Alltags-Mimikry oder Modeimitationen von Anna Bornhold

Vergangenes Jahr gewann die HFK-Bremen-Absolventin den Chloé-Preis in Hyères, in diesem Jahr überzeugt die Nachwuchsdesignerin beim ITS in Italien. Grund genug, das Modetalent aus Oldenburg näher zu beleuchten

Anna Bornhold gelang im Frühjahr 2015 ein solider Einstieg in die Modebranche. Die Oldenburgerin wurde mit dem Chloé-Preis des renommierten Festival International de la Mode et de Photographie Hyères ausgezeichnet und brachte damit einen wichtigen internationalen Preis für Modedesigner-Nachwuchs nach Hause.

Mit ihrem Ansatz, eine Art Alltagskleidungs-Mimikry zu entwerfen – Jeans, die keine sind, Fake-Doc Martens oder Converse-Schuhe, aus selbstgestaltetem Stoff – überzeugte sie damals den Chef des Hauses, Geoffroy de la Bourdonnaye. Er war der Ansicht, dass sie mit ihrem sonnigen Gemüt den Geist des Chloé-Girls channeln könne. Ihr Savoir-Faire versprühe außerdem den Chloé-Esprit von Jugend, Freiheit und Eleganz, lautete weiter seine Eloge an die Kollektion Bornholds.

Alltagsmoden-Mimikry: Bei Anna Bornhold gibt es zum Beispiel Jeans, die keine Sind.
Alltagsmoden-Mimikry: Bei Anna Bornhold gibt es zum Beispiel Jeans, die keine Sind.

Diese Kollektion, die sie im Masterstudium Integriertes Design an der HFK in Bremen fertigte, das sie erst kurz zuvor abgeschlossen hatte, trägt den Titel  MODE.IMITATION. „Während des Studiums hatte ich viel Freiraum, mich zu entfalten. Ich war lange auf der Suche, habe erst freie Kunst studiert, anschließend Mode“, erzählt die sympathische Blonde. „Schließlich wäre ich fast an einem Workshop für Handstricken gescheitert, aber dann kam der Moment, als ich entdeckt habe, was man mit Handwerk alles machen kann.“ So trat für Anna Bornhold die Liebe zum manuellen Gestalten in den Vordergrund. „Ich wollte einfach Alltagskleidung auf ein neues Level heben und sie mit extrem viel Arbeit und Aufwand zu beinahe-Couture-Status bringen.“

„Küsse einen Frosch, aber mit geputzten Zähnen.“

Dieser Ansatz zeigt sich in ihrer Technik, die sie ‘Freestyle-Sticken’ nennt. Dabei näht sie mit Fäden so oft über einen Trägerstoff – zum Beispiel Nessel oder für feinere Stücke Organza – dass dieser in den Hintergrund rückt. Das dabei neu entstehende Material nimmt die Farbe der dominierenden Fäden an. „Es ist fast, als würde man den Stoff malen: hell, dunkel, Kontraste, Schattierungen. Ich mache das absolut intuitiv, die Stoffe entstehen alle unter der Maschine, ohne vorherige Planung.“

In Anna Bornholds Hyères Chloé Gewinnerkollektion MODE.IMITATION ist nicht immer alles, wie es scheint.
In Anna Bornholds Hyères Chloé Gewinnerkollektion MODE.IMITATION ist nicht immer alles, wie es scheint.

Als Inspiration für die Kollektion zitiert sie einen Satz, „Küsse einen Frosch, aber mit geputzten Zähnen“. Diese Idee, dass man etwas für seine Träume tun muss, das ist eigentlich der Kern ihrer Kollektion. „Nicht nur für die partnerschaftliche Liebe, sondern für alles im Leben, muss man Passion haben und etwas dafür tun. Das Märchen vom Froschkönig lieferte vielleicht anfangs noch einen Leitfaden für Farben, aber letzten Endes geht es wirklich nur um diesen Satz. Inspiration ist für mich kein Korsett, sondern nur eine Starthilfe.“

Genauso hält sie es auch mit Ihren Designervorbildern. „Die wechseln bei mir. Bernhard Willhelm finde ich großartig. Er hat auch einmal eine Sache gesagt, die ich mir zu Herzen genommen habe: ‘Wenn man es schafft, sich lächerlich zu machen, hat man nichts mehr zu verlieren’, das finde ich als Leitspruch sehr hilfreich. Die Farben bei Walter van Beirendonck sind auch inspirierend.“

„Die Nähmaschine kommt auf jeden Fall mit.“

Ein gutes Jahr nach ihrem Triumph in Hyères ist ihr der sonnige Charakter geblieben und auch die Kollektion, die sie kontinuierlich weiterentwickelt, begleitet die Oldenburgerin weiterhin. Kürzlich reiste sie mit ihr nach Triest, wo sie bei den ITS Awards neben dem Modeteca Deanna Award auch den OTB Award gewann und diesen von Renzo Rosso höchstpersönlich überreicht bekam.

Bald geht es für die Designerin deshalb nach Italien, wo sie ein sechsmonatiges Praktikum bei Diesel absolvieren wird. Anders als viele Jungkollegen weiß sie nämlich, dass es ratsam ist, so viel wie möglich zu lernen und Erfahrungen zu sammeln – anstatt sich kopflos selbstständig zu machen. „Die Nähmaschine kommt auf jeden Fall mit“ sagt Bornhold trotzdem auf die Frage hin, ob es bald Neues aus eigener Feder von ihr geben wird.