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Lutz Huelle vor seiner Ausstellung im Laden von Andreas MurkudisWenn man Lutz Huelle zum ersten Mal trifft, kommt unmittelbar das vertraute Gefühl auf, als würde man ihn bereits bestens kennen. Nicht nur, weil Achtung das Wirken des gebürtigen Remscheiders seit Jahren begleitet, sondern gerade auch, weil er auf Twitter seinen Pariser Alltag genauso kommentiert wie die Aufenthalte in Berlin. Allein dieser Umstand lässt früh erahnen, dass es Lutz gut gefällt in der Hauptstadt. Zumindest immer mal wieder für ein paar Tage. Denn Lutz Huelle lebt und arbeitet inzwischen seit mehr als zehn Jahren in Paris. Sein Label, schlicht LUTZ und damit so unprätentiös wie Huelle selbst, ist bekannt für eine experimentelle und dennoch tragbare Herangehensweise. Eine, die sowohl Materialien als auch Schnitte in einen neuen Kontext setzt, und dabei Ungewohntes als logische Schlussfolgerung an den Tag legt. Die tragendsten Kollektionsteile, die seit der Labelgründung mit David Ballu im Jahr 2000 entstanden sind, stellte Lutz nun am 1. und 2. Mai im Laden von Andreas Murkudis aus. Was er generell über Menschen, Mode und Möglichkeiten in Berlin denkt, und warum er sich trotz seiner Liebe zur Stadt nicht vorstellen kann, Paris den Rücken zu kehren, verrät er uns in einem entspannten Interview:
Achtung: Lutz, du zeigst gerade bei Andreas Murkudis deine Kollektionen aus den vergangenen zehn Jahren. Wie kam es zu dieser Präsentation?
Lutz: Jubiläum ist irgendwie ein blödes Wort, aber wir sind ja jetzt zehn Jahre alt. Aus diesem Grund machen wir gerade mehrere kleine Aktionen mit Leuten, mit denen wir seit Jahren gut zusammenarbeiten und die immer zu uns gehalten haben. Einfach aus dem Grund, weil es nicht ganz so bekannt ist, dass wir schon so lange in diesem Klima bestehen. Dadurch, dass ich hier die letzten Tage präsent war, konnte ich eine Menge Menschen kennenlernen, die unsere Sachen kaufen. Es handelt sich ja hier um eine extrem treue Kundschaft, die so ziemlich jede Saison kauft. Und es war sehr schön, diese Personen beim Anprobieren zu erleben. Das sieht man ja eigentlich nie.
Achtung: Wie hast du sonst deine letzten Tage in Berlin verbracht? Du bist ja schon ein paar Tage hier...
Lutz: Ich war vor allem mit dem Aufbau der Kollektionen im Laden beschäftigt und habe mich deshalb auch die meiste Zeit hier aufgehalten. Abends waren wir auch nicht weiter weg, was auch nicht wild ist. Wenn ich früh aufstehen muss, um zu arbeiten, dann schaffe ich das inzwischen nicht mehr, am Abend zuvor auszugehen.
Achtung: Wenn du zielgerichtet in Berlin unterwegs bist, was sind dann deine typischen Anhaltspunkte?
Lutz: Ich besuche vor allem regelmäßig mit Freunden die Berliner Flohmärkte. Zum Essen gehen wir meist zu einem Thai am Hausvogteiplatz, Good Time. Besonders gerne esse ich aber auch bei yamyam in der Alten Schönhauser. Auf dem Weg dahin schaue ich mir immer die Schaufenster bei Claudia Skoda an. Und was das Weggehen betrifft, lasse ich mich meist von meinen Freunden hier treiben.
Achtung: Bist du selbst mit anderen Berliner Modeschaffenden bekannt? Wen magst du, wen schätzt du?
Lutz: Ich kenne natürlich Dirk Schönberger schon ewig, noch aus Köln. Dann kenne ich Regina Tiedeken und Friederike von Wedel-Parlow, die ich schon in der Schule das erste Mal getroffen habe. Aber es gibt ja so viele Leute, die hier was machen...
Achtung: Beobachtest du denn die Berliner Modeszene?
