Molli gehört zu jenen spannenden „Sleeping Beauties“, die mit Fug und Recht wachgeküsst wurden. Bereits 1886 wurde das einstige Schweizer Familienunternehmen in Zofingen als Manufaktur für luxuriöse Strickwaren gegründet. „Molli“, abgeleitet vom altdeutschen Wort „mollig“, stand schon damals für kuschelweiche, hochwertige Qualitäten.

Mit der Erfindung des multidimensionalen Krausstricks als auch mit nobler Unterwäsche für Frauen und Männer im 20. Jahrhundert konnte der Betrieb über 130 Jahre seine Webtechniken und Garnauswahl perfektionieren. Später ging die Gestaltung der zeitlosen Basics in französische Hände, wurde ab den 1950ern zur ersten Anlaufstelle für feinste Babymode — und verstaubte dann langsam in der Mottenkiste. Auch, wenn Stammkunden der Pariser Oberschicht Molli nach wie vor die Treue hielten.

Mit Molli Paris wurde eine „Sleeping Beauty“ wachgeküsst

Es musste erst die nonchalante Pariserin Charlotte de Fayet kommen, die der Marke 2015 neues Leben einhauchte und um eine sublime Frauenlinie erweiterte. Die bewährte zeitlose Schweizer Qualität und edelste Garne aus Italien finden sich noch heute in allen Kollektionen. Elegant schwingende Röcke und perfekt sitzende Rollkragen-Tops wiederum appellieren an den Modesinn der eleganten Dame von Welt. Das beweist auch die aktuelle Herbst-Winter-Kollektion 2017, die dieser Tage lanciert wurde. Achtung Digital sprach mit der Dame, die für die luxuriösen Strickmodelle verantwortlich ist: Charlotte de Fayet.

Die Pariserin Charlotte de Fayet

Achtung Digital: Vor drei Jahren haben Sie Molli Paris übernommen, 2015 wurde die Marke gerelauncht. Wie kam es dazu?

Charlotte de Fayet: Als damals mein Sohn geboren wurde, erhielt ich als Geschenk unter anderem Babykleidung von Molli und verliebte mich sofort in die hochwertige Qualität, Feinheit und Zeitlosigkeit des Produkts. Ich besuchte dann die Pariser Molli Boutique auf dem Boulevard Saint Germain und bat darum, mit dem Team sprechen zu dürfen.

Nachdem ich jahrelang für große Unternehmen gearbeitet hatte, stand ich ohnehin an einem Wendepunkt meiner Karriere und war ganz erpicht darauf, selbst unternehmerisch tätig zu werden. Als ich feststellte, dass Molli praktisch stillgelegt worden war, verstand ich das als großartige Chance, einer wirklich einzigartigen Marke neues Leben einzuhauchen.

Molli Paris: Hochwertige Materialien treffen auf modere Dessins

Ursprünglich wurde Molli in der Schweiz gegründet. Und wurde erst später französisch. Wie viel ist von dem Schweizer Erbe heute noch zu spüren?

Mit der Schweiz assoziieren wir gemeinhin Qualität und Zeitlosigkeit. Paris wiederum steht für die Mode. Mit Molli haben wir jetzt versucht, beide Welten miteinander zu vermengen.

Für die Babylinie habe ich allerdings die existierenden ikonischen Modelle der Schweizer Marke beibehalten. Unsere treuen Kunden erkennen diese in unseren Geschäften, haben noch ihre eigenen, auch nach Jahren unveränderten Molli Strampler und Kleider zu Hause.

Das Material (Pure Virgin Wool) kommt nach wie vor in der gleichen hochwertigen italienischen Qualität daher. Auch mit einigen der familiengeführten Ateliers, mit denen Molli seit Jahrzehnten kooperiert, arbeiten wir heute noch zusammen.

Feinste Luxusqualitäten werden bei Molli Paris im Sinne des Zeitgeschmacks gestaltet

Charlotte de Fayet: „Bei Molli geht es nicht wirklich um Kollektionen.“

Gerade wurde die neue Herbst-Winter-Kollektion 2017 lanciert. Was ist das Thema?

Bei Molli geht es nicht wirklich um Kollektionen. Die Marke baut vielmehr auf einem Grundgerüst beständiger Styles auf, die alle halbe Jahre durch verschiedene Strickmuster oder Farben neu interpretiert werden. Unsere Kunden lieben diese Styles. Sie wissen, wie die Schnitte ihre Körper umschmeicheln und freuen sich, wenn diese in neuen Stichen, Farben oder Volumen aufgehen. Dafür kommen sie immer wieder in unsere Läden. Für die Herbst-Winter-Kollektion halten wir uns für die Silhouetten dieses Mal an Ballonärmel und hochgeschnittene Röcke.

„Schon als Kind war Mode meine Leidenschaft.“ – Charlotte de Fayet

Sie sind keine gelernte Modedesignerin, sondern kommen ursprünglich aus dem Marketing. Haben Sie ein Designteam, das Ihnen unter die Arme greift?

Na sicher! Ich habe einen talentierten, auf Strick spezialisierten Stilisten, der mit mir arbeitet — eine Perle, die man selten findet. Und einen erfahrenen Modellisten, der zu allen technischen Schnittproblemen immer sofort eine passende Lösung findet.

Abgesehen davon war Mode bereits als Kind meine Leidenschaft. Damals habe ich Modenschauen geguckt in einer Show, die „Paris mit Vivane Blassel“ hieß. Außerdem lese ich immer schon Modemagazine, dank meiner Mutter, die ein Pressebüro hatte.

Das Produkt im Sortiment, das die Idee von Molli Paris am besten verkörpert?

Ein feines Rollkragentop in einem nahtlosen Stich aus extra feiner reiner Wolle. Made in Italy. Den sollte jeder im Schrank haben — in verschiedenen Farben!

Wer ist denn die klassische Molli-Kundin?

Jene arbeitende Frau zwischen 30 und 50, die ihre Garderobe mit Bedacht zusammenstellt. Sie sucht nach überragender Qualität, ist gleichzeitig aber auch modisch interessiert. Ihr Stil ist elegant, cool und bequem.

Mit Molli Paris hat die Pariserin Charlotte de Fayet eine Schweizer Traditionsmarke wachgeküsst

Als Sie Molli übernommen haben, stand die Marke kurz vor dem Bankrott…

Damals stellte ich fest, dass die Kollektionen schon seit einer Weile immer gleich ausgesehen hatten. Ich denke, problematisch war auch, dass das Segment der Kinderbekleidung ab acht Jahren gewachsen war. Die Menschen geben lieber Geld für Luxusmaterialien für Säuglinge und Babys aus als für heranwachsende Kinder. Wenn diese viele unterschiedliche Klamotten brauchen, weil sie sich ständig schmutzig machen, ändert sich logischerweise das Shopping-Budget. Als ich die Marke gerelauncht habe, konzentrierten wir uns in dem Bereich lieber auf die Neugeborenen (0-12 Monate) als auf die Kinder.

Charlotte de Fayet: „Einen feinen Rollkragenpullover sollte jeder im Schrank haben — in verschiedenen Farben!“

Momentan haben Sie zwei Boutiquen in Paris. Ist eine Expansion geplant?

Aktuell verkaufen wir in 25 Multibrand-Stores weltweit, hatten bis Mai einen Pop-up Store in Paris und werden zum Weihnachtsgeschäft einen weiteren im Le Bon Marché Rive Gauche eröffnen. Natürlich würden wir gerne eine weitere Boutique in Paris eröffnen und uns weiter auf unseren Onlineshop konzentrieren, der tatsächlich sehr gut läuft. 

Molli Paris kann man derzeit in Deutschland fast nur über Ihren Online-Shop kaufen. Sind Sie auch mit stationären Stores im Gespräch?

Deutschland ist ein ziemlich guter Markt für unseren Onlineshop, weswegen wir momentan lieber diesen weiterentwickeln. Dennoch werden wir auch in ein paar Multibrand-Stores verkauft. Bei Lodenfrey zum Beispiel. Die stationäre Präsenz von Molli Paris ist hingegen in den USA oder auf dem asiatischen Markt deutlich größer.

Molli ist eine Ableitung des deutschen Wortes „mollig“. Welche Assoziationen weckt der Name eigentlich bei Franzosen?

Die assoziieren das mit dem französischen Wort „moelleux“, was so viel wie „weich“ bedeutet — insofern passt auch das.

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