Manch einem mag Offenbach nur noch als Brutstätte des neuen deutschen Ghetto-Hip Hop (aka Haftbefehl) ein Begriff sein. Dabei war das Städtchen rechts von Frankfurt einst Weltstadt des Leders. Im 19. Jahrhundert arbeiteten dort 10.000 Menschen in der Lederindustrie, auch wenn die meisten Manufakturen schon verschwunden sind.

Allerdings gibt es ein aufstrebendes Label aus Frankfurt, dem etwas an der Tradition des Nachbarsorts Offenbach liegt und bei Online-Shops wie Ssense.com oder in Concept Stores wie Andreas Murkudis in Berlin verkauft wird. Tsatsas heißt die Marke, die Handwerk mit zeitgemäßem Design vereint und nicht nur von Hipstern, sondern auch von Hillary Clinton gern getragen wird. Der studierte Industriedesigner Dimitrios Tsatsas und die Architektin Esther Schulze-Tsatsas haben es sich 2012 zur Aufgabe gemacht das ehrwürdige Ledergewerbe am Leben zu erhalten. Deshalb verarbeiten sie festes Kalbsleder und softes Nappaleder vom Lamm aus einer Offenbacher Ledermanufaktur, die der Vaters von Dimitrios Tsatsas seit 30 Jahren führt, zu Tote-und Hobo-Bags.

Ihre aktuelle Kollektion „Closer“ beweist wie detailverliebt und präzise das Designduo an die Arbeit geht. Auf abstrakte Weise versuchten sie sich an die Themen Nähe und schwindende Distanz heranzutasten. Dafür wurden Fotografien von Dimitrios Tsatsas aus Paris digital vergrößert und erneut festgehalten, sodass die fragmentierten Strukturen und der Farbraum der Bilder freigelegt werden konnten. Durch die Vergrößerung der Aufnahmen rückten die Motive zwar in den Hintergrund, Details, die sonst unsichtbar bleiben, konnten aber wahrgenommen werden.

Die handgesetzten Nadelstiche, das offenporige Leder und die eigens entworfenen Zipper der Reisverschlüsse sind Indizien, wie die Tsatsas-Designer den Blick auf Einzelheiten lenken und ihre Inspiration ins Accessoire-Design übersetzen. Uns von Achtung Mode imponieren der Anspruch der Frankfurter und deren Achtung vor dem Traditionshandwerk.

 

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