ABER DIE MODE SELBST IST WIE EIN STUNDENGLAS. SIE HAT, SEHR modisch, den Gürtel enger geschnallt, damit wir, die Betrachter der Mode, sehen können, wie die Zeit vergeht, der Sand von oben nach unten rinnt. Mode ist idealiter der perfekte Ausdruck ihrer Zeit, sie muss dabei flüchtig sein, immer in Bewegung, um nicht den Anschluss an das, was um sie herum geschieht, zu verlieren. Zugleich aber ist sie, wie jeder schöne Augenblick, für die Ewigkeit gemacht und lebt von dem Paradox, Momente aus dem Lauf der Zeit herauszureißen und in einem schillernden Bild schockzugefrieren. Dabei lässt sie uns, wie das durchsichtige Glas, in dem der Sand zu sehen ist, zu Betrachtern der Zeit an sich werden. Und genau wie das Stundenglas, das, wie die Mode, ganz von seiner Silhouette lebt,auf den Kopf gestellt werden muss, um die Zeitmessung von Neuem zu beginnen, muss auch Mode mit ihrem Material immer wieder von vorne anfangen, um ganz weit vorn zu bleiben. Einfach so tun, als gälte es, den Menschen, den sie kleidet, ganz neu zu denken. Nur auf diese Weise entstehen ihre Wunder und wir dürfen staunen. Mode lebt von der Kraft des Gefühls, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. So reist sie mit uns um die Welt, wo auch immer wir gerade sind. Davon handelt diese Ausgabe von Achtung Mode.

 

 

Auszug aus dem Editorial der Ausgabe No. 34 von Eckhart Nickel