Versace, McCartney, Lanvin, Rykiel, Marni und ach ja, Tom Ford, war auch fast (wenn auch nur gerüchteweise) mal dabei. Wenn H&M seine jährliche Designer-Kooperation ausruft, scheint fast niemand mehr dem wohl größten Marketingcoup der Mode abgeneigt. Doch was 2004 mit Karl Lagerfeld als durchaus ehrenwerte „Idee des Gleichheitsgedankens in der Mode“ begann, scheint sich nach acht Jahren zur einzigen modischen Daseinsberechtigung des schwedischen Textilkonzerns entwickelt zu haben. Und wer je an einem Samstagnachmittag eine bundesdeutsche Fußgängerzone betreten hat, weiß auch warum: H&M ist einfach nicht mehr cool genug. Längst hat der spanische Mode-Riese Inditex mit seinem Zugpferd Zara die Schweden in Europa überholt. Die kopieren zwar noch dreister und schneller, aber, es sieht zumindest sexy aus.
Was man bei H&M also nicht mehr aus eigenen Stücken schafft, versucht man sich durch eine beispielhafte PR-Maschinerie um das Spiel mit den „big names“ des Mode-Establishments an Fame dazu zu kaufen. Denn wer der nächste Kooperationspartner sein wird, steht mittlerweile von der Süddeutschen Zeitung bis hin zu Mandys Mode-Blog in jedem Medium. Das Prinzip ist immer das Gleiche: Kaum hat man beim schwedischen Modekette H&M die eine Designer-Kooperation hinter sich gebracht, wird nachgeschossen. Fahion-Blogs füllen sich im null Komma-Nichts mit Gerüchten, welcher Designer denn nun als Nächster gehandelt wird. Zeitschriften, Fernsehsender stellen am Tag des Geschehens Reporter in die Schlange, um live vor Ort zu berichten, als würde es sich hierbei nicht um einen Ausverkauf sondern um irgendein Kriegsgeschehen handeln. Und die Kunden? Die, campen schon Stunden vorher vor verschlossener Ladentür um sich dann in 15 Minuten catchend am Kleiderständer um die heiße Ware zu schlagen. Es gilt: In ist, wer drin ist!
Am 4. Oktober war das, wer ein Stück der neusten Schmuck- und Accessoires-Kooperation mit Anna dello Russo, offiziell Stil-Beraterin der japanischen Vogue, ergattern konnte. Die Kollektion, vorab perfekt inszeniert in Kampagnen, in denen übrigens nicht nur die goldenen Armreifen, sondern auch die 49-Jährige selbst auf Hochglanz poliert war. Knapp einen Monat später folgt nun Maison Martin Margiela, die am 15. November, wenn man so will, das modische Vollprogramm liefern. Dello Russo, die sich gefühlte achtzehn Mal am Tag umzieht und durchaus als Mega-Street-Style-Star gelten kann, schien eine logische Konsequenz, reproduziert sie sich doch schon seit Jahren bestens auf allen Modeblogs dieser Welt. Bei Margiela hingegen mag so mancher erst einmal schlucken. Margiela, dessen Mode wie kaum eine andere von Konzeptkunst und radikaler Rebellion gegen die Zwänge der Modebranche geprägt war? Das Haus des Designers, dem jede Form der Selbstinszenierung fremd war, von dem es bis heute kein einzig druckbares Foto gibt? Doch seit Martin Margiela 2009 als Oberhaupt ausschied und die Diesel Gruppe die Leitung übernommen hat, setzt man im Hause Margiela schon lange eher auf den Ausbau des einstigen Lieblingslabels der globalen Intelligenzija. Vielleicht also durchaus ein konsequenter Schritt, denn seit Margielas Abschied erscheinen die Kollektionen aus seinem Haus meist ohnehin wie eine Kopie der Ideen des Meisters. Ob man sich also nun selbst kopiert oder gewinnbringend mit H&M – auch egal.