Achtung Allude

Teil Zwei unserer deutschen Highlights in Paris: Was man über Andrea Kargs Frühjahr-Sommer-Kollektion 2016 wissen muss

Seit 1993 entwirft Andrea Karg für ihr Luxuslabel Allude vorzugsweise Mode aus Kaschmir, erfolgreich verkauft sie ihre Kuschelkleider in 37 Länder weltweit. In München entstehen Kargs Kollektionen, in Paris werden sie präsentiert. Karg ist stets bemüht, aus ihrem traditionellen Lieblingsmaterial für den Laufsteg das Maximum an Mode herauszuholen. Mit ihren Kleidern für den kommenden Sommer, welche die Designerin dieser Tage Rive Gauche, im Salle Melpolème der École Nationale präsentierte, ist ihr das gelungen.

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Allude SS 16

Ungewohnt unetabliert

Tiefdunkel vibrierten die Bässe des Soundmeisters Senjan Jansen, als die ersten Mädchen den Laufsteg betraten; ihre Körper umhüllt von hellen leichten Gewändern, die von konstruierter Dekonstruktion erzählen. Ungebändigte Flatterzipfel, asymmetrisch gestrickte Maschen, unstete Oberflächen und aufeinanderprallende Stofflichkeiten: Beinahe mystisch wirkte das Zusammenspiel von Musik und Mode auf die Atmosphäre im Saal.

Ungewohnt un-etabliert für eine Allude-Kollektion also (man erinnere sich an das Jagd- und Landlust-Thema der aktuellen Saison) erscheint die Inszenierung der Kaschmirköniginnenkleider, in der die Allude-Dame irgendetwas zwischen urbaner Stammeskämpferin und friedvoll elfenhaftem Fabelwesen verkörpert. Unter modischen Gesichtspunkten betrachtet gehen bei uns beide Daumen hoch. Und bei der Stammkundin?

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Allude SS 16

Perfekte Imperfektion

„The rise of Imperfection“ lautet übrigens der treffende Titel dieser Kollektion, der bei Allude sodann eher als Stimmung gefeiert wird, denn in reellen Fehlern zu finden ist: sämtliche Imperfektion ist von langer Hand perfekt geplant und ausgeführt; hier treffen modische Idee und handwerkliches Können aufeinander. Wie viel ideeller Anteil dabei von Frau Karg selbst stammt und wie groß der Einfluss ihres Kreativ-Gefolges rund um Totem-Legende Kuki de Salvertes und Stylist Samuel Drira ist, fragten raunende Stimmen nach der Show. Eigentlich egal. Solange die leichten, bequemen Glockenröcke, Denim-Leinen-Spielereien und spannende, aber ungezwungene Strick- und Webhaptiken weiterhin unsere Aufmerksamkeit haben. Aber eine Marke kann sich nur ab und zu sehr weit strecken.

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Allude SS 16

Hier spricht Frau Karg

„Meine Inspiration habe ich aus faszinierenden Versteinerungen von organischen Fasern gezogen, die mich so intensiv angesprochen haben, dass ich deren Formen in weiche und fließende Cashmere-Strukturen und Oberflächen übersetzt habe, ohne ihre Dynamik und Stärke zu verlieren. Ich will diesen Formen damit wieder Leichtigkeit und Beweglichkeit einhauchen, damit sie tragbar werden.“

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Allude SS 16

Besondere Schmuckstücke

Zu ihren blasspudrigen Looks kombiniert, die allesamt die Körpermitte betonen, stechen skulpturale Halsreifen und Ohrhänger umso mehr hervor. Die goldfarbenen Farne und dreidimensionalen Blätter werden uns im Alltag wohl eher selten begegnen – dafür vermutlich umso häufiger im Zentrum einer Fotografie.