Wir gehen alle in die Hamburger Schule. Da lernen wir, wie deutsche Mode geht. Wir haben nur die besten Lehrer: Jil und Karl und Wolfgang. Manchmal gibt es Ausflüge. Dann machen wir uns mit der Tradition vertraut und sehen Modeschauen, wo sie sonst nicht sind: zum Beispiel in der Elbphilharmonie. Dabei mit von der Partie: die Prinz-Heinrich-Mütze und der Friesennerz. Oder wir gehen in das Schanzenviertel, wo die Anarchie zu Hause ist. Zur Roten Flora und ihrer Bande ins Autonome Zentrum. Wir lernen rund um die Uhr. Weil: Schule ist auch nachts. Da gerät manch einer auf die schiefe (Reeper-)Bahn. Man sieht dort Paradiesvögel im Rausch der Straße stehen. Frei ist ja vieles in der Hansestadt, bis hin zum Hafen. Da, wo schrillbunte Container unterm Einheitsgrau des Himmels ihre Farbe zeigen. Alles ist Diskurs in Hamburg, sogar Pop. Und der hat Geschmack: nach goldenen Zitronen. Die Designsprache ist pur, als hätte sie einer mit ruhiger Hand und klarem Namen klug entwickelt. Ein Peter Schmidt vielleicht. Aber auch kulinarisch ist die Stadt nicht ohne: „Es gibt Bier als Pausenbrot“ (Tocotronic). Kurzum, es gibt nur eine Gefahr: Sie gefällt vielleicht zu gut. Wie singen Tocotronic? „Vielleicht komme ich hier nie wieder raus.“ Das heißt nur sonst wo sitzen bleiben. Im Hamburger Rathaus heißt es Ehrenbürgerwürde.

Auszug aus dem Editorial der Ausgabe No. 35 von Eckhart Nickel

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