Anne Gorkes Art Week: Bauhaus Made

Während der Berlin Art Week präsentiert Designerin Anne Gorke eine künstlerische Kollektiv-Kollektion gemeinsam mit ehemaligen Kommilitonen

Die Bauhaus-Universität in Weimar ist eine der renommiertesten Künstlerschmieden Deutschlands. Von Modedesignern über Grafikern, Architekten und Fotografen zieht es viele zum Studieren in die beschauliche Kulturhochburg, wo schon Schiller und Goethe Inspiration für ihr Schaffen fanden. Eigentlich ist Weimar ziemlich gut gelegen: nah genug an Berlin, dass die Freigeister am Wochenende auch mal durchatmen — aber weit genug weg, dass man sich hier, anders als in der Hauptstadt selbst, tatsächlich auch auf sein Studium konzentrieren kann. Kein Wunder, dass von hier viele gut ausgebildete Talente kommen.

„In Weimar hat jeder immer ein Projekt am Laufen, oft kommt es zu spannenden Kollaborationen mit anderen Studenten“, sagt Anne Gorke. Die Modedesignerin, die seit diversen Saisons auf der Berliner Modewoche zeigt, hat dort nicht nur studiert, sondern kommt sogar von da. Schon ihre Eltern haben an der Bauhaus-Uni studiert. Irgendwie kein Wunder, dass Bauhaus — die Uni genauso wie die Kunst- und Architekturbewegung — ihre Arbeit anhaltend prägen.

Anne Gorke und ihr Kommilitonen-Kunst-Kollektiv zeigen Bauhaus-inspirierte Editionen-Sweatshirts in der Galerie Raab

„Form follows Function, das beschreibt in gewisser Weise schon meine Mode“, so Gorke. Mit gezielten Kniffen bricht sie die etablierte Maxime immer wieder auf. Wie etwa zur Berlin Art Week. In der Charlottenburger Galerie Raab (in der Goethestraße!) präsentiert Gorke „Bauhaus Made“, eine erste Edition aus Sweatshirts, die, na logo, gemeinsam mit ehemaligen Kommilitonen entstanden sind und in den Räumlichkeiten der Galerie dank feiner Drahtfäden grazil in der Luft schweben.

Für „Bauhaus Made“ schickte Gorke der Fotografin Ina Niehoff, der Illustratorin Ulrike Theusner und dem Grafik-Kollektiv Copa-Ipa zerlegte Einzelteile schlichter weißer Sweatshirts, auf denen sich die Kreativen wie auf einer Leinwand nach Herzenslust austoben durften. Je drei Pullover werden in der Galerie Raab ausgestellt. Niehoff etwa, die am liebsten mit dem Medium des fotografischen Dyptichon arbeitet, brachte ihre Doppelbilder per Digitaldruck versetzt auf Vorder- und Rückseite auf. Sie zeigen „Skulpturen in der Natur“, wie die Fotografin verrät. Darunter versteht sie zum Beispiel verrostete Leitern in einem Laubhaufen oder der Blick auf ein Retro-Auto durch ein Loch im Mauerwerk.

Bauhaus Made: „Form follows Function, das beschreibt in gewisser Weise schon meine Mode.“

Das Team von Copa-Ipa hingegen präsentiert abstrahierte Verkehrsschilder in den Bauhaus-typischen Farben Blau, Gelb und Rot, die sie im traditionellen Siebdruckverfahren auf den Jersey brachten. Ulrike Theusner arbeitete mit spezieller Textiltinte, mit der Porträts in feinen fließenden Pinselstrichen auf den Stoff malte. Dass die Künstler ihr Handwerk verstehen, zeigt sich schon am freudigen Griff in die technische Trickkiste. Zusammengesetzt und fertig genäht wurden die Kunstfummel anschließend in Portugal. „Nachhaltig und ethisch korrekt, wie immer bei mir“, betont Gorke.

Jeweils eines der drei Pullover soll es bald als Limited Edition, vermutlich in einer Auflage von 50 durchnummerierten Exemplaren, geben. Bei dem starken Künstler-Kollektiv um die ehemalige Weimarer Posse herum dürfte die junge Designerin wohl keine Probleme haben, diese zu auch zu verkaufen.