show “Fan Dynasty” im vietnamesischen Restaurant Ngon | Credit: Getty Images für DER BERLINER SALON

Ob die Initiatoren der Berlin Fashion Week die Show des momentan heiß umworbenen Designers William Fan, mit Absicht als letzte Schau auf ihren Kalender gesetzt haben, wissen wir nicht. Nur so viel: einen krönenderen Abschluss der drei Tage hätte man sich nicht wünschen können.

Im Ngon Berlin, dem populären vietnamesischen Restaurant für Haute Cuisine, unweit vom Alexanderplatz, inszenierte der Sohn zweier Hong Kong Chinesen seine Jugend auf ebenso luxuriöse Art. Wo die Saison zuvor das Kinderzimmer Thema seiner Kollektion war, bekam man diesmal einen Einblick in das Restaurant seiner Eltern in Hannover, die in den Sechzigern zu den ersten chinesischen Gastronomen in Deutschland gehörten. Wie eine Zeitreise erzählten Fans Individuen – Models jeglichen Geschlechts und Alters – die vielen fiktiven Geschichten der Besucher im Restaurant seiner Eltern.

Seine Jacketts und Paillettenkleider, der chinoise Brokat, die Lurex- und Teddystoffe – allesamt wild zusammengewürfelt – zergingen wie die servierten vollgepackten Sommerrollenhäppchen auf der Zunge. Sogar der Glückskeks fehlte nicht beim Dîner. Mit einer Prise Humor stellte William Fan seine neue Fortune Bag vor. Und immer wenn ein Model mit Gummilatschen in Form eines Fisches seinen Weg durch die Tischreihen bahnte, dann ertönte auch hier ein Raunen und Kichern. Am Ende fühlte man sich gesättigt, in jeder Hinsicht, ja sogar leicht euphorisch. Wenn das die Berlin Fashion Week ist, dann bitte mehr davon!