ACHTUNG ZEITGEIST
ACHTUNG Leidenschaft
- Das Foto

- Video
- Fotografen
ACHTUNG Archiv
- Aktuelle Ausgabe
- Bisherige Ausgaben
Herr Adrian Joffe by Gregor HohenbergEs gibt Mode und dann gibt es: Comme des Garçons. Ihren eigenen Regeln folgend erschafft Rei Kawakubo immer wieder ein perfektes Zusammenspiel von Chaos und Harmonie. Dass das so gut funktioniert, liegt vor allem an einem Mann: Adrian Joffe, Ehemann von Kawakubo und Chef-Lenker des Unternehmens. Achtung sprach mit ihm anlässlich der Eröffnung des Pocket- und Comme des Garçons Black Shops in Berlin.
Achtung: Mr. Joffe, dies ist nicht der erste Comme des Garçons Shop in Berlin. Ich erinnere mich noch gut an den CDG Guerrilla Store in der Chausseestrasse, den sie 2004 eröffnet haben. Soweit ich weiß, ist die Idee zu den Guerrilla Stores sogar erst in Berlin entstanden?
Adrian Joffe: Das stimmt. Als Madame Kawakubo und ich 2003 nach Berlin kamen, waren wir begeistert von der Energie der Stadt. Insbesondere von Mitte und Ost-Berlin. Überall gab es Neues zu entdecken, es gab so viel Freiraum. Also dachten wir, Berlin, ist so eine tolle Stadt, um neue Sachen auszuprobieren, warum sollten wir das nicht auch machen? Und zwar gemeinsam mit den Leuten vor Ort. Wir liefern die Ware, die Ausstattung und geben ihnen ansonsten vollkommene Freiheit. Mit Lil Schlichting-Stegemann und Christian Weinecke, der damals noch Architektur-Student war, haben wir dann in einer ehemaligen Buchhandlung den ersten Guerrilla Store weltweit eröffnet. So ist die Idee entstanden.
Achtung: Sieben Jahre später: Wie hat sich Berlin verändert?
Adrian Joffe: Sehr. Es entwickelt sich – durchaus zum Positiven. Natürlich an manchen Stellen ist es touristischer geworden, aber Berlin hat nichts von seiner Energie verloren. Es fühlt sich immer noch gut an hier zu sein. Und es fühlt sich noch besser an, dass wir mit unserem neuen Projekt wieder Teil des Ganzen sind.
Achtung: Noch einmal zurück zu den Guerrilla Stores. Es scheint also ob, immer wenn ihr mit einer neuen Retail-Idee an den Start geht, sie 6 Monate später kopiert ist. Bestes Beispiel: Pop-Up Stores. Ist das nicht nervig?
Adrian Joffe: Im Gegenteil, das ist es, was uns frisch hält. Du musst das zu deinem Ansporn machen, immer ein Schritt voraus zu sein. Das ist doch die Idee von „Avantgarde zu sein“: schneller zu sein, innovativer zu sein. Und wenn uns jemand hinterherläuft, zeigt das doch, dass wir damit richtig lagen, oder? Dass die Leute mögen, was wir machen, sich davon inspiriert fühlen. Das ist doch nicht Schlechtes. Sicher es ist nicht immer einfach, aber es hält uns wachsam.
Comme des Garcons Black Shop Berlin
Im Black Laden
Achtung: Also auf zu neuen Ufern. Können Sie uns etwas über das Konzept des Pocket- und Comme des Garçons Black Shops erzählen?
Adrian Joffe: Zunächst, es ist das erste Mal, dass wir diese beiden Konzepte, diese beiden Shops vereint haben. Pocket ist aus der Idee entstanden, dass wir einen kleinen, kompakten Shop mit einem schnellen, direktem Kontakt zum Kunden haben wollten. Wo man reinkommt, nicht viel nachdenkt und einkauft – wie in einem Kiosk mit Dingen des alltäglichen Bedarfs. Alles Produkte, die theoretisch in deine Hosentasche passen.
Comme des Garçons Black hat eine andere Ausrichtung. Es gab immer viele Teile in unseren Kollektionen, bei denen Leute uns gefragt haben, warum macht ihr das nicht noch einmal? Black beinhaltet genau diese klassischen, ikonischen Comme des Garçons-Teile, die wir, die unsere Kunden lieben, weil sie zeitlos sind. Und das zu einem sehr vernünftigen Preis.
Achtung: Ist es nicht schwierig für eine Marke wie Comme des Garçons, dessen Grundsatz immer Individualität war, sich mit so einem Massenmarkt, wie es der Parfum- und Accessoiresbereich ist, zu identifizieren?
Adrian Joffe: Ich sehe da keinen Widerspruch. Es gibt ja nicht nur ein Comme des Garçons Parfum, das jeder trägt. Wenn die eigentliche Idee von Mode doch ist, dass man damit seine Individualität ausdrücken kann, dann kann man das ganz einfach durch die Farbe des Portemonnaies, durch das Parfum, das man wählt, tun. Es bleiben genug Auswahlmöglichkeiten.
Achtung: Die Modeindustrie hat sich in den letzten 30 Jahren sehr verändert. Können Sie eigentlich noch ohne diese ganzen T-Shirts, Portemonnaies, Parfums überleben? Bisher gab es noch keine Comme des Garçons Taschen oder Sonnenbrillen, aber...
Adrian Joffe: Keine Lizenzierungen! Wir sind keine dieser Luxusfirmen, die nur von Taschen und Parfums leben. Das ist nicht die Basis unserer Marke – es sind vielleicht 5%, die dieses Geschäft für uns ausmacht. Sicherlich, diese Produkte sind ein Weg Menschen an die Idee von Comme des Garçons heranzuführen, aber wir befinden uns damit immer noch in einer Nische. Wir gehen ja nicht mit unseren Fragrances auf Promo-Tour durch die Parfümerien dieser Welt.
Achtung: Trotzdem haben Sie in den letzten Jahren sehr expandiert. Wie viel Einfluss bleibt Rei Kawakubo da eigentlich noch?
Adrian Joffe: Alles Visuelle, alles was mit unserem kreativen Konzept zu tun hat, kommt zu 100% von ihr.
Achtung: Also auch der Shop in dem wir gerade stehen?
Adrian Joffe: Auch dieser Shop. Für Comme des Garçons Black haben wir ein System aus schwarzen Wänden entwickelt, dass individuell an den jeweiligen Ort angepasst wird. Sprich Rei Kawakubo gibt die Parameter vor, lässt aber jedem die Freiheit zur eigenen Gestaltung.
Christian Weinecke war auch für diesen Shop verantwortlich. Er hat ihn entworfen und Madame Kawakubo präsentiert. Es gab keine Änderungen, unglaublich! Obwohl, eine Sache. (Christian: Eine ziemlich entscheidende Sache!) Stimmt. Christian hatte in unserem Pocket Shop in Tokio einen Holzrahmen gesehen, den er hier auch einsetzen wollte und zwar im Durchgang zwischen den beiden Shops. Rei Kawakubo sah sich seine Entwürfe an und sagte: „Alles ist gut, bis auf die eine Sache. Warum versuchen wir nicht den Holzrahmen diagonal zu stellen, so dass er durch die Wand in die zwei Räume hineinragt und eine Verbindung zwischen den Shops darstellt.“ Genau dieses Element ist es, das den Shop in Berlin so einzigartig macht. Und sie hat es mit nur einem einzigen Blick auf die Pläne gesehen.
Achtung: Was sind die nächsten Pläne? Warum hat Comme des Garçons z.B. bisher nur einen sehr spärlichen Internetauftritt?
Adrian Joffe: Damit beschäftigen wir uns gerade und wollen das vorantreiben. Das nächste großes Projekt ist aber Dover Street Market London in Dover Street Market Tokio zu übersetzen. Gleiches Konzept, aber ganz anders. 6 Etagen, 2100qm – die doppelte Größe des Stores in London. Nach all den schrecklichen Katastrophen im letzten Jahr, der schlechten Wirtschaftslagen, hoffen wir, die Stadt Tokio wieder ein bisschen beleben, stärken zu können. In 2 Monaten, am 15. März 2012, eröffnen wir in Ginza.
Achtung: Heißt das, Sie eröffnen den Store nur aus diesem Grund oder sind weitere Dover Street Markets geplant?
Adrian Joffe: Das ist der nächste Bereich in dem wir wachsen wollen. Wir haben 6 Jahre gewartet, um in London alles richtig zu machen, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um damit in die Welt zu gehen. Das es nun Tokio geworden ist, war eher Zufall. Ich verrate Ihnen was, den nächsten Dover Street Market werden wir vermutlich in New York eröffnen. Das haben wir bisher noch niemanden erzählt!
Achtung: Oh, danke! Zurück zu Berlin: Wenn Sie in der Stadt sind, wo sind Sie dann unterwegs? Gibt es Lieblingsorte?
Adrian Joffe: Ich war gestern das erste Mal im Soho House – ein beeindruckendes Haus! Leider werde ich diesmal viel mit unseren neuen Shops beschäftigt sein. Aber mein Team schicke ich zu einigen Möbelläden, um ein paar DDR-Designerstücke für unseren neuen Dover Street Market zu finden. Zu mehr bleibt wohl diesmal keine Zeit. Aber nächstes Mal, will ich unbedingt die Clubs auschecken.
Achtung: Dann freuen wir uns auf ein nächstes Mal.
Comme des Garçons Pocket & Black Shop, Linienstrasse 115, 10115 Berlin
CDG Black Interior // alle Fotos von Cheffotograf Gregor Hohenberg
Shop Talk with CDG's Adrian Joffe
From: Nicole Urbschat

