Wir haben uns bei "Achtung" von Anfang an das Ziel gesetzt, deutsche Modekultur nach außen zu tragen. So fokussieren wir uns auf deutschsprachige Fotografen, Designer, Models, Orte und unsere Kultur im Allgemeinen, um eine Modezeitschrift zu schaffen, die für sich selbst steht und auch international gelesen und beachtet wird. Wir wollen gerne das Magazin sein, das bei Miuccia Prada auf dem Nachttisch liegt - oder auch gerne bei wichtigen Leuten auf dem Klo. Die "Achtung" immer so anspruchsvoll zu gestalten, dass sie ernst in den Texten und trotzdem schön in den Fotos ist, das ist schon Herausforderung genug. Aber es ist nichts gegen eine viel schwierigere Übung, die Distribution. Als Independent-Magazin ohne großen Verlag im Rücken ist es schwer, die Hefte an den Mann und an die Frau zu bekommen. Zum Glück gibt es in Deutschland endlich Magazin-Fachgeschäfte; besonders hervorheben wollen wir doyoureadme (www.doyoureadme.de) in Berlin und Soda (www.sodabooks.com) in München. Diese Läden ziehen ein Publikum an, das unserem Leserprofil entspricht: an Mode interessiert, mit Anspruch an exklusiven und eigenproduzierten Inhalten, vollkommen mit sich im Reinen, was die Nationalität angeht - und seien es Touristen, die aus Deutschland eine kreative Postkarte mitbringen wollen.
Am Kiosk tun wir uns da schon viel schwerer. Wir drucken auf teurem Papier und können nicht in die Masse gehen, um gute Positionen zu ergattern. Wir finden es nicht o.k., sehr viele Hefte zu drucken, um dann sehr viele Hefte wegzuschmeißen - nur um uns mit einer hohen Auflage bei den Anzeigenkunden wichtig zu machen oder um die Kioske mit Masse zuzupfeffern. Am einfachsten ist es sicherlich, die "Achtung" zu abonnieren. Dann kommt sie direkt ins Haus, und man muss nicht im Laden bei den Heften unter "A" wie "Auto Motor und Sport" oder "Antiquitäten Extra" rumstöbern (www.internationale-presse.de). Auch im achten Jahr sind wir immer noch auf Pioniermission. Im normalen Pressegrosso haben die großen Verlage alles im Griff. An der Kasse liegen nur die Magazine, die auch dafür bezahlen. Auf einem kleinen Tisch ausgelegt oder gut fürs Auge positioniert zu sein, kostet auch Geld. Das sind dann Titel wie "Stern" oder "Spiegel", die gut laufen - und der Kioskangestellte ist auch eher pragmatisch veranlagt.
Um an die internationalen Leser heranzukommen, braucht man einen guten Vertrieb. Vor allem der amerikanische Markt ist von besonderer Bedeutung. New York ist die Stadt, die alle visuellen Standards in der Modebranche setzt - dort sind die Stevens zu Hause, Meisel und Klein. Alle Entscheidungsträger sind dort mehrmals im Jahr auf Durchreise. Auch da ist es schwierig, richtig anzukommen. Seit der Gründung von "Achtung" haben wir mit zwei Vertriebspartnern gearbeitet, David Renard und Parthiv Sheth. Beide haben uns immer bestätigt, wie beliebt "Achtung" und "Sepp" (www.sepp-magazine.com) bei den Lesern sind und wie gut sie sich verkaufen. Nachdem wir mehrere tausend Euro in den Transport investiert hatten (Fedex nach New York kostet richtig Geld), haben uns beide, kurz bevor es zum Zahlen der Rechnung kam, mitgeteilt, dass sie pleite sind. Einfach so, ohne Entschuldigung. Interessanterweise arbeitet David Renard weiterhin und berät das Magazin "V".
Aber das soll uns nicht aufhalten. Wir sind weiter im Amerika-Geschäft, weil es wichtig ist, die "Achtung" international zu platzieren und damit auch der deutschen Mode einen Rang zu geben, den sie verdient. Und siehe da: Unser Cheffotograf Jork Weismann, der gerade auf den Spuren seines Idols Helmut Newton in Los Angeles ist und an einem Chateau-Marmont-Fotobuch arbeitet, hat uns heute morgen dieses Bild geschickt. Die in Berlin gedruckte "Achtung" am Newsstand, sogar dem besten Newsstand von ganz L.A., genau gegenüber vom Chateau.