Ernte sei Dank!

Bei der Berliner Schmuckdesignerin Anne Manns wird banales Gemüse jetzt zu expressiven Schmuckstücken

Ein Garten ist ja so etwas das Kuriositätenkabinett der Natur, das die Sinne schärft und das Verhältnis zur Welt ein anderes werden lässt. Begibt man sich einmal hinein, findet man meist aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da ist es fast verwunderlich, dass kaum einer der modernen Schmuckdesigner sich bisher an dem Thema abgearbeitet hat, bietet doch so ein Garten nicht nur eine unendliche Fülle der Sorten und Arten, sondern auch jede Menge organische Formvorlagen.

Die Berliner Schmuckdesignerin Anne Manns hat sich nun diesem ästhetischen Thema angenommen und verwandelt konkrete Gemüse-Formen in hochkarätige Auberginen- oder Erbsen-Schmuckstücke. Inspiriert wurde sie dabei von dem Garten ihres Freundes in Norditalien, wo sie einen Großteil des Jahres verbringt, und vom Gemüsegarten ihrer Großeltern, in dem sie nach der Ernte gemeinsam Erbsen verlasen. Was sie daran besonders interessant fand, war der Aspekt, dass wir alle eigentlich täglich Gemüse begegnen, sich aber niemand über die natürliche Formvollendung dieses Nutzpflanze Gedanken macht. „Für mich ist Gemüse total ästhetisch“, erzählt sie denn auch und dass einem dies erst richtig bewusst wird, wenn man Gemüse selbst anbaut und nicht auf die vorgeformte Norm-Paprika im Supermarkt zurückgreifen muss.

2016 erschien ihre erste Kollektion und die war so ein Erfolg, dass Anne Manns Stücke mittlerweile schon vom Luxus-Onlineshop Net-a-porter eingekauft werden. Dabei hat Manns eigentlich mal mit Mode angefangen, doch schnell festgestellt, dass ihr der spielerische Umgang mit Formen mehr liegt. „Ich hatte auch das Gefühl, in der Mode schon alles gesehen zu haben. Es gibt einfach so wahnsinnig viel“, erklärt die Designerin ihren Genrewechsel.

Und tatsächlich sieht man Anne Manns Stücken sofort ihre unbefangene Arbeitsweise und das freie Spiel mit Form und Proportion an. Ihr Schmuck soll beweglich sein, sie will mit ihm spielen– keine statischen Preziosen, einzig und allein zu dem Zweck entworfen, Frauen als hochkarätige Statussymbole zu schmücken. Sondern Schmuck, der sich organisch in das Gesamtgefüge „Frau und ihr Outfit“ einfügt und dieses mit einem glänzenden Statement am Finger oder Ohr abrundet. Eine fließende Interaktion zwischen Körper und Objekt.

Produziert und handgefertigt werden die Stücke übrigens in Pforzheim, der deutschen Stadt, die wie keine andere für traditionelles Schmuckhandwerk steht. Entwickeln tut Anne Manns die Prototypen hierfür allerdings gemeinsam mit einem Goldschmied in Berlin. Konstruiert werden diese für eine noch stimmigere Passform alle in 3-D. „Das ist für mich sehr wichtig, da meine Sachen nicht klassisch am Ohr hängen, sondern in diesem verwurzelt sind“, erklärt Manns. Oder eben wie die neuen Ringe der Pears Collection, die sich nicht etwa nur um einen Finger winden, sondern sich um die ganze Hand schlingen. Und auch eine weitere Kollektion ist schon in Arbeit. So viel sei verraten: es wird wohl wieder ein Gemüse-Stück werden.