Achtung Mode Ausgabe 30: jetzt im Handel

Von einem Bild von einer Frau und einem Mann im Anzug

Mann oder Frau, wer weiß es genau? Mittlerweile sind die Grenzen so fließend, dass wir im Wald der Zeichen die Bäume kaum mehr sehen: Die Gender-Debatte hat eine neue Dimension bekommen. Die Schönheit in der Vielfalt des Lebens besteht dabei im neugierigen Erkennen dessen, was es gibt, und gerade das Unverständliche macht einen wesentlichen Reiz der Welt aus. Weil es uns in den Zustand des kindlichen Staunens zurückversetzt und die Poesie des Universums zu sehen lehrt.

Mode kann dabei helfen, wie kaum eine andere Ausdrucksform des Menschen. Weil sie auf vielen Ebenen funktioniert und in der Feier der Nuance ein Abbild der multitude der Existenz ist. Und es ist spannend im Moment in der Modebranche. Mit Alessandro Michele, der den freien Fall bei Gucci gerade in einen Salto Mortale verwandelt hat, mit akrobatischen Entwürfen, die man nur als genderbending bezeichnen kann, und die wir in dieser Ausgabe zum Beispiel in einer Modestrecke von Fotografin Eva Baales und Moderedakteurin Celina Plag an Transgender-Models zeigen.

Unsere Transgender-Strecke, fotografiert von Eva Baales
Unsere Transgender-Strecke, fotografiert von Eva Baales

Oder Jonathan Anderson, der neue Designer bei Loewe, den wir im internationalen Designerprofil vorstellen: Er lässt von Anfang an seine Kollektionen geschlechtsneutral daherkommen und avanciert so zum Mann der Stunde.

Jonathan Anderson fotografiert von Kira Bunse exklusiv für Achtung Mode
Jonathan Anderson fotografiert von Kira Bunse exklusiv für Achtung Mode

Dass diese Ausgabe nicht nur von der Mehrzahl der Portraitierten, sondern auch von jenen her, die das Portraitieren besorgen, eine Frauenausgabe geworden ist, bestätigt in dieser Hinsicht nur auf den ersten Blick das alte Vorurteil, das weibliche Geschlecht verfüge über größeres Einfühlungsvermögen und so auch das nötige Sensorium, die Zwischentöne der maskulin/femininen Verwirrungen adäquat zum Ausdruck zu bringen.

Gina in Dolce & Gabbana und Marc Jacobs im Oderbruch fotografiert von Jana Gerberding
Gina in Dolce & Gabbana und Marc Jacobs im Oderbruch fotografiert von Jana Gerberding

„Gebe mir und meinem männlichen Pendant das gleiche Motiv – und unsere fotografische Herangehensweise wird verschieden sein. Die Perspektive einer Frau auf eine Frau unterscheidet sich grundlegend von der eines Mannes.“ So formuliert es denn auch Jana Gerberding treffend, unsere fotografische Neuentdeckung und Shooting Star dieser Ausgabe: Noch nie hat es eine Fotografin oder ein Fotograf bei Achtung Mode geschafft, beide Cover zu verwirklichen. Im Oderbruch fotografiert sie drei deutsche Models, angezogen von unserer Modechefin Katharina Baresel-Bofinger. Und auf der Berliner Karl-Marx-Allee lässt sie sich von Victoria-Schauspieler Franz Rogowsi mit Kusshand an die Wand spielen.

Victoria-Schauspieler Franz Rogowski fotografiert von Jana Gerberding auf der Karl-Marx-Allee
Victoria-Schauspieler Franz Rogowski fotografiert von Jana Gerberding auf der Karl-Marx-Allee

Auch die Fotografin Kira Bunse stellt in dieser Ausgabe den männlichen Blick in Frage. Dem einst heteronormativen Sujet „Frau und Auto“ heizt sie mit Model Lena Hardt und einem getuneten Mercedes GT auf einer stillgelegten Rennstrecke im französischen Reims ordentlich feminines „Overdrive“ ein.

Model Lena im Mantel von Bottega Veneta auf einem getunten Mercedes GTI von Kira Bunse fotografiert
Model Lena im Mantel von Bottega Veneta auf einem getunten Mercedes GTI von Kira Bunse fotografiert

Inspiriert wurde sie dafür, wie übrigens unser gesamtes Heft, vom legendären deutschen Modefotografen und Sammler F.C. Gundlach, der wie kein Zweiter die modefotografische Kultur der 50er, 60er und 70er prägte, und den wir in Vorbereitung auf diese Ausgabe in seinem Hamburger Archiv besuchten, aus dem sich auch in dieser Ausgabe einige Aufnahmen finden. Auch Herr Gundlach machte sich damals „ein Bild von einer Frau“ – obwohl durch die Augen eines Mannes betrachtet, findet sich in seinem fotografischen Werk ein sehr elegantes, erstaunlich selbstbewusstes Frauenbild, das sich heute wie ein roter Faden durch unsere Septemberausgabe zieht.

Archivaufnahme von F.C. Gundlach
Archivaufnahme von F.C. Gundlach

Achtung No.30 is our women’s issue meaning most columns and contributors are female. On top it’s a true dedication to F.C. Gundlach, the legendary German fashion photographer and collector, who shaped German fashion photography culture after World War II like few others.

F.C. Gundlach fotografiert von Birgit Kleber (2011)
F.C. Gundlach fotografiert von Birgit Kleber (2011)

In the photographic work of F.C. Gundlach, women had always been presented elegant and surprisingly self-confident, though ultimately seen through the eyes of a man. For Achtung Mode No.30, inspired by the women of Gundlach, we looked for the complete opposite: looking at women only through the eyes of women themselves. This means, all of our shoots were executed by female photographers only.