Achtung Digital Weggefährten: Gregor Hohenberg

Weggefährten – das sind Menschen, mit denen man eine längere gemeinsame Wegstrecke zurücklegt. Der Fotograf Gregor Hohenberg ist einer dieser Weggefährten für Achtung Mode, wir schauen zurück auf diesen gemeinsamen Weg und lassen uns zehn Highlights seiner Karriere zeigen.

Gregor Hohenberg ist seit der ersten Stunde einer dieser treuen Begleiter der Achtung-Familie. Hohenberg fotografierte das Cover unseres Debüts mit Karolina Kurková in Böhmen und reiste mit uns von Bamberg bis Seoul und ins Heute: Nach Leipzig, wo er für diese Ausgabe eine Männermodegeschichte mit Jungs aus der Stadt fotografierte. Wir haben ihn da bei zurück zu seinen Wurzeln begleitet — der ostdeutschen Jugendkultur. Hohenberg ist in Magdeburg geboren und aufgewachsen. Wie er jetzt tickt, erzählt er hier.

Achtung Mode: Wie war deine Jugend in Magdeburg?

Gregor Hohenberg: Es war eine spannende Zeit 1988/89, ich war 17, überall gab es Proteste gegen den Stillstand im sozialistischen System. Ich fing damals an Fotos zu machen. Eine Bekannte gab mir im Mai 89 heimlich Filme zu entwickeln, auf denen Polizeieinsätze gegen Demonstranten dokumentiert waren. Die Stasi war überall. Dann kam die Wende. Niemand war vorbereitet. Für mich war es einfacher, da ich nicht mehr zur Volksarmee musste und alles spannend fand, was so um uns herum passierte. Später bewarb ich mich für die Fotoklasse beim Lette Verein Berlin. So fing alles an.

2002 ein Foto aus der Serie mit Karolina Kurková für Achtung Mode Nr. 1 in Decin zu Besuch bei ihrer Grossmutter zusammen mit Pferdemädchen aus dem Ort.

AM: Welche Magazine haben dich damals inspiriert?

GH: Damals habe ich viel die Max gelesen. Aber eigentlich habe ich mich mehr mit Fotobüchern beschäftigt. Magdeburg war nun mal keine wirkliche „Modestadt“. Später, als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich mir dann Style and the Family Tunes und natürlich die französische Vogue, Vogue Hommes und Arena Homme plus für je 20 Mark im Bahnhof Zoo gekauft.

2016 Waleska Gorczevski aus einer Serie für Harpers Bazaar in einem Filmset in Rüdersdorf.

AM: Wie hast du die Achtung Mode früher gesehen? Wie heute?
GH: Das war elf Jahre später. Ich kam gerade aus London zurück und wollte loslegen. Es war toll, Markus gleich am Anfang zu treffen. Er hatte eine Vision, die bis heute sein Magazin prägt. Viele gute Prinzipien der ersten Stunde hat er beibehalten, tolle Leute arbeiten zusammen. Ich wünschte mir nur, dass dieser sich wiederholende „Juergen-Teller-Kopie“-90s-Knips-Look endlich aufhört. Ich stehe eher auf gute Bildideen und experimentelle Arbeiten.

2010 Bollenhut für Zeitmagazin aus der Serie über deutsche Trachten, ein Projekt , das 5 Jahre dauern sollte und zu einem Buch bei dem Gestalten Verlag wurde in 2015.

AM: Welches gemeinsame Ereignis in unserer Zusammenarbeit wirst du nicht vergessen?
GH: Es gab viele schöne Momente, die Reisen durch Süddeutschland, eine der ersten Modenschauen von Raf Simons zu besuchen und die letzte von Helmut Lang. Und jetzt ganz frisch: Unsere Tour nach Leipzig hat mich sehr inspiriert. Ich bin dafür sehr dankbar.

AM: Welche deutschen Designer findest du wichtig?
GH: Meinen Freund Frank Leder, den ich solange kenne wie die Achtung und der immer noch seinem Look treu ist und unglaubliche Ideen entwickelt. Aber es gibt eine ganze Reihe an sehr guten Designern, man kann sie nicht alle nennen. Das ist die Aufgabe von Achtung Mode.

2017 Thiago aus der Serie für GQ Japan mit König/ Souvenir x MCM in Berlin , Kottbusser Tor.

Dieser Artikel erschien erstmals in Achtung Mode Nr. 39.