Als Rena Lange schrieb Renate Günthert deutsche Modegeschichte. Der Tod der 75-Jährigen kam überraschend. Was bleibt ist ihr modisches Bild der modernen Frau, die sie stets dezent elegant gekleidet sah.
„Ich möchte so gern von Berlin aus in den Spreewald rudern. Ich möchte nach Danzig, Königsberg und Sanssouci – das Objekt meiner Begierde heißt Preußen“, diktierte Renate Günthert der deutschen Zeit 2002 in den Block und offenbarte damit mehr noch als ihre uneitlen Entwürfe, was sie zeitlebens war: ein preußisches Mädel im bayrischen Exil. Beeindruckende 1,80 Meter, Modeltyp auf endlosen Beinen, gertenschlank und mit wippenden Haaren über dem Gesicht. Ihr Körper stets im Einsatz, mit Händen, Zigarette, in temperamentvoller Eile und Fröhlichkeit. „Alles oder nichts – das hat mein Leben geprägt“, hatte sie in einem Interview einmal gesagt. Renate Günthert hatte sich für alles entschieden in preußischer Mentalität: fleißig und nie länger als eine Woche weg.
1953 hatte ihr Mann, Peter Lange, begonnen das Dessousgeschäft der Familie zu einem Modehaus auszubauen. Zehn Jahre später heiratete er die Direktrice Renate, die 1935 in Berlin geboren mit zehn Jahren alles verliert: Vater, großbürgerliches Haus und ostpreußische Gouvernante. Endstation Starnberg, dorthin flieht die geschmähte Familie. Der Tochter bleibt statt erträumtem Kunststudium nur noch die Lehre im Modekonfektionsbetrieb. Doch beide, Peter und Renate, nach dem Krieg auf sich selbst gestellt, bauen das kleine Wäsche- und Miederkollektion zu einem internationalen Unternehmen aus. Mit Liebe zur Mode, stets bemüht Alternativen statt Revolution in der täglichen Garderobe einer Frau zu platzieren.
Verlässlich sollten ihre Modelle sein. Reinschlüpfen und los – egal ob zum Käsekauf bei Käfers oder Cocktail bei Schumann’s. Sie selbst trug ausschließlich Rena Lange, orientierte sich beim Entwurf neuer Modelle an dem, was ihre Freundinnen mochten. „Mode aus dem Bauch heraus“, nannte sie das. Mode, die es jeder Frau leicht machte, den Alltag zu bewältigen und dabei noch elegant aus zu sehen. Stets gab es die geraden, schlanken Kaschmirjacken, immer eine Uniformjacke, ein langes Strickkleid, einen Hosenanzug, das kleine Schwarze.
„Feminine Mode, die nicht zu süß ist – mit kleinen liebenswürdigen Details, bei denen Dir nicht die Brille runter fällt, wenn Du eine Frau von weitem darin siehst“, so beschrieb Renate Günthert selbst ihren Stil. Modern ja, albern nie. Mode für Frauen, die nicht nur Gesicht und Körper haben. Die große Revolution der Tragbarkeit, hatte sie längst vollzogen, weit vor den nun so heiß gehandelten Namen Phoebe Philo und Stella McCartney.
Beruhigt haben mag es die Gründerin, die 2001 mit ihrem Mann aus dem Unternehmen ausschied, dass ihr Sohn Daniel ihr modisches Credo weiterführt. Er und sein Team zeigten in Berlin: femininen Chic mit Seidenblusen und Schleifenkragen, schwarz-weiße Looks mit Midi-Röcken, simple Eleganz. Manch einer schrieb gar, Rena Lange könnte das deutsche Chanel werden. Renate Günthert hätte auch das getragen – mit Fassung.