Yasin Müjdeci ist permanent auf Zeitgeist. Spätestens alle paar Jahre braucht er eine Dosis Veränderung, dann muss eine neue Aufgabe her. Vor über einer Dekade kam er gemeinsam mit seinem Bruder Kaan von Ankara nach Berlin. Der richtige Tapetenwechsel für die türkischen Expats, denen in der Heimat die Decke auf den Kopf zu fallen drohte. Während der ältere Bruder Filmwissenschaften studierte – ein erster langer Film Sivas handelt von anatomischen Kampfhunden – schrieb sich Yasin für Politikwissenschaften ein. Warum nicht auch eine Bar aufmachen? Ihren ersten Anlauf fuhren die beiden innerhalb von zwei Jahren erfolgreich gegen die Wand, das Luzia in der Oranienstraße wiederum ist bis heute ein Hit. Und vielleicht weil Yasin immer auf der Suche nach etwas Neuem ist, steht ihm auch ein Leben in der Mode ganz gut.

2010 eröffnete er gemeinsam mit Kaan ein paar Häuser weiter unten auf der “O-Straße” den Voo Store, für die Müjdecis “der Knotenpunkt eines Netzwerks, an dem viele kreative Köpfe aufeinandertreffen”. Im Voo kann man nicht nur Kleider hipper Designer und hübsch gestaltete Gadgets kaufen, sondern auch in Fanzines blättern oder im angeschlossenen Café einkehren. Bald eröffnen sie dort gegenüber ihren dritten Laden, in dem sich alles um Sneaker drehen wird. Wer immer on the run ist, legt übrigens auch beim Kochen einen Turbogang ein. Für Achtung Mode zauberte Yasin Müjdeci deshalb praktisch im Vorbeigehen ein köstliches Yoğurtlu Kızartma.

Yasin Müjdeci
Seit 2003 lebt Yasin Müjdeci schon in Berlin, Kreuzberg. Kreuzberg ist auch die Heimat seines Conceptladens, dem Voo Store, den er gemeinsam mit seinem Bruder Kaan betreibt

“Ich bin kein Vegetarier, ich schaffe es nicht. Beim Geruch von Fleisch werde ich einfach verrückt! Lamm ist mir am liebsten, trotzdem muss es nicht immer Tier sein. Yoğurtlu Kızartma ist mein Leibgericht: frittiertes Gemüse mit Joghurt. Warum es klassischerweise zum Frühstück gegessen wird, erschließt sich mir nicht. Als leicht kann man die Speise nämlich nicht gerade bezeichnen – wie so vieles in der türkischen Küche. Nach dem Essen wird gelitten! Für den köstlichen Geschmack nimmt man es aber in Kauf. Das beste danach? Ein Nickerchen. Oder ein edler Raki. Wie alle Anisbrände färbt er sich weiß, wenn er mit Wasser in Berührung kommt. In der Türkei nennen wir das Löwenmilch. 

Kızartma wird kalt serviert und gerade in Kombination erfrischt es ungemein. Deswegen ist es ein tolles Sommeressen, das im Winter aber nicht weniger häufig zubereitet wird. Meine Mutter hat es früher oft gemacht. Sie hatte in der Küche das Sagen, Papa durfte helfen. Mein Bruder und ich sind in Ankara groß geworden, seit 2003 leben wir in Berlin. Als Türke in Kreuzberg zu wohnen, ist eigentlich blöd. Ich habe hier wenig mit Türken zu tun. Meine Eltern leben noch in der Türkei, sind aber mittlerweile aufs Land gezogen. Wenn ich sie dort besuche, hoffe ich immer, dass es Manti gibt, unsere Antwort auf Ravioli. Meine Mutter macht sie selber, das dauert aber ewig! Mir fehlt leider oft die Zeit zum Kochen, obwohl ich es eigentlich gut kann. Das ist das Schöne an Yoğurtlu Kızartma: ruck, zuck ist es fertig. Und wenn ich mal gar keine Sekunde übrig habe? Dann kaufe ich es einfach im Feinkostladen.”

Yoğurtlu Kızartma (für 4 Personen)

  • eine Zucchini
  • eine Aubergine
  • 2 Paprika (eine gelbe und eine rote)
  • 2 Zitronen
  • 2 Knoblauchzehen
  • ein TL Salz
  • 500g türkischer Joghurt
  • ein großes Fladenbrot
  • jede Menge Olivenöl

Zubereitung:

Die Knoblauchzehen pressen und gemeinsam mit dem Salz unter den Joghurt heben, so kann das ganze schon mal durchziehen. Danach das Gemüse klein schneiden und mit reichlich Olivenöl in der Pfanne anbraten – oder besser gleich frittieren. Hauptsache, es wird so zart, dass es später auf der Zunge zergeht. Nach dem Braten abkühlen lassen. Das kalt frittierte Gemüse mit dem Joghurt vermengen und servieren. Wer will, kann einen Spritzer Zitrone darüber geben. Dazu wird Fladenbrot gereicht. Wer mag, stellt außerdem frische Tomaten, gefüllte Weinblätter, Oliven und türkischen Ziegenkäse auf den Tisch.

Erstmals erschienen in Achtung Mode Ausgabe 32, September 2016.