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July 11

    Der Mode Popeye

    From: Alfons Kaiser

    1. Giles Deacon by Thomas Lohr

    2. Giles Deacon ist im Moment in aller Munde, denn der Londoner Designer, eine Mischung aus Marinesoldat und Riesenbaby, lässt Frauen aussehen wie lässige Göttinnen. Mit seiner eigenen Linie Giles feiert er große Erfolge und vor kurzem nun hat ihn das alteingesessenen Pariser Haute Couture Haus Emanuel Ungaro zum Design-Chef gemacht. Seine beste Freundin und Stylistin heißt Katie Grand, die einflussreiche Chefredakteurin von Love. Sein besonderes Talent ist Pop und Comic Kultur mit sexy Schnitten zu verbinden. Nun hat er auch den Look des Werbemotivs der Mercedes Benz Fashion Week entworfen und die deutsche Hauptstadt kurz besucht. Alfons Kaiser sprach mit ihm, um herauszufinden was sein “Spinat“ ist.

      Achtung: Hi, Giles. Was ist denn das für ein T-Shirt?

      Giles Deacon: Das ist von Uniqlo. Ich hab´s mir im New Yorker Laden gekauft.

      Achtung: Modemacher kleiden sich gern understated. Aber sind nicht all diese Billigmodeketten von H&M über Topshop bis Uniqlo eine Gefahr fürs richtige Design?

      Giles Deacon: Ich glaube fest an die Demokratisierung des Designs durch solche Ketten. Gutes Design macht das Leben schöner, und wenn viele Leute daran teilhaben – umso besser. So sollte sich eine zivilisierte moderne Gesellschaft doch auch entwickeln, oder?

      Achtung: Vor einem Jahr bist du bei Emanuel Ungaro in Paris als Chefdesigner angetreten. Viele haben das als eine Art Befreiung angesehen, jedenfalls als einen riesigen Schritt für das französische Modehaus.

      Giles Deacon: Ja, ich habe davon gehört, dass die vorherigen fünf Jahre dort interessant waren. Aber das ist ja jetzt Geschichte. Für mich ist es nun wichtig, dort relevante Kollektionen zu machen.

      Achtung: Wie wird man denn mit dem Image eines solchen Modehauses fertig? Ungaro – da denkt jeder an die siebziger oder achtziger Jahre, an viele Farben und eine verstaubte Marke.

      Giles Deacon: Es ist hochinteressant, auf diese Geschichte zu reagieren. Es gibt da eben die grundlegenden Codes, wenn ich mal dieses neumodische Wort verwenden darf, dass Ungaro sehr feminin ist, schöne Details brachte, gut mit Spitze und eben mit den starken Farben gearbeitet hat. Ich muss mich nur ein bisschen lösen von allzu erkennbaren Stücken. Ich muss mich also gewissermaßen in ein Ungaro-Gefühl begeben, in dem ich dann meine Sachen entwerfe – die dann hoffentlich modern und relevant und auch verkäuflich sind.

      Achtung: Hast Du eigentlich jemals eine Reaktion von Emanuel Ungaro auf Deine Kollektionen bekommen?

      Giles Deacon: Nein. Ich habe ihn auch noch nie getroffen.

      Achtung: Du lebst weiter in London, wo Du seit acht Jahren Deine eigene Marke betreibst. Ist es nicht anstrengend, zwischen Giles und Ungaro, zwischen London und Paris zu pendeln?

      Giles Deacon: Nein, ich habe zwei sehr gut organisierte Teams. Wir legen genaue Ablaufpläne an und arbeiten immer etwa 12 bis 14 Monate im Voraus. Jeder bekommt bei uns ganz klare Deadlines. Wenn ich also in Paris oder London ins Atelier komme, verschwenden wir keine Zeit damit, erstmal große Konferenzen abzuhalten. Wenn ich da bin, fange ich auch sofort an. Jeder weiß, was von ihm erwartet wird. Obwohl die Arbeit immer mehr wird, schaffen wir das auf diese Weise ganz gut. Es ist paradox: Viele Probleme löst man einfacher, wenn man viel und schnell arbeiten muss. Und außerdem bin ich eben sehr glücklich, für so eine spannende und ikonische Marke arbeiten zu dürfen.

      Achtung: Wie muss man sich das vorstellen: Du fährst jede zweite Woche nach Paris?

      Giles Deacon: Das hängt ganz vom aktuellen Arbeitsaufkommen ab.

      Achtung: Oder kommen die Leute aus dem Pariser Team nach London?

      Giles Deacon: Ja, auch das kommt vor. Jedenfalls ist das keine große Sache, weil ich ja schnell mit dem Zug da bin.

      Achtung: Du liebst es also, viel zu arbeiten?

      Giles Deacon: Sagen wir mal so: Wenn es tolle Möglichkeiten gibt, dann lasse ich sie nicht gerne sausen.

      Achtung: Mit Deiner eigenen Marke könntest Du jetzt sogar noch viel experimenteller arbeiten. Denn nun bekommst Du so viel Geld aus Paris, dass Giles gar nicht mehr profitabel sein muss.

      Giles Deacon: Na, so direkt würde ich das ja jetzt nicht sagen. Nein, bei meiner Marke laufen die Geschäfte phänomenal gut, und das soll auch so bleiben.

      Achtung: Du bist in Berlin, um das von Terry Richardson fotografierte Kampagnenmotiv für die „Mercedes-Benz Fashion Week“ vorzustellen. Die wichtigsten Errungenschaften der Berliner durftest Du schon kennenlernen: Du wurdest sogar schon beim Currywurst-Essen gesehen.

      Giles Deacon: Diese Currywurst scheint ja eine enorme Bedeutung zu haben hier, alle sprechen mich darauf an. Dabei ist diese deutsche Obsession mit Currywurst eigentlich kulturell nicht so relevant, oder?

      Achtung: Klar. Aber hat sie denn wenigstens geschmeckt?

      Giles Deacon: Ich hatte schon früher mal welche gegessen. Aber eigentlich mag ich sie nicht.

      Achtung: Ist sie Dir zu würzig?

      Giles Deacon: Nein, ich mag Curry eigentlich. Wenn es eine schöne indische Curry-Sauce wäre, dann fände ich es gut. Aber so – das ist einfach nicht mein Ding.