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Damir Doma auf dem Dach des E-WerkEin beeindruckendes Schaustück war die Berliner Mode auf der Fashion Week auch im Juli 2010 leider nicht. Kein frischer Wind und längst kein reinigender Sturm. Stattdessen gastierte auch dieses Mal der bekannte Zirkus der Eitelkeiten im Fashion Dreieck Tempelhof-Gleisdreieck-Bebelplatz. Denn die ersten Reihen im Zelt wurden abermals besetzt von Castingshow Ausscheiderinnen, angehenden Schauspielerinnen sowie ehemaligen Moderatorinnen - und weniger vom Fachpublikum (den Achtung Chefredakteuren Godfrey Deeny und Markus Ebner wurde der Eintritt zur Show von Kilian Kerner durchaus vehement verwehrt). Fazit: Alle ziemlich ungestüm im Verhalten und in der Oberbekleidung. Und damit das Kontrastprogramm zu Silent, der neuen Linie von Damir Doma. Mit der ersten Kollektion für Frühling/Sommer 2011 begibt sich der in Paris lebende Designer mit reinen Materialien und puristischen Schnitten, die in Grau, Schwarz, Weiß und Gold-Gelb manches Schnittmuster aus der Main Line aufnehmen, erstmals in ein niedrigeres Preissegment, mit höheren Zielen. Silent wurde zu diesem Zweck auf der Dachterrasse des Berliner E-Werks präsentiert. In rein filmischer Form mit "Ghosts in Architecture" und 200 geladenen Gästen. Dabei war ausreichend Zeit für ein Gespräch mit Damir über Silent, die Berliner Modewoche und seine Zukunftspläne.
Ich war ein wenig verwundert, dass du an der Berliner Fashion Week teilnimmst. Wie kam es dazu?
Es ist eigentlich nur eine Party und ich präsentiere hier ein Video, das ich gemeinsam mit Malcolm Pate realisiert habe - einem Moviemaker aus London, mit dem ich schon länger etwas machen wollte. DJ Hell hat den Soundtrack dazu gemacht. Hier geht es vor allem um Silent und nicht um Damir Doma und wir wollen nicht etwas vorgeben, dass Silent nicht ist. Das ist ja das Problem bei der Berliner Fashion Week, dass Leute ohne Aussage und Vision versuchen, Designer zu sein.
Und deshalb das Video?
Ja. Für mich dient eine Fashion Show dazu, eine Vision zu zeigen. Etwas, das in der Zukunft stattfindet. Und bei Silent geht es einfach darum, Teile zu machen, die ich sofort anziehen will. Mit Damir Doma habe ich einen anderen Anspruch.
Passt Silent also deiner Meinung nach besser nach Berlin und Damir Doma nach Paris?
Ich wurde schon oft angefragt, hier eine Show mit Damir Doma zu machen. Aber das würde nicht funktionieren. Paris ist einfach perfekt. Dort sind Eleganz und Schönheit wichtig. Darum dreht es sich in Berlin leider nicht, auch wenn es das gerne so hätte. In Berlin geht es immer noch mehr - trotz der Shows - um die Bread&Butter und die Premium.
Findest du denn andere deutschen Designer gut? Und schaust du dir ihre Schauen an, während du hier bist?
Nein, das mache ich gar nicht. Ich habe mit Dirk Schönberger zusammengearbeitet und schätze ihn noch immer als Persönlichkeit sehr. Er ist ein intelligenter und intellektueller Designer, der sich etwas dabei denkt bei dem, was er macht.
Wie verbringst du sonst deine Tage hier in Berlin?
Ich bin einen Tag vor der Veranstaltung angereist und hatte ein Gespräch mit Mykita. Und ich habe mich natürlich auch gefreut, hier die beiden letzten Deutschland-Spiele der WM anzuschauen.
Kommst du auch einfach mal hierher, wenn du keine Termine hast?
Nein, die letzten zehn Male hatten tatsächlich immer einen geschäftlichen Hintergrund. Dadurch, dass meine Familie am Chiemsee wohnt und meine Mutter dort mit ihrer Firma an allen meinen Schnitten beteiligt ist, fliege ich schon einmal im Monat nach Deutschland. Aber dann immer nach München. Ich habe ja 2003 ein Jahr in Berlin gewohnt. Aber ich habe andere Inspirationsquellen und die finde ich persönlich eher in Paris.
Du würdest hier also auch keinen eigenen Shop aufmachen?
Nein. Für uns ist Deutschland so schon schwer genug. Unsere Kunden sind auch wirklich gute Läden mit starken Einkäufern, aber das dauert in Deutschland einfach. Hier gibt es keinen progressiven Markt. Sogar die Österreicher sind da schneller - in Wien. Oder die Schweiz in Zürich.
In welchen Läden verkaufst du denn in Berlin?
Darklands und Ulf Haines. Es gibt aber bereits weitere Anfragen.
Wo siehst du dich eigentlich in drei Jahren?
Man muss beständig wachsen und darf nicht isoliert die Männerkollektion betrachten, die weltweit sehr erfolgreich ist. Die Frauenkollektion ist ebenfalls sehr gut gestartet. Auch Silent kommt bereits gut an, weil es eine geringere Kaufhürde hat aufgrund des niedrigeren Preisniveaus.Aber man muss das alles im Gesamtbild betrachten. Ich will mir deshalb eine Basis schaffen, auf der ich langfristig arbeiten kann.
Du würdest also nicht zu einem der großen Modehäuser wechseln?
In der Phase, in der wir uns jetzt befinden, nicht. Wir haben selbst so viele Sachen im Aufbau, sodass es nicht funktionieren wird, wenn ich jetzt etwas anderes machen würde. Aber auf lange Sicht sage ich nicht, dass das nicht einmal möglich sein könnte. Und es gab auch bereits Anfragen. Ich würde auch nur für die Top 3 oder 4 arbeiten. Doch ich bin noch sehr jung und habe Zeit.
Interessant ist auch die Zusammenarbeit mit deinem Investor Paper Rain bzw. mit Stephan Wembach, der vorher nicht in der Mode tätig war, sondern in Silikon Valley, und den du aus Süddeutschland kennst?
Paper Rain gibt es ja erst, seitdem es meine Kollektion gibt. Ich hatte damals, nachdem ich für Raf und Dirk gearbeitet habe, meine erste kleine Kollektion gemacht und ich wusste einfach schon immer, dass ich etwas Eigenes machen will. Und wollte das zuerst selbst finanzieren. Mir ist aber noch kürzester Zeit aufgefallen, dass ich einfach einen Partner brauche. Und dann habe ich gesucht - und gefunden.
Und das ist nach wie vor gut so?
Ich bin sehr zufrieden damit. Denn es handelt sich dabei schließlich um keinen passiven Investor, sondern es sind meine Partner, die auch mit mir im Alltag arbeiten. Jeder mit seinen eigenen Zuständigkeiten und der kreative Part liegt ganz bei mir.
Damir Domas Silent Debüt in Berlin
From: Julia Stelzner