Lutz: Ja, auf alle Fälle! Und wir haben uns selbst schon so oft gedacht, dass wir hier etwas tun sollten. Aber ich habe das Gefühl, dass der Augenblick noch nicht gekommen ist.
Achtung: Was genau fehlt dir denn noch in Berlin?
Lutz: Zum Beispiel glaube ich, dass die Berliner Modewoche zu sehr auf eingesessene Giganten setzt und zu wenig auf das, was hier wirklich passiert.
Achtung: Aber generell besteht bei dir Interesse, an der Berliner Fashion Week teilzunehmen?
Lutz: Ich würde das machen, aber dann müsste es auch einen Sinn machen. Denn wir sind weder Joop noch ganz klein und alternativ. Und ich habe das Gefühl, dazwischen gibt es nichts. Das ist das Problem. Wir hatten wirklich mal ganz klar überlegt, hier etwas zu machen – damals als die Berliner Modewoche angefangen hat. Dann habe ich das Ganze beobachtet und mir war einfach nicht klar, wo wir hierbei zu platzieren wären. Es herrscht einfach ein Unterschied zwischen Designlabels und Modehäusern. Und ich weiß nicht, auf was man hier in Berlin einzahlt. Ich will und kann das auch nicht kritisieren. Allerdings sind wir verhältnismäßig klein und müssen unsere Ressourcen gut einteilen. Das muss die Sache dann eben auch wert sein. Im Augenblick ist die Zeit jedenfalls immer noch nicht reif, leider. Wir haben hier momentan einfach noch keinen Platz in dieser Organisation.
Achtung: Ansonsten bist du aber immer wieder gerne in Berlin?
Lutz: Deswegen tut es mir auch von ganzem Herzen weh, dass wir hier nichts unternehmen können. Denn ich fühle mich schon als Teil von dem Ganzen hier. Ich versuche auch, so oft wie möglich herzukommen. Im Augenblick würde ich mich auch in Berlin am wohlsten fühlen. In Paris bin ich auch gerne, aber ich wehre mich dort gegen wahnsinnig viel. In Paris ist alles sehr glamourös, aber auch alles das Gleiche. In Berlin dagegen folgt man keiner Strömung. Das ist schon immer toll gewesen.
Achtung: Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Wie gefällt dir der Berliner Kleidungsstil?
Lutz: Ich bin immer wieder hier gesessen und habe mir die vorbeilaufenden Menschen angeschaut, die alle so wahnsinnig individuell sind. Und dabei ist es ganz egal, ob etwas teuer ist oder nicht. Das ist ein großer Unterschied zu Paris. In Berlin ist nicht Luxus wichtig, sondern schöne oder interessante Dinge. Das war ja auch immer unser Ansatz. Wir sind ja nur teuer, weil die Sachen sehr gut verarbeitet und schön sind, aber nicht weil wir unbedingt teuer sein wollen. Berlin ist aber auch sehr inspirierend, weil es so offen und eine wilde Mischung ist.
Achtung: Ist die Berliner Frau denn in deinen Augen eine LUTZ-Trägerin?
Lutz: Was ich immer wieder sehe, ist eine bestimmte Art Frau, die unsere Sachen trägt. Und die ist wirklich schwer zu beschreiben. Diese Frauen fühlen sich einfach von unseren Kollektionen berührt. Ihr Alter kann dabei von 25 bis 50 Jahre gehen. Es ist keine Frage des Alters oder des Körpers, sondern immer eine Frage des Verständnisses. Und das kann es in Japan, London, Paris oder Berlin geben.
Achtung: Schaust du dir eigentlich regelmäßig deutsche Modemagazine an?
Lutz: Ja, die Achtung, weil ich weiß, dass da so gut wie immer etwas Interessantes drin ist. Den Rest schaue ich mir immer nur an, wenn ich in Deutschland bin, z.B. die Sleek. Die finde ich auch immer ganz gut. Aber schade, dass diese Art Magazine immer noch keine große Bedeutung außerhalb der Spezialliteratur haben.
LUTZ hat jetzt übrigens auch eine neue Website inklusive eines Blogs, das Neuigkeiten des Labels präsentiert.
Achtung ist bereits treuer Leser.
Lutz Huelle, der verhinderte Berliner
From: Julia Stelzner

