Gerade erst zwei Kollektionen gibt es von der Mainzerin Marta Jakubowski und schon zählt sie zu einer Hauptakteurin der jungen Londoner Designszene. Achtung Digital traf die Nachwuchsdesignerin, die für ihre schwarz-rot-weißen Entwürfe bekannt wurde, in ihrem Atelier im Londoner Osten um mit ihr über Inspirationen, die Londoner Modeindustrie und die Wichtigkeit von Auslandserfahrungen zu sprechen.

London ist für junge Designer ein hartes Pflaster. Es sind so viele unfassbar kreative Menschen hier, die alle Mode kreieren wollen, das gab es in der Menge vorher noch nie. London ist unheimlich teuer und es ist anstrengend, sich hier über Wasser zu halten – und zudem noch eigenes Unternehmen zu führen. Keine andere Stadt empfinde ich für Nachwuchs wie mich jedoch gleichzeitig als so hilfsbereit: Hier gibt es Organisationen wie den British Fashion Council, NEWGEN und CFE, die nicht nur finanzielle, sondern auch fachspezifische Unterstützung bieten. Die Londoner Modeindustrie glaubt an neue Ideen und hilft dabei, diese auch zu pushen.

Deutsche Designer in London: Marta Jakubowski
Designerin Marta Jakubowski in ihrem Londoner Atelier

Mode spielte in meinem Leben übrigens immer schon eine Rolle, genauso wie Kunst. Also wollte ich das auch studieren – mein Modediplom habe ich erst mal an der Fachhochschule Trier gemacht. Für mein Auslandssemester war klar: Das mache ich unbedingt in London. Central Saint Martins war keine unserer Partnerschulen, also musste ich mir den Aufenthalt selbst organisieren, inklusive finanzieller Mittel. Eine große Unterstützung war dabei der DAAD, welcher mir auch bei meinem späterem Master am Royal College of Art sehr geholfen hat.

Vor meinem Master habe ich Arbeitserfahrung in verschiedenen Ländern gesammelt, zum Beispiel bei Alexander Wang in New York, Bruno Pieters in Antwerpen und Hussein Chalayan in London. Es waren tolle Erfahrungen, die man an der Uni – und später als Angestellter – so nicht sammeln kann. Ich denke es ist wichtig, im Leben an so vielen Orten wie möglich zu leben und zu arbeiten – nicht nur in der Modeindustrie wird man von verschiedensten Eindrücken geprägt und lernt dabei praktischerweise gleich neue Kulturen kennen.

Gerade als Praktikant hat man die Möglichkeit, Einblicke in unterschiedliche Unternehmensbereiche zu bekommen. Ich hatte die Chance, an verschiedenen Stationen mit unterschiedlichen Ästhetiken zu arbeiten. Im Master selbst fokussiert man sich ja mehr auf sich selbst, seine Konzepte und die Entwicklung einer eigenen Design Signature. Man lernt, eine ganze Welt um seine Designs zu kreieren. Das hat mich sehr fasziniert und dazu ermutigt an meinen eigenen Kollektionen zu arbeiten.

Deutsche Designer in London: Marta Jakubowski
Marta Jakubowskis Looks treffen den Nerv der Zeit: oversized Komplett-look in weiss

Meine Kollektionen sind darum immer sehr persönlich, sie beschäftigen sich mit Fragen, die ich mir stelle und Gefühlen die ich mir nicht erklären kann. Manchmal finde ich eine Antwort, manchmal nicht. Es geht in meiner Arbeit auch oft darum, Erinnerungen wiederzuentdecken. Für das Frühjahr-Sommer 2016 hab ich viel über Frauen recherchiert, die für damalige Verständnisse kein „normales“ Leben, etwa als Hausfrau, fristen wollten; die gegen ihren Willen meist unter einem Vorwand in Institutionen wie Krankenhäuser, Psychiatrien und Gefängnissen festgehalten wurden. Die Kollektion heißt „Too much time“ – davon hatten die Frauen unfreiwillig genug.

Deutsche Designer in London: Marta Jakubowski
Oben weniger, dafür unten mehr: Schlaghose aus Stoff im Streifenmuster und Knieschlitzen

Meine Entwürfe, so wie zum Beispiel die geschneiderten Hosen, spielen deshalb oft mit dem Gefühl, gefesselt zu sein – auch Uniformen waren eine Inspiration. Außerdem wollte ich mit durch spitze Schnittführung und die Verwendung fliesender Stoffe die Bewegungen einer Frau, die einen Gang entlang wandelt, festhalten. Im Augenblick arbeite ich mit lediglich drei Farben: Schwarz, Rot und Weiß. Die gesamte Stimmung der Kollektion lässt sich in diesen drei Farben wiederfinden. Rot ist zum Beispiel sehr kräftig, dabei gleichzeitig sehr feminin. Ich finde, dass Frauen in Rot immer gut aussehen.

Deutsche Designer in London: Marta Jakubowski
Lässig und elegant: der rote Jumpsuit aus der Marta Jakubowski Frühling-Sommer 2016 Kollektion