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Schönberger vs. Distelmeyer
From: Eckhart Nickel

From: Eckhart Nickel
Seit der ersten ACHTUNG ist der Modeschöpfer Dirk Schönberger gern gesehener Gast auf unseren Seiten. Ob in Bild, Tat oder eben auch: Wort. Denn in ACHTUNG Nummer Eins gab Schönberger auch sein Debut als Musikkritiker. Gegenstand seiner Rezension war damals das neueste BLUMFELD-Album "Jenseits von Jedem". Nun, sechs Jahre und mehr als vierzehn Ausgaben später, ist Jochen Distelmeyers erstes Soloalbum "Heavy" erschienen. Grund genug für einen kurzen Anruf bei Dirk von IPhone zu IPhone, um die Lage der Nation im Spiegel der Musik zu diskutieren. Schönberger, heute Chefdesigner bei Joop und hoffentlich bald auch wieder mit seiner Marke vertreten, unterbrach sein Prototypen-Meeting in Offenbach am Main, um unsere Fragen in gewohnter Präzision zu beantworten.
ACHTUNG: Damals, bei „Jenseits von Jedem“, sprachst Du von Blumfelds Ankunft in der Wirklichkeit, einer wenigstens kurzfristigen Versöhnung mit dem Leben. Ist „Heavy“ eine Kampfansage an diese Einstellung und kehrt Distemeyer damit zurück zur Wut der frühen Tage?
Dirk Schönberger: Es ist mir auf jeden Fall sehr willkommen. Als ich zum ersten Mal das Video zu „Wohin mit dem Hass“ gesehen habe, dachte ich, das ist wieder mal das perfekte Statement zur richtigen Zeit. Eine absolut gelungene Fusion von musikalischer und visueller Aussage.
ACHTUNG: Was sagst Du zum Cover – wir sehen Distelmeyer hinter einer wahrscheinlich metaphorischen Kaugummiblase verschwinden, die auf der Rückseite über dem Gesicht zerplatzt. Ansonsten nur sein weisses Hemd.
Dirk Schönberger: Ich fand das erstmal irritierend, dass er da auf Bubblegum-Pop rekurriert, während das Album dann eher das genaue Gegenteil davon ist. Andererseits ist er ja nun auch Solo und dass er sich selbst dann ins Zentrum stellt, das geht in Ordnung.
ACHTUNG: Als ich neulich die CD im Mietwagen liegen gelassen hatte, meinte der Mann bei Hertz anerkennend: „Ah, Deutsch-Metal!“ Kann man das so stehen lassen?
Dirk Schönberger: Nein. Nur weil auf dem Album „Heavy“ draufsteht, ist damit noch lange nichts über die Musik gesagt. Es gibt da eher schon fast Prefab Sprout-Momente.
ACHTUNG: Lied Nummer 5.
Dirk Schönberger: Bleiben oder Gehen, genau. Was auch für mich gerade wieder ein wichtiges Statement ist, weil es persönlich perfekt passt. Das finde ich immer so toll an Distelmeyer, dass ich mich entweder in die Situation begebe, die er da beschreibt, oder ich bin eh schon drin. Das läuft jedes Mal schön parallel.
ACHTUNG: Da ist Distelmeyer ganz Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen, wie zusammen mit Blumfeld früher. Ist das Verhältnis in der Musik so ähnlich wie in der Modewelt Raf Simons und Raf Simons für Jil Sander?
Dirk Schönberger: Nö. Was ich gerade gut bei ihm finde, dass er mit jedem neuen Album auf dem letzten aufbaut. Und das Soloalbum, obwohl es auch die neueste Blumfeld sein könnte, ist fast noch stärker als alles zuvor. Er hat sich einfach weiter entwickelt, und ist jetzt viel, ja,...
ACHTUNG: ...reduzierter...
Dirk Schönberger: ...und konzentrierter. Ich habe mir neulich auf einer Reise noch mal „L‘etet et moi“ angehört und von da zum neuen Album ist es ein unglaublicher Schritt, zum Beispiel das Stakkato-Sampling ist komplett verschwunden. Und trotzdem hat man das Gefühl, –und das ist gar nicht negativ gemeint– er nimmt immer wieder das gleiche Album auf, und gibt den Liedern sozusagen ein update.
ACHTUNG: Hast Du aus dem Album ästhetische Impulse für deine Arbeit gewonnen?
Dirk Schönberger: Das ist schwer zu sagen. Da ist ja so viel dabei, von acapella bis zu fast schon „Queens of the Stone Age“-Rock ist alles abgedeckt. Ich glaube das ist dieses Mal für mich eine rein persönliche Geschichte. Obwohl: Das Video zu „Wohin mit dem Hass“ ist natürlich extrem stylish. Wie er da im weissen Anzug in der Tiefgarage steht mit dem Molotov-Cocktail. Und die Pogo tanzenden jüngeren Menschen, die jede Menge Spass zu haben scheinen.
ACHTUNG: Frage zum Abschluss: Wie hat Dir das weisse Hemd gefallen?
Dirk Schönberger: Auf dem Cover? Das finde ich super. Und es ist ja ganz fester Bestandteil seiner Bühnengarderobe - nun schon seit einer Weile.
ACHTUNG: Das weisse Hemd und der kanonische V-Neck-Sweater. Eine unschlagbare Kombination. Vielen Dank für das Gespräch.
PS Wer Dirk Schönberger auch mal live hören will, kann dies bei den ACHTUNG-Parties zur Berliner Modewoche im Cookies erleben, wo er regelmässig als Gast-DJ auflegt.
Dirk S. beim Jochen D. listening