Barbara Vinken illustriert von Caroline Marine Hebel für Achtung Mode Nr. 37.

A50 Persönlich: Barbara Vinken, unsere Nummer 46 auf der A50 Liste

Die Kulturwissenschaftlerin und Modetheoretikerin wirkt selbst im Vorlesungssaal als sei sie gerade auf dem Weg zu einem Galadinner. Markenzeichen: Alaïa-Kleider und eine Föhnfrisur, die adrett zurechtgemacht zeitweise zu einer Exzentrik neigt wie Amy Winehouses Beehive. Vinken liebt und lebt Mode. Und hat dafür gesorgt, dass diese in Deutschland endlich auch Gegenstand eines akademischen Diskurses wird.

A50 Persönlich sind 50 gute Fragen an die Nominierten unserer A50 Liste der wichtigsten Deutschen in der Mode 2019.

1. Wo fühlen Sie sich Zuhause? 

Überall da, wo ich ein Zuhause habe.

2. Mögen Sie ihren Namen?

Barbara/Barbarus heißt die/der Fremde. Das heißt möglichst überall zu Hause.

3. Ihr bestes Arbeitsoutfit?

Alaïa in allen Lebenslagen.

4. Sind Sie pünktlich?

Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige. Ich versuche mein Bestes.

5. Ihr letzter Urlaub?

Ich mache nie Urlaub. Fahre nur in Ferien – Comer See.

6. Wovor fürchten Sie sich?

Davor, mich nicht mehr lebendig zu fühlen.

Barbara Vinken, geboren in Hannover, studierte Kunst- und Literaturwissenschaften in Freiburg, Paris und an der Yale University.

7. Was möchten Sie noch erreichen? Wovon träumen Sie?

Besser Tennis zu spielen.

8. Haben Sie studiert? Wenn ja was?

Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte.

9. Ihr erster Job?

Ein Ferienjob, der Anfang der Digitalisierung, wo man Informationen noch auf Lochkarten übertragen musste.

10. Schlimmster Job den Sie je hatten? 

Das war auch mit Abstand mein langweiligster Job.

11. Was mögen Sie an Ihrem Job?

Fast alles.

12. Größte Stärke?

Energie.

13. Größte Schwäche?

Ungeduld.

14. Ohne welche App können Sie nicht mehr leben? 

Ich benutze, glaube ich, nie Apps. Aber ohne E-Mail kann ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen.

15. Welches Bild ziert ihren Bildschirmschoner?

Ein Leopardenfell; Dionysos.

16. Wertvollster Besitz?

Am liebsten mag ich mein Türmchen hoch über dem Comer See.

17. Was liegt neben Ihrem Bett?

Duftende Rosen und im Moment wieder einmal Effi Briest von Theodor Fontane.

18. Wann haben Sie das letzte Mal geweint?

Am Montag, als mir das Schicksal von Madame Bovary vor Augen stand.

19. Und zu Tränen gelacht?

Vorgestern. Mein Sohn hat mich nachgemacht.

20. Das meist überschätzte Produkt?

Twitter.

21. Persönliche guilty pleasures?

In Romane zu versacken.

Barbara Vinken begreift die Mode als Mittel des Selbstausdrucks, das so vielschichtig ist wie die Menschen selber.

22. Welche Serie zuletzt geguckt?

Die einzige, die ich jemals gesehen habe, war Mad Men.

23. Welches Auto fahren Sie?

Ein altes BMW Cabrio, wo mir gerade der Reifen geplatzt ist.

24. Was wollten Sie (als Kind) eigentlich werden?

Das, was ich geworden bin. Jemand der Texte und Textilien liest, darüber schreibt und spricht.

25. In welcher Dekade wären Sie stilistisch am besten aufgehoben?

Louis XVI.

26. Ihre Meinung: Deutschland und die Mode?

Wird besser. Ist auf dem Weg, eine Lebenskunst zu werden.

27. Ein Satz, der Sie geprägt hat?

„Wenn man zu schnell oder zu langsam liest, versteht man nichts.”

28. Ihr bisheriges Karriere-Highlight?

Meine Karriere ist ein einziges Highlight, davon bin ich manchmal ganz geblendet.

29. Karriere-Low?

Als ich nach meiner zweiten Promotion finanziell fast nicht auf eigenen Beinen gestanden hätte.

30. Wie viele Leute arbeiten für Sie?

Ich arbeite mit Leuten zusammen.

31. Wie groß ist ihr Büro?

Keine Ahnung, ziemlich groß und Gott sei Dank sehr, sehr sonnig.

32. Pflanzen im Büro?

Kakteen!

33. Was schätzen Sie an sich selbst?

Heiterkeit.

34. Ihr letzter (wertvoller) Gedanke?

Sehr flüchtig, die Gedanken.

35. Ihr liebstes deutsches Wort?

Beiläufig.

36. Tanzen Sie?

Viel zu wenig.

Faulbert gilt als Erneuerer der modernen Literatur. Wie man Faulbert heute verstehen sollte, zeigt Barbara Vinken.

37. Ihr Duft?

Fleurs d’Oranger.

38. Ihre erste Schallplatte?

Georges Moustaki, fürchte ich. Oder Leonard Cohen.

39. Was halten Sie von der großen Liebe?

Ganz, ganz wunderbar.

40. Ihr Lieblingsfrauenname?

Julia.

41. Ihr Lieblingsmännername?

Anselm.

42. Der Held ihrer Kindheit?

Pippi Langstrumpf.

43. Die Namen ihrer Eltern?

Katharina und Reiner.

44. Was machen diese beruflich? / Was haben diese beruflich gemacht?

Mein Vater ist Geologe, meine Mutter war, bevor sie uns fünf Kinder zur Welt brachte, Designerin.

45. Ihr Geburtsort?

Hannover, of all places. Im Exil.

46. Wo wohnen Sie jetzt und warum?

In Schwabing, weil ich um die Ecke arbeite. Und der bayrische Himmel so golden barock leuchtet.

47. Auf was sind Sie besonders stolz? 

Mein Sohn spricht akzentfrei Französisch.

48. Was ist Ihnen peinlich?

Sprache nicht gut zu beherrschen.

49. Haben Sie Familie?

Ja.

50. Was wollen Sie unbedingt noch lernen?

Ballett.