Dimitri Arvanitis haben wir bei Achtung Mode bereits auf dem Radar, seitdem der deutsche Designer mit den griechischen Wurzeln seine Master-Kollektion von der renommierten Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen zeigte. Damals steckte er feingliedrige Jünglinge in Kleider, prächtig prunkvolle Stoffe und verwegenes Leder. Kurz: Er präsentierte den Mann modisch von einer erotischen Seite. Mit Hilfe von stoffgewordenen Kodierungen, die bis dato der Frauenwelt vorbehalten waren — das galt lange Zeit als Tabu. 2013, als Transgender-Models und der „feminine“ Mann gerade erst die Modeszene erreichten, war Arvanitis damit ein echter Vorreiter.

Dimitri Arvanitis

Vier Jahre später ist seine Mode in Sachen fließende Geschlechtergrenzen etwas gemäßigter — aber kein bisschen weniger am Puls der Zeit. Grund genug, das junge Talent endlich einmal vorzustellen. Subkultur und Streetwear sind die Schlagworte seiner aktuellen Herbst-Winterkollektion 2017, die von der in Paris lebenden Berliner Fotografin Kira Bunse hervorragend inszeniert wurde. Bunse hat auch für Achtung Mode schon häufiger den Zeitgeist auf Fotografien eingeweckt. Insofern passt das mit den beiden hervorragend. Dank Model Nicolas Boeuf von Bananas Models und das Styling von Gary David Moore wird vollends eine runde Sache aus dem Lookbook-Shoot. Für Arvanitis ist eine Kollektion ohnehin erst komplettiert, wenn ein kreatives Kollektiv zum letzten Schliff angesetzt hat.

Für seine Kollektionen lässt sich Dimitri Arvanitis stark von seiner Umgebung beeinflussen. So dreht sich in der aktuellen Saison alles um einen kürzlichen Trip in sein Heimatland Griechenland und ist gleichzeitig eine Auseinandersetzung der beiden Kulturen, in denen er aufwuchs — und ihrem heutigen Verhältnis zueinander. Entstanden ist eine Kollektion bestehend aus sieben Looks, bis oben hin gespickt mit visuellen Referenzen zwischen Berlin der frühen Nullerjahre und dem heutigen Athen während der Finanzkrise.

Dimitri Arvanitis

Zunächst kam ihm die Idee kam, einen Koffer mit sieben verschiedenen Outfits zu packen. Einen für jeden Tag. Das klassische Konzept des Zweiteilers erfährt bei ihm selbstredend ein Upgrade. Zipper-Pullover, lockere Jeans und Kastenjacken erinnern formal an den Ludenchick der 2000er. Glänzende Metallic-Stoffe, prolliges Airbrush-Denim und technisch ausgeklügelte architektonische Kastenjacken eher vom momentanen Berghain-Styler. Sogar der Berliner Bär hat es in die Kollektion geschafft. Viele der Materialien, mit denen Arvantis gearbeitet hat, sind übrigens Stoffreste. Der Jungdesigner macht nämlich keinen Hehl daraus, dass die Kollektion unter Berücksichtigung seines schmalen Geldbeutels entstanden ist. Ganz wunderbar greift hier des Berliners liebstes Motto: Arm. Aber sexy.

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