A20 Persönlich: Michael Michalsky

Michael Michalskys Karriere gleicht einem Sprint. In Göttingen geboren, nahm sich Michalsky gleich den größten zum Vorbild: Karl Lagerfeld. Um seinem Traum näher zu kommen, musste er raus aus der Provinz und ans College of Fashion in London. Seither designte Michalsky schon für Levi Strauss & Co., adidas, MCM und arbeitete mit Yohji Yamamoto und Stella McCartney zusammen. 2006 folgte er dem Ruf in die Selbstständigkeit und gründete sein eigenes Label: Michalsky. Und dem Designer scheint die Puste nicht auszugehen, so hat er jetzt auch noch die kreative Leitung der Luxus Sportswear Marke Jet Set übernommen. Also doch eher ein Langstreckenläufer aber mit Sprintgeschwindigkeit.

A20 sind 20 persönliche und mal mehr, mal weniger modische Fragen an Talente aus unserer Heimatstadt Berlin. 

1. Wo wohnst Du?

Michael Michalsky: Berlin Mitte/Kreuzberg.

2. Seit wann bist Du in Berlin und woher kamst Du?

MM: Ich lebe seit 2006 in Berlin und habe vorher über elf Jahre in Nürnberg gelebt.

3. Wie groß ist Dein Atelier/Dein Büro?

MM: Mein Atelier ist in einer ehemaligen Maschinenhalle und liegt direkt an der Spree. Absolut traumhaft und einzigartig. Es ist ca. 450 Quadratmeter groß und hat extrem hohe Decken. Ich mag hohe Räume.

4. Wie groß ist Dein Team?

MM: Zurzeit sind wir zehn Leute. Wenn wir große Projekte anstehen haben, erweitern wir das Team mit Freelancern. Bei einer Fashion Show sind wir zeitweise fast 100 Leute.

Michael Michalsky kochte für Achtung Mode Nr. 21 sein Leibgericht: Kartoffelsuppe mit Lauch. Fotografiert von Peter Langer.

5. Was würdest Du machen, wenn es nicht Modedesign wäre?

MM: Wenn ich nicht Modedesigner geworden wäre, wäre ich Architekt geworden.

6. Hast Du Vorbilder?

MM: Karl Lagerfeld ist mein großes Vorbild. Ich habe mit 14 Jahren einen Artikel über ihn im Stern gelesen und war so fasziniert und begeistert, dass ich auch Modedesigner werden wollte.

7. Dein Lieblingsbezirk? Warum?

MM: Berlin 10179! Wo ich lebe und wo sich auch mein Atelier befindet. Hier ist Berlin als Mikrokosmos abgebildet mit all seinen Facetten und doch ist es überschaubar und es gibt alles was man braucht. Ich verlasse meinen Kiez sehr selten. Manchmal habe ich das Gefühl ich wohne in einer eigenen Kleinstadt mitten in einer Mega-Metropole.

8. Dein bester Berliner Geheimtipp?

MM: An einem Sonntag ganz früh am Morgen einen Spaziergang zu machen von der Köpenickerstraße in Richtung Schloss, dann zur Museumsinsel, von dort weiter zum Tiergarten an allen Botschaften vorbei bis hin zum Café Am Neuen See. Dabei natürlich Kopfhörer auf und Musik hören. Das ist visuell unschlagbar. Dauert aber circa zwei Stunden.

Michael Michalsky ist der neue Creative Director der Sportswear Marke Jet Set.

9. Wonach riecht Berlin?

MM: Nach meinen Parfüms Michalsky Berlin for Men und Michalsky Berlin for Women.

10. Wonach schmeckt Berlin?

MM: Nach Kinderschokolade, Schaschlik und Gemüsekebab.

11. Was können die Berliner in Sachen Mode? 

MM: Sich das zutrauen, was man sich in anderen Städten nicht trauen würde.

12. Und was nicht?

MM: Zeitlose Eleganz, so wie man sie an Frauen in Paris sieht. Aber das lernen wir noch!

13. Wo siehst Du die Berliner Modeszene in zehn Jahren?

MM: Klein, fein und nachhaltig innovativ.

Mit der digitalen Kampagne #FinallyHome hinterfragt das Label Jet Set den Heimatbegriff.

14. Welche Farbe hat Dein Kleiderschrank?

MM: Schwarz, dunkelblau, grau, weiß und Jet Set Orange.

15. Welche Screentime hat Dein Smartphone?

MM: Letzte Woche: 22 Stunden und 52 Minuten.

16. Ein Trend dem Du nie folgen würdest?

MM: Ich folge eigentlich keinen Trends. Sollte ein guter Designer nicht gerade das machen und leben, was vielleicht später erst Trend wird?

17. Welche Musik hörst Du zum Arbeiten? 

MM: Meine Playlist.

18. Was möchtest Du noch erreichen?

MM: Ich träume weiter davon Michalsky zu einer kompletten Lifestyle Marke auszubauen. Die alle Bereiche von Mode bis Living abdeckt. Und ich möchte meine Mode in der Zukunft noch stärker von Avataren Präsentieren lassen.

Michalsky bleibt der Sportswear treu: Nach adidas designt er zwar mit Jet Set für ein anderes Label, aber immer noch sportlich schick.

19. Wenn Berlin ein Kleidungsstück wäre, dann…

MM: …wäre Berlin ein olive Vintage Army Pant. Schon Tausend Mal gewaschen und geflickt, die bei jedem Tragen besser wird. Natürlich für Frauen und für Männer.

20. Warum immer noch Berlin’?

MM: Dazu gibt es ein fantastisches Lied von Hildegard Knef mit einem Text, der eigentlich alles sagt:

Wer war vor Jahren kaputter als kaputt
Wer stieg daraus wie ein Phoenix aus dem Schutt
Und wer zieht heut wie einst die Menschen wieder an
Wie heißt die Stadt auf die man nicht verzichten kann?
Treibt mich das Schicksal auch manchmal hin und her
Wie heißt der Ort wo ich stets am liebsten wär
Auch jedem Fremden der hier war
Dem ist die Antwort sonnenklar:
Das ist Berlin, Berlin, die ewig junge Stadt
Das ist Berlin, die Stadt, die meine Liebe hat
Genau im Mittelpunkt der Welt
Hat sie der Herrgott hingestellt
Du mein Berlin, Berlin, du Perle an der Spree
Wer dich erst kennt, Berlin, der sagt dir nicht Adieu
Denn deinem Zauber kann man niemals mehr entflieh’n
Du mein Berlin, Berlin, Berlin.

– Hildegard Knef Das ist Berlin